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Überlegungen zur Einrichtung des Sozialpraktikums
Anders als ein Berufspraktikum, das in der Regel die konkrete individuelle
Laufbahnplanung zum Ziel hat, bezwecken wir mit einem Sozialpraktikum, unsere Schülerinnen in
Lebensbereichen Erfahrungen sammeln zu lassen, die ihnen bislang verschlossen blieben.
Eine Bejahung von Leistung, die zugleich in die Verantwortung für sich
und andere eingebunden ist, die Erfahrung, dass effektive Arbeit eines Teams nur möglich ist in
einer Gemeinschaft, die sich auf jeden Einzelnen verlassen kann, sollen Ziele unseres Praktikums
sein.
Integriert in den Arbeitsprozess einer 38-Stundenwoche lernen die
Schülerinnen, Verantwortung in einem abgesteckten Bereich zu übernehmen, möglicherweise Konflikte
mit Mitarbeitern und Vorgesetzten zu bewältigen, erfahren Belastungsfähigkeit als wichtiges
Kriterium zur Einschätzung des eigenen Leistungsvermögens. Berichte anderer Schulen zeigen, dass
manche Schüler durch die erworbenen Erfahrungen auch in ihrer Berufswahl beeinflusst und bestärkt
werden.
Seit zehn Jahren beteiligen sich alle Schülerinnen unserer Jgst. 11 am
Sozialpraktikum. Es ist zeitlich auf einen Rahmen von drei Wochen begrenzt. Der Januar, also das
Ende der Jahrgangsstufe 11/1, scheint uns der geeignete Zeitpunkt für ein Praktikum dieser Art zu
sein, da so weder die Wahl der Leistungskurse noch die Qualifikationsphase für das Abitur
beeinträchtigt werden.
Die Schülerinnen werden in den Arbeitsprozess der jeweiligen Institution
integriert, das heißt natürlich auch, dass sie die Arbeitszeit der ständigen Mitarbeiter
übernehmen.
Seit Beginn des Praktikums arbeiten wir mit einem festen Stamm von ca. 65
Institutionen zusammen, die sich größtenteils sehr positiv über den Einsatz unserer Schülerinnen
äußern. Es macht Sinn, gerade bei einem Sozialpraktikum regelmäßig die gleichen Institutionen
anzubieten, da so feste Ansprechpartner und präzise Angaben über Einsatzmöglichkeiten und
Anforderungsprofil in den einzelnen Häusern gewährleistet sind. Das hat den Vorteil, dass die
Ansprechpartner der Praktikanten vor Ort genau über die Zielsetzungen eines Sozialpraktikums
informiert sind und unsere Ziele bei der Aufgabenverteilung berücksichtigen.
Zu den Institutionen gehören:
Krankenhäuser
Altenheime
Schulen für geistig und körperlich behinderte Kinder
Integrative Kindertagesstätten
Werkstätten für behinderte Erwachsene
Wohnheime für behinderte Erwachsene
Wohnheime und Krankenhäuser für psychisch kranke Menschen des Kreises
Neuss und Düsseldorf.
Im Juni eines jeden Jahres stellen wir ein Praktikumsheft zusammen, in dem
alle zu einer Entscheidung notwendigen Informationen über die möglichen Praktikumsstellen wie
Aufgabenfeld, Dienstzeit, Anreisemöglichkeiten der beteiligten Häuser zusammengefasst sind.
Anhand des Wahlheftes können die Schülerinnen vor den Herbstferien ihre
persönlichen Wünsche formulieren, die dann so weit wie möglich Berücksichtigung finden. Als
Entscheidungshilfe und zur theoretischen Auseinandersetzung mit den verschiedenen Aufgabenfeldern
führen wir im September einen Einführungstag im Marienhaus durch, bei dem Vertreter der
Institutionen und Schülerinnen der Jahrgangsstufe 12 über zu Wort kommen.
Die Organisationsgruppe kümmert sich zusammen mit den Religionslehrern der
Jahrgangsstufe 11/1 um die thematische Vorbereitung der Schülerinnen, übernimmt ebenfalls die
individuelle Betreuung während des Praktikums, d.h., die Betreuerinnen sind jederzeit telefonisch
erreichbar und suchen die Praktikantinnen an mindestens einem Termin am Praktikumsort auf.
Die Schülerinnen fassen ihre Erlebnisse in kurzen Berichten zusammen, die
dann nach Beendigung des Praktikums zur Aufarbeitung der Erfahrungen herangezogen werden
können.
Eine nach Beendigung des Praktikums 2000 durchgeführte anonyme Befragung
aller Schülerinnen hat eine beeindruckende Akzeptanz des Sozialpraktikums gezeigt:
1. 88 % empfehlen die
besuchte Einrichtung guten Gewissens an die nächsten Praktikanten weiter.
2. 85 % haben es gut
gefunden, schon nach kurzer Zeit verantwortungsvolle Aufgaben erledigen zu dürfen.
3. 83 % fühlten sich
durch die ständigen Mitarbeiter vor Ort freundlich aufgenommen und gut betreut.
4. 88 % äußerten, gute
Kontaktmöglichkeiten zu Patienten, Bewohnern bzw. Schülern gehabt zu haben und nicht nur zu
Putzarbeiten herangezogen worden zu sein.
5. Nach einer
abschließenden Note für das gesamte Sozialpraktikum befragt, erteilten die Schülerinnen (Skala 1
– 6) der Zeit einen Notendurchschnitt von
1,6.
Zusammenfassend kann man die Einführung des Sozialpraktikums als großen
Erfolg bezeichnen. Auch Schülerinnen, die sich vor Durchführung des Praktikums sehr skeptisch
äußerten und ein Berufspraktikum vorgezogen hätten, zeigen sich nach Ende der drei Wochen äußerst
zufrieden und merkten an, die erlebte Zeit nicht missen zu wollen.
Weitere Informationen finden Sie im internen Bereich Material (rechter
Button in der oberen Navigationsleiste)
Im Namen des Betreuungsteams
gez. Dr. Karin Loosen |