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Aus der Tagespost

Katholische Schulen – die bessere Alternative?

Sie lagen in der Pisa-Studie über dem Durchschnitt und garantieren christliche Erziehung

Von Clemens Breuer

Die Zukunft unseres Landes hängt zu einem Großteil von der Bildung der Menschen ab, was die Bevölkerung jedoch relativ „gelassen“ hinnimmt. Soeben hat das Institut für Demoskopie Allensbach den Deutschen bescheinigt, dass sich ihr Interesse an Bildungsfragen „sehr in Grenzen hält“, was nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass weniger als ein Viertel der Bevölkerung Kinder im schulpflichtigen Alter hat. Auch die schlechten Ergebnisse der Pisa-Studie haben bislang keine große Aufmerksamkeit gefunden, so das Institut: „Nur 21 Prozent der Bevölkerung, 32 Prozent der Eltern mit Schulkindern haben die Berichterstattung über die Pisa-Studie näher verfolgt.“ Dagegen rangieren Themen wie die wirtschaftliche Lage und die sozialen Sicherungssysteme weit darüber (70 bis 90 Prozent). Nur „31 Prozent der Bevölkerung würden sich gerne einen Vortrag zum Thema ,Wie gut sind unsere Schulen?‘ anhören, von den Eltern von Schulkindern immerhin 45 Prozent.“

Bekanntlich haben an Pisa-2000 in der internationalen Studie 219 deutsche Schulen teilgenommen. Beim nationalen Ländervergleich wurde diese Zahl beträchtlich erhöht, sodass insgesamt 1466 Schulen in Deutschland einem Vergleich unterzogen wurden. Erst durch diese deutliche Erhöhung der einbezogenen Schulen im nationalen Vergleich konnten statistisch abgesicherte Aussagen über die Ergebnisse in den einzelnen Ländern und in den verschiedenen Schulformen erreicht werden.

Während über die Pisa-2000 Studie bislang viel geschrieben und diskutiert wurde, konnte man bislang nur sehr wenig darüber vernehmen, inwieweit katholische Schulen in das insgesamt blamable Ergebnis eingeschlossen waren. Betrachtet man die große Anzahl von einbezogenen Schulen, so mag man vielleicht zunächst die Vermutung äußern, dass die zwölf katholischen Schulen in Deutschland, die darin vertreten waren und ausgewertet wurden, unauffällig „mitschwimmen“. Dies war jedoch keineswegs der Fall, da zu erkennen ist, dass die ausgewerteten katholischen Schulen alle über dem bundesdeutschen Durchschnitt lagen.

So hat beispielsweise das katholische Mädchengymnasium Marienberg in Neuss bei der Pisa-Studie 607 Punkte in der Lesekompetenz, 568 Punkte in der mathematischen Grundbildung und 580 Punkte in der Naturwissenschaftlichen Grundbildung erhalten, bei einem bundesdeutschen Durchschnitt aller ausgewerteten Schulen von 484 bis 490 Punkten in den jeweiligen drei Bereichen. Während sich somit der bundesdeutsche Durchschnitt in der Lesekompetenz im oberen Bereich der Kompetenzstufe II befindet (es gab die Leistungsstufen I bis V), konnte das Marienberg-Gymnasium die zweithöchste Kompetenzstufe (IV) erreichen. In der Sprache der Pisa-Studie heißt dies beispielsweise auf die Lesekompetenz bezogen, dass bei der Kompetenzstufe II unter anderem das „Verstehen von Beziehungen oder das Erfassen einer Bedeutung innerhalb eines Textteils auf der Basis von einfachen Schlussfolgerungen“ vorgenommen werden kann. Bei der Kompetenzstufe IV dagegen besteht die Fähigkeit darin, „ein akkurates Verstehen von langen und komplexen Texten“ unter Beweis stellen zu können.

Betrachtet man die Frage nach der Akzeptanz und Einschätzung von katholischen Schulen bei den Eltern, so ist nicht zu übersehen, dass katholische Schulen einen gu-ten Ruf besitzen, was sich nicht zuletzt darin ausdrückt, dass die Bewerberzahl deutlich über dem Angebot liegt. Im bundesdeutschen Durchschnitt liegt der Überhang an Bewerbern an katholischen Schulen bei 30 Prozent. Regional liegt der Überhang weit darüber. So kommen beispielsweise bei dem von Jesuiten geführten Aloisiuskolleg in Bonn auf 100 Plätze über 250 Bewerber. Am Marienberg-Gymnasium in Neuss kommen auf etwa 170 Plätze etwa 250 Bewerberinnen. Ein „Ansturm“ herrscht geradezu an katholischen Schulen in Berlin, wo der Überhang teilweise bei 300 Prozent liegt.

Umfragen haben ergeben, dass Schulleiter katholischer Schulen als Aufnahmekriterien an vorderster Stelle die religiöse Einstellung der Eltern und den persönlichen Eindruck in einem Vorstellungsgespräch nannten. Eltern dagegen vertrauen in hohem Maße auf persönliche Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis, wobei zu erkennen ist, dass sich katholische Schulen in der Regel durch engagierte und interessierte Eltern auszeichnen. Diese Beobachtung ist umso bemerkenswerter, als die Pisa-Studie ergeben hat, dass ein großer Teil der deutschen Eltern offensichtlich überhaupt keinen Anteil an den schulischen Leistungen ihrer Kinder nimmt. Demgegenüber erhoffen sich gerade Eltern von Kindern an katholischen Schulen eine besonders enge und intensive Zusammenarbeit mit den Lehrern.

Die Nachfrage wächst

Die hohe Nachfrage – in Zeiten permanent geburtenschwacher Jahrgänge – drückt sich nicht zuletzt durch Neuerrichtungen von katholischen Schulen in den vergangenen Jahrzehnten aus, sodass die Gesamtzahl der Schüler an katholischen Schulen in diesem Zeitraum gewachsen ist. Betrug sie Ende der 60-er Jahre etwa 200000 Schüler, so stieg sie in den weiteren Jahren deutlich an, um sich in den 80-er Jahren bei etwa 300000 einzupendeln. Im Schuljahr 2002/2003 besuchten etwa 367000 Schüler katholische Schulen in Deutschland (weltweit werden katholische Schulen von etwa 40 Millionen Schülern besucht). Damit liegt der Anteil von Schülern, die in Deutschland an katholischen Schulen unterrichtet werden, etwas über drei Prozent der Gesamtschülerschaft in unserem Land. Dieser – im Vergleich zu anderen Staaten – relativ geringe Anteil erklärt sich dadurch, dass es bei uns seit langer Zeit öffentliche Bekenntnisschulen gibt, die bekenntnisgebundenen Religionsunterricht in öffentlichen Schulen anbieten, sodass sich für nicht wenige Eltern die Wahl einer katholischen Schule erübrigte. So sind beispielsweise 1 156 öffentliche Grundschulen in Nordrhein-Westfalen katholische Bekenntnisschulen, was einem Drittel aller öffentlichen Grundschulen in diesem Bundesland entspricht. Gleichwohl muss hierbei bedacht werden, dass es einen direkten kirchlichen Einfluss auf die pädagogische Gestaltung dieser Schulen nicht gibt.

Zu bedenken ist ferner, dass in den letzten Jahren allmählich der Anteil an Schülern an katholischen Schulen in den neuen Bundesländern angewachsen ist. Im Bistum Magdeburg beispielsweise gab es bislang drei Gymnasien und zwei Grundschulen in katholischer Trägerschaft. Zum nun beginnenden neuen Schuljahr werden zwei weitere Grundschulen hinzukommen, weswegen das Bistum damit der größte freie Schulträger in Sachsen-Anhalt ist.

Umfragen Ende der 90-er Jahre haben ergeben, dass Eltern als Grund für die Wahl einer katholischen Schule zu über 54 Prozent angeben, dass die Schule gute Lehrer habe. Am zweithäufigsten wird das Bemühen um die Erziehungsgemeinschaft von Elternhaus und Schule genannt (45,4 Prozent). Im Weiteren wird die Erziehung zu sozialem Engagement (39,3 Prozent), das hohe Ansehen der Schule (36 Prozent) und die hohe persönliche Zuwendung zu den Schülern (33,8 Prozent) aufgeführt. In einem deutlichen Abstand hierzu wird die Bedeutung von Glaubensfragen in der Schule lediglich bei 16,3 Prozent der Eltern genannt und die Einführung in die Glaubenspraxis bei 13 Prozent. Mit diesem – für spezifisch christliche Glaubensinhalte – vergleichsweise geringen Interesse von Seiten der Eltern geht die Beobachtung einher, dass die Möglichkeit der Schüler, wöchentlich an einer Eucharistiefeier in der Schule teilnehmen zu können, in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen ist: von 52,8 Prozent am Ende der 80-er Jahre auf 18,2 Prozent am Ende der 90-er Jahre. Gleichwohl wird von Seiten mancher katholischer Schule darauf hingewiesen, dass sie stattdessen Gelegenheiten zu anderen Aktivitäten der Schulpastoral (etwa Tagen religiöser Orientierung) anbieten. Insgesamt ergaben die Umfragen, dass 43,2 Prozent der Schüler katholischer Schulen das schulpastorale Angebot als ein bedeutsames Proprium ihrer Schule ansehen. 50 Prozent der Schüler und 76,2 Prozent der Eltern sind der Auffassung, dass sich hinsichtlich der „Atmosphäre“ und des „Klimas“ im Umgang miteinander eine eigene Prägung in der katholischen Schule erkennen lässt.

Wenn wir die Suche nach dem Spezifischen der katholischen Schule aufnehmen, so müssen wir grundlegend die Frage stellen, ob das christliche Menschenbild in ausreichendem Maße das Leben in der Schule durchdringt, wenn an nicht wenigen Schulen ein regelmäßiger Besuch der Schüler an der Eucharistiefeier nicht gewährleistet ist. An einer katholischen Schule muss deutlich werden, dass sich ihr „guter“ Geist, der dann die ganze Schule als eine „gute“ auszeichnen wird, an der Eucharistiefeier entzündet. Wenn neben dem Religionsunterricht die Schüler die Mitfeier des Gottesdienstes jedoch nicht mehr hinreichend erfahren (können), dann bleibt das im Unterricht vermittelte Wissen Theorie, die den Einzelnen kaum berührt. Niemand will aus katholischen Schulen ausgesprochene „Missionsstationen“ machen, doch ist darauf zu achten, dass sich Werthaltungen durchsetzen, die von einer Achtung und Ehrfurcht vor Gott und den Menschen gekennzeichnet sind. Nur so kann das Wesentliche und Spezifische der katholischen Schule bewahrt werden, da hierdurch der innere Zusammenhalt aller Schulfächer erkennbar werden kann.

Die Sozial- und Naturwissenschaften werden in ihrer Bedeutung gewürdigt, doch werden sie nicht absolut gesetzt, da der letzte Grund nicht in ihnen selbst liegt. Die religiöse Dimension stellt die Klammer dar, die alle übrigen Fächer zusammenhält und damit im guten Sinne Freiräume schafft. Die vom Zweiten Vatikanischen Konzil angesprochene Anerkennung der „relativen Autonomie der irdischen Wirklichkeiten“ lässt den einzelnen Fächern ihre sachgemäße Bedeutung, ohne sie jedoch aus dem größeren religiösen Zusammenhalt zu entlassen. Darin liegt ein Schlüssel für den zukünftigen Erfolg katholischer Schulen, wobei vor allem das Lehrerkollegium von diesem Wissen durchdrungen sein muss.

Den Glauben erleben

Auf die Frage „Wozu brauchen wir katholische Schulen?“ gab eine Oberstudiendirektorin unter anderem folgende Antwort: Die Möglichkeiten der freien Schulen müssen besser genutzt werden. „Dies bedeutet, dass wir nicht unbedingt die auf einem Minimalkonsens beruhenden dünnen Richtlinien im Fach Religion an unseren Schulen unreflektiert übernehmen, sondern klare Akzente auch in den anderen Fächern setzen. (...) Nicht nur in der theoretischen Reflexion über Glaubensinhalte, sondern im praktischen Glaubensvollzug sollen die Schüler an katholischen Schulen ihren Glauben erleben. Dies ermöglicht die wöchentliche Schulmesse, in der die Schüler den Spannungsbogen des Kirchenjahres nachvollziehen lernen, und im Laufe der Zeit Verständnis dafür gewinnen, dass die Eucharistiefeier das Zentrum unseres christlichen Glaubens ist.“

Hierin liegt die eigentliche Quelle nicht nur des katholischen Glaubens im Allgemeinen, sondern auch der katholischen Schule im Besonderen. Von hier aus wird ein „Miteinander von Lehrern und Schülern“ erfahrbar, das eine eigene Qualität besitzt und – nicht zuletzt durch ein vielfältiges soziales Engagement – auf die Umwelt ausstrahlt. Katholische Schulen sollten sich nicht unter diesem Wert „verkaufen“, damit auch in Zukunft sichergestellt ist, dass – trotz oder gerade wegen der hohen Nachfrage nach katholischen Schulen – die christlichen „Qualitäten“ erkennbar bleiben. Der durch die Pisa-Studie erkennbare gute Bildungswert katholischer Schulen kann nur bewahrt oder vergrößert werden, wenn die Eucharistiefeier den zentralen Stellenwert beibehält oder wiedergewinnt.

 

Anzahl der Einträge: 11

Seiten:

Was lernen die Schülerinnen?

Wie lernen die Schülerinnen?

Hat die Schule ein Schulprogramm?

Gibt es Fortbildungen?

Öffnet sich das Gymnasium Marienberg seinem Umfeld?

Was sagen Sie zum Gesamteindruck des Schulgebäudes?

Werden die Meinungen von Eltern, Schülern einbezogen?

Werden Unterrichtsinhalte abgestimmt?

Titel der FAQ ist vakant

Ein weiterer Titel der FAQ

 
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