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„Am Sonntag, dem 7. April wurde von den Kanzeln in Neuss folgendes bekannt gegeben: „Die in unserer Stadt seit 83 Jahren bestehende Klosterschule Marienberg hat mit Ende des Jahres ihre Pforten schließen müssen. Sie soll als städtische paritätische Schule weitergeführt werden. Die ehrw. Schwestern vom armen Kinde Jesus müssen ihre Lehrtätigkeit einstellen. Die meisten von ihnen werden Neuss verlassen müssen, um sich eine andere Tätigkeit zu suchen. Wir Neusser Katholiken nehmen von den Schwestern mit tiefstem Schmerz Abschied. Wir werden ihnen stets Dankbarkeit bewahren für alle Liebe und Hingabe, mit der sie sich 83 Jahre hindurch der Erziehung unserer weiblichen Jugend gewidmet haben. Wir sind stolz darauf, dass die von ihnen geleitete Schule nicht nur die volle Anerkennung der Eltern, sondern bis in die letzte Zeit hinein sogar das höchste Lob der Aufsichtsbehörde gefunden hat.
Dem Dank, den wir für die Schwestern empfinden, wollen wir Ausdruck geben in unseren Gebeten. Möge Gott, der Herr, die Schwestern auch in Zukunft mit Seinem Segen begleiten. Möge sich ihnen im weiten Reiche Gottes hier auf Erden eine segensreiche Tätigkeit erschließen.“
So weit der Chroniktext aus einer schweren Zeit. Die Gebete der Neusser- Bevölkerung scheinen Gehör gefunden zu haben, denn wie Sie alle wissen, kamen die Schwestern gleich nach dem Kriege nach Neuss zurück und nahmen ihre Arbeit wieder auf.
Auf diesem fruchtbaren Fundamen durften wir aufbauen und so dürfen wir heute in aller Bescheidenheit feststellen, dass unsere Schule einen wichtigen- auch wirtschaftlichen- Platz in Kreis und Stadt einnimmt und einen nicht zu unterschätzenden Standortfaktor für Neuss bildet.
Der uns heute verliehene Preis regt zu Standortbestimmung an. Wir müssen uns fragen, welchen Beitrag unsere Schule zur Verteidigung unserer Demokratie und ihrer von Vätern des Grundgesetzes angestrebten werten leisten kann.
Wenn an der Schule Marienberg kein Abi-light vergeben wird dann erwächst dies aus der festen Überzeugung, dass nur fundierte Kenntnisse zum Urteilsvermögen in einer Gesellschaft führen, die öffentlich in Talk- Shows mit ihrer Dummheit liebäugelt und auf ihre Ignoranz noch stolz zu sein scheint. Man könnte eine solche Haltung noch als Zeit bedingte Torheit abtun, hätte sie politisch nicht so katastrophale Folgen, wie wir sie täglich erleben. Gerade deshalb wollen wir junge Menschen ausbilden, die sich nicht vorschnell ohne Kenntnisse in Diskussionen zu Wort melden und die nicht unbedacht aus diffusen Emotionen erwachsene Wertungen abgeben.
Ein weitere Aspekt scheint mir bedeutsam zu sein: Nicht eine auf Sozialneid basierende Gleichmacherei kann die Vorzüge, die unsere Verfassung uns gewährt, absichern. Wenn wir
das Solidaritätsprinzip angesichts der schwierigen demographischen Situation unseres Landes in die Zukunft retten wollen, dann müssen wir jungen Menschen schon sehr früh verdeutlichen, dass unterschiedliche Gaben auch unterschiedliche Anforderungen an den Einzelnen bedeuten. Nicht das weit verbreitete Ausnutzen eines Sozialstaates, der seine Bürden nicht mehr zu tragen vermag, kann Zukunft sichern, sondern nur die verantwortungsvolle Anstrengung und der Einsatz eines jeden. Hermann von Hessen und die Neusser Bürger haben in bedrängter Zeit gezeigt, dass durch Tapferkeit und durch den Einsatz des Einzelnen für das Gemeinwohl eine schier aussichtslos erscheinende Situation gewendet werden kann. Diese Lebenshaltung bedeutet für jeden Preisträger eine Verpflichtung.
Gestatten Sie mir einen letzen Gedanken. In unserer Gesellschaft, in der inzwischen alles gleich-wertig und alles gleich-gültig zu sein scheint, in der man den unterschiedlichsten Partnerschaften mit der Familie einen vergleichbaren Rang einräumen will, in der in der öffentlichen Diskussion das Kopftuch mit dem Kreuz in einem Atemzug genannt wird, ist es für junge Menschen schwer, noch Orientierung zu finden. Wir bemühen uns deshalb, unseren Schülerinnen christliche Grundwerte zu vermitteln. Erziehungswissenschaftler stellen die heute gängigen Selbstentfaltungswerte den traditionellen Werten gegenüber.
Das Christentum hat in unsere Kultur die christlichen Kardinaltugenden Glaub, Hoffnung und Liebe eingebracht.
Das christliche Liebesgebot erscheint mir auch heute noch der sicherste Garant für eine menschliche Gesellschaft zu sein, denn Solidarität entsteht nicht aus Gefühlsduselei, sonder erst aus der Überwindung der Selbstbezogenheit.
Wenn aus der jüngsten Gallup- Umfrage hervorgeht, dass nur noch 13% der Bundesbürger mit Hoffnung in die Zukunft sehen, dann glaube ich, dass es an der Zeit ist, auf die Kardinaltugend der Hoffnung zu verweisen und sie jungen Menschen vorzuleben. Die christliche Tugend der Hoffnung ist in dem Bewusstsein begründet. Dass der Mensch in seinem Bemühen, das Leben zu bewältigen, nicht allein ist, sondern dass Gott menschliches Stückwerk zur Vollendung führt. Wie heilsam wäre es, wenn wir aus einer solch hoffnungsfrohen Lebenshaltung wieder die Kraft gewinnen könnten, die anstehenden Probleme anzugehen und diese Gesellschaft aus ihrer Erstarrung zu lösen. In dieser larmoyanten Gesellschaft haben besonders Christen eine wichtige Aufgabe!
Hoffnung und Liebe sind in dem Gottesglauben begründet, der vornehmlich menschliche Hybris, menschlichen Machbarkeitswahn und egoistische Verfügung über den anderen Menschen in Schranken weisen kann. Dies müssen wir Jugendlichen verdeutlichen, denn anders wird sich der Lebensschutz in unserer Gesellschaft nicht sichern lassen.
Wenn es uns gelingt, unseren Schülerinnen zu vermitteln, dass nach christlichem Menschenbild jeder Mensch sein Leben aus der Hand eines liebenden Schöpfers empfangen und es vor ihm zu verantworten hat, dann hat die Schule Marienberg die Verleihung des ehrenvollen Preises verdient!
Dr. E. Schmitz-Keil
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