Geschichte der Schule Marienberg
von Schulleiter Josef Burdich
1654 Unter der Priorin Margareta Theresia von Nickel gründeten die Schwestern vom Heiligen Grabe (Sepulkrinerinnen) zwischen Hymgasse und Brückgasse ein Kloster. Gegen Entgelt erteilten sie Töchtern höherer Stände Privatunterricht.
1802 Auflösung dieses Klosters im Zuge der Säkularisierung
1805 Unter Napoleon wird die Kapelle Marienberg, erbaut 1462, der evangelischen Kirchengemeinde Neuss zugesprochen.
1807 Seit diesem Jahr besteht ein Institut mit angeschlossenem Pensionat, geleitet von einer Mademoiselle Schotten, in dem jungen Mädchen (ein Bericht von 1826 spricht von "erwachsenen Töchtern") Elementarwissen in Rechnen, Schreiben, Geographie und Naturkunde sowie in der deutschen und französischen Sprache vermittelt wurde.
Der Französischunterricht darf nicht zur Annahme verleiten, es handelte sich hier um eine höhere Schule, da Französisch in den von den Franzosen damals besetzten Rheinlanden obligatorisch war. Hauptfach war die Handarbeit, wobei man Unterschiede machte zwischen Handarbeiten für das bürgerliche Leben und Handarbeiten für die gebildeten Stände.
1814 Ein Bericht aus diesem Jahr nennt für diese Anstalt die Zahl von etwa 25 Töchtern von Neusser Bürgern und 15 Pensionärinnen (also auswärtigen Schülerinnen aus der Umgebung, die in der Schulzeit in der Schule Kost und Logis nahmen).
1826 Die Annalen zu diesem Jahr vermelden, dass die damalige Leiterin der Schule Abels, Nachfolgerin der Mademoiselle Schotten, freiwillig die Bildungsanstalt auflöste.
1830 Auf Betreiben von Bürgermeister, Stadtrat und Schulkollegium wird erneut eine Schulanstalt für Töchter aus den höheren und mittleren Ständen errichtet, welche an die Elementarschule anschloss. Diese Schule übernahm später selbst den Elementarunterricht, da auch jüngere Schülerinnen aufgenommen wurden.
Von der Stadt wurde diese Schule, die an der Quirinusstraße lag, mit jährlich 150 Talern unterstützt, das bedeutete etwa 5% der jährlichen städtischen Aufwendungen für die Neusser Schulbildung überhaupt.
Die Schule hatte nur wenig Zulauf, für Anfang der 30er Jahre werden unter den 30 Schülerinnen nur 6 Neusserinnen genannt. Sowohl die geringe Schülerinnenzahl als auch die prekäre finanzielle Situation ließen die Schule unter ihrer Leiterin Sybille Düts ständig in der Gefahr der Auflösung schweben.
1846 Die Stadt übernahm die Schule und gliederte sie versuchsweise als höhere Klasse der bestehenden Elementar-Mädchenschule an.
1854 Die damalige Leiterin Catharina Cabron verzichtete auf die Leitung der höheren Mädchenschule. Nachfolgerin wurde Elise Cloudt. Damals besuchten 46 Schülerinnen die damals zweiklassige Töchterschule.
Wahrscheinlich ab diesem Zeitpunkt fragte die Stadt bei verschiedenen Frauenorden an, ob sie zur Übernahme einer Neusser Mädchenschule bereit seien.
1855 Eröffnung eines Waisenhauses im Kallen-Haus Ecke Münsterplatz/ Münsterstraße durch Neusser Bürger weltlichen und geistlichen Standes; mit der Führung betraut wurden die Schwestern vom armen Kinde Jesus, die von Clara Fey 1844 in Aachen gegründete, damals also noch junge Ordensgemeinschaft. Die Erziehungs- und Ausbildungsziele der Schwestern umfassten folgende Aufgaben (nach Sr. Maria Caritas 1982, S.11): die Sorge für Waisenkinder, deren Ausbildung in einer Elementarschule, Ausbildung und Berufsvorbereitung sog. verwahrloster Mädchen, Übernahme der Elementarschule für Mädchen und die Fortführung einer schon bestehenden Verwahr-, Strick- und Nähschule.
1856 Da die von den Schwestern geführte dreiklassige städtische Mädchenelementarschule und die Elementarklasse des Waisenhauses auf eine Fortführung angelegt waren, scheint es wahrscheinlich, dass in den Gesprächen mit dem Orden über die Übernahme der höheren Töchterschule auch der Aspekt der Lehrerinnenausbildung Verhandlungsgegenstand gewesen sein könnte (Sr. Maria Caritas 1982, S.15). Die Stadt gewinnt die Schwestern vom armen Kinde Jesus auch zur Übernahme der höheren Töchterschule. Die Schwestern ziehen mit dem Waisenhaus und der Waisenhausschule aus den Gebäuden Ecke Münsterstraße/Münsterplatz in die Gebäude Ecke Glockhammer/Rheinstraße um.
Februar 1857 Die königliche Regierung genehmigt die Übernahme der höheren Mädchenschule durch die Schwestern.
22.April 1857 Die Schwestern vom armen Kinde Jesus nehmen ihre Unterrichtstätigkeit auf.
Nach der provisorischen Leitung durch Schwester Angelica (Catharina Troplong) wurde Fräulein Giesen, seit 1855 als zweite Lehrerin an der städtischen "Töchterschule" tätig, nach ihrem Eintritt in den Orden die Schulleitung übertragen. 1857 war sie erst 21 Jahre alt. Als Schwester Quirina baute sie die bei der Übernahme durch den Orden einklassige Schule zu einem System von 6 aufeinanderfolgenden Klassen auf und leitete sie bis zum Kulturkampf 1877.
1860 Die Stadt Neuss zog aber weiterhin (wie Ratsprotokolle belegen) Erkundigungen bei verschiedenen Frauenorden ein, ob sie an der Errichtung einer höheren Mädchenschule in Neuss interessiert seien. Die Anfragen wurden aber abschlägig beschieden, so dass sich die Stadt entschloss, die nun bestehende, in den Händen der Aachener Schwestern liegende Einrichtung so zu verbessern, dass sie den Anforderungen genügen konnte, die staatlicherseits an eine zweiklassige höhere Mädchenschule gerichtet wurden.
In der Folgezeit wurde die Schule zu einer Realschule mit sechs Klassen ausgebaut.
Weiterhin wurde ein Seminarkurs für angehende Lehrerinnen angeboten, teils für den Elementarschulunterricht, teils für das höhere Lehrfach; da der Schule, die sich ja ausweitete, selbst an einer Vergrößerung eines qualifizierten Kollegiums gelegen sein musste, ist die Vermutung naheliegend, dass bereits in den Jahren der Übernahme durch die Schwestern der Gedanke an die Aufstockung durch eine Lehrerinnenbildungsanstalt im Spiel gewesen ist, denn bis dahin fehlte es an Lehrerinnenbildungsstätten im preußischen Rheinland (Sr. Maria Caritas 1982, S.15).
1862 Im Gebäude Ecke Rheinstraße/Glockhammer wurde mit Pforte zur Rheinstraße eine Kapelle eingerichtet (die gotische Kapelle Marienberg gehörte ja nach wie vor der evangelischen Gemeinde!), die der heiligen Anna geweiht war; damit folgte man einer Tradition, derzufolge das mittelalterliche Rheintor dem Schutz der hl. Anna unterstanden hatte. Diese kleine Kapelle stand aber nur den Schwestern und Waisenhauskindern zu Hl.Messe und Gebet zur Verfügung, während die Schulmesse bis 1910 nach dem Umzug des Waisenhauses in die Rheydterstraße im Münster stattfand.
1866 Die ersten an Marienberg ausgebildeten Absolventinnen des Lehrerinnenbildungskurses erhalten nach bestandener Prüfung das Zeugnis der Reife, das allerdings nicht identisch ist mit dem späteren Abiturzeugnis; innerhalb von 10 Jahren (bis zum Kulturkampf) absolvierten 80 zukünftige Kandidatinnen diesen Bildungsgang.
14. Februar 1870 Die Schule erhält die Konzession, zwei Klassen mit Elementarunterricht als Vorbereitung auf die höhere Schule zu führen. Diese Konzession sollte während des Kulturkampfes noch eine Rolle spielen. (s.u.)
Ende 1874 Im Rahmen des Kulturkampfes verfügt die Bezirksregierung die Auflösung der höheren Töchterschule in konfessioneller Trägerschaft für Ostern 1875.
Die Stimmung unter den Stadtverordneten erscheint laut den Ratsprotokollen nicht einstimmig, da einige namhafte und einflussreiche Mitglieder der führenden Neusser Familien in liberaler Gesinnung die Grundlinien der Bismarckschen Politik mittrugen, andererseits befürchteten einige der Honoratioren trotz ihrer loyalen Gesinnung zusätzliche Aufwendungen für die Bildung ihrer Töchter, wenn es an einer Möglichkeit vor Ort mangelte.
1874/75 Für das Wintersemester 74/75 liegen konkrete Angaben zur Schulsituation vor:
206 Schülerinnen besuchen die Schule, darunter 31 Auswärtige, in Sexta bis Tertia fast nur Neusserinnen (bis auf drei Ausnahmen nur schulpflichtige Kinder), in der Prima nur 3 Neusserinnen, aber 19 Pensionärinnen, in der Sekunda 12 Neusserinnen gegenüber 4 Internen.Konfessionen: 177 katholisch, 11 evangelisch, 18 jüdisch
7. Januar 1875 Die sog. "einstimmige" Eingabe an den preußischen Minister der Geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten war jedenfalls nicht von allen Stadtverordneten unterschrieben worden. In der Petition bat man um einstweiliges Fortbestehen der Schule in der damaligen Organisation.
14. Mai 1875 Erst zu diesem Termin, also sehr spät wurde der Eingabe vom 7. Januar des Jahres entsprochen, allerdings mit der Verfügung, dass die zwei Vorbereitungsklassen aufgehoben werden sollten; die Kinder, die zu diesen gehörten, sollten an öffentliche Elementarschulen verwiesen werden. Mit Verweis auf den Vertrag von 1857 - offensichtlich lag die Konzession vom 14. Februar 1870 (s.o.) nicht vor! - wurde darauf bestanden, dass nur noch Kinder, die aus dem gewöhnlichen Elementarunterricht entlassen seien, an der von den Schwestern geleiteten höheren Töchterschule aufgenommen werden könnten.
14. Juli 1875 Der Schulvorstand beschließt, anstelle der beiden Vorbereitungsklassen, die ja nun aufgelöst werden mussten, eine zweistufige Zahlschule einzurichten. Sie sollte als Grundlage einer später einzurichtenden "höheren Töchterschule" dienen.
4. August 1875 Nachdem sowohl Bürgermeister wie auch Kreisschulinspektor diesen Vorschlag des Schulvorstandes befürwortet hatten, stimmte auch die Düsseldorfer Regierung zu.
Das Schulgeld für die unterste Klasse betrug 25,20 Mark jährlich, in der folgenden Klasse 28 Mark, in der darauf folgenden 51 Mark. Zum Teil aus Prestigegründen wurden diese hohen Beträge willig bezahlt ebenso wie die für die einjährige Vorbereitungsklasse für Jungen, die später auf das Gymnasium gehen sollten. Denn so wurden die Kinder der mittleren und höheren Schichten nicht mehr mit den ärmeren Kindern gemeinsam im Elementarunterricht unterrichtet.
Allerdings blieb das Interesse der Eltern an einer höheren Mädchenschulbildung gering, die Klassen der eigentlichen höheren Töchterschule wurden nur schwach besucht.
Die Ratsprotokolle geben beredten Aufschluss darüber, dass die Stadtverordnetenversammlung die Bereitstellung der Mittel für die beiden Lehrerinnen der Zahlschule verweigerte und durch Petitionen und Anfragen probierte, z.B. die Zahlschule auf ein Jahr zu begrenzen, was aber abschlägig beschieden wurde.
25. November 1875 Durch ministeriellen Erlass wird zum 1. April 1876 die Auflösung der Niederlassung der Genossenschaft vom armen Kinde Jesus verfügt.
29. Dezember 1875 Die Stadtverordneten wenden sich in einem Schreiben an den Minister und bitten um Aufschiebung des Termins.
5. Januar 1876 Man wendet sich mit einer Eingabe an Kaiserin Augusta.
10. Januar 1876 Die Düsseldorfer Regierung verfügt nun doch, dass den Schwestern vom armen Kinde Jesus die Fortführung der Waisenpflege und die Leitung der "Warteschule" bis zum 1. Oktober 1877 gewährt wird.
21. Februar 1876 Das Ratsprotokoll zu diesem Datum gibt zu erkennen, dass sich die Stadt Neuss - parallel zu ihren Bemühungen, die Schwestern vom armen Kinde Jesus in Neuss zu halten - umtut, eine (ausdrücklich private, nicht öffentliche) höhere Töchterschule unter der Ägide von weltlichen Lehrerinnen zu errichten.
12. April 1876 Ein Ministerialerlass, bestätigt durch das Ratsprotokoll vom 11. Mai 1876, verlängert die Frist zur Einstellung der Tätigkeit der Schwestern vom armen Kinde Jesus an der höheren Töchterschule und an den Volksschulen bis zum 1. April 1877.
9. Dezember 1876 Die Düsseldorfer Regierung genehmigt der Stadt Neuss die Errichtung einer privaten höheren Mädchenschule in weltlicher Hand.
22. Januar 1877 Die Stadt Neuss schließt einen entsprechenden Vertrag mit Fräulein Elisabeth von Borell aus Köln, der zukünftigen Leiterin.
April 1877 Eröffnung einer vierklassigen privaten Töchterschule unter Wegfall der bisherigen beiden Zahlklassen. Die Kinder, die diese bisher besucht hatten, wurden in die unterste bzw. dritte Klasse der neuen Schule aufgenommen; die beiden Lehrerinnen der Zahlschule, die Geschwister Elisabeth und Josephine von Borell, wurden in die höhere Töchterschule übernommen.
Die für diese Schule benötigten Räume innerhalb des Waisenhauses am Glockhammer, die ja bereits vorher der höheren Töchterschule zur Verfügung gestellt worden waren, wurden nun von der Stadt angemietet und zusammen mit dem Schulbedarf unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig garantierte die Stadt für eine jährliche Schulgeldeinnahme von 7500 Mark.
Bemerkenswert ist der Rückgang der Zahl der Schülerinnen auf nur 80, vielleicht als Zeichen des Widerstandes der Neusser Bürger gegen die kirchenfeindliche Schulpolitik im Kulturkampf zu werten.
1888 Mit der Aufhebung vieler Bestimmungen aus den Jahren des Kulturkampfes konnten die Schwestern vom armen Kinde Jesus die Schule wieder übernehmen. Schwester Johanna Matha aus der bekannten Neusser Familie Frings wurde Schulleiterin (bis 1909). Bei Amtsantritt betrug die Zahl der Schülerinnen 97. Alsbald erfolgte ein Anstieg der Schülerinnenzahl.
Ab dem Jahr 1888 liegt auch eine Schulchronik vor
1889 An der Stadtmauer wird eine Turnhalle errichtet, von der es heute keine Spuren mehr gibt.
1895-97 In dieser Zeit werden alte verkommene Häuser an der Rheinstraße abgerissen zugunsten eines Anbaus, des späteren Mittelbaus.
1899 Die Grenze von 200 Schülerinnen wird erstmals wieder überschritten. Die Statistik weist dabei auf (vgl. Sr. Maria Caritas 1982, S.17), dass die Klassenfrequenz der Abschlussklasse in all den Jahren immer sehr gering ist gegenüber den darunterliegenden Jahrgängen; d.h. in den Jahren nach der Übernahme bis zur Jahrhundertwende absolvierten nur 97 Schülerinnen die Abschlussklasse; dies lässt den Schluss zu, dass die Schwestern vom armen Kinde Jesus in der frühesten Phase (also bis 1877) Marienberg als Lehrerinnenausbildungsstätte angesehen hatten, um dem allgemeinen Mangel an beruflich vorgebildeten Lehrerinnen abzuhelfen. Dieses Ziel erreichten sie erfolgreich in der Zeit des Kulturkampfes und danach durch ordenseigene Lehrerinnenseminare im niederländischen Maastricht und im flämischen Borsbeeck, zumal da Lehrerinnenausbildung in Preußen im 19.Jh. vernachlässigt, eine konfessionell orientierte Ausbildung bis zum Ende des 1. Weltkrieges sogar nicht gestattet war (Sr Maria Caritas 1982, S.17f.).
1908 Für dieses Jahr liegen statistische Angaben vor: 9 Lehrerinnen unterrichteten an der Schule. Die Anzahl der Schülerinnen betrug 260, davon kamen nur 3 von auswärts.
1909 Auf die verdiente Schulleiterin Schwester Johanna Matha folgt Schwester Thoma Angelica Walter. Marienberg übernimmt die Lehrpläne der höheren Lehranstalten: das bedeutete die staatliche Anerkennung als "höhere Mädchenschule". Fortan unterstand Marienberg nicht mehr dem Kreisschulinspektor und der Bezirksregierung in Düsseldorf, sondern dem Schulkollegium der Rheinprovinz in Koblenz.
1910-12 Die Schule wird umgebaut: Da das Waisenhaus, bisher im Erdgeschoss des Gebäudes Rheinstraße/Glockhammer untergebracht, in den großzügigen Neubau an der Rheydter Straße umzog, wurden ab August 1910 West- und Nordflügel für den Schulbedarf von Grund auf erneuert; als Prunkstück galt die Turnhalle, die heutige Aula. Der bisherige Hof wurde verkleinert (auf das heutige Klostergärtchen) und ein hinreichend großer nördlich des neugebauten Nordflügels angelegt. Die Schwestern selbst verlegten in der Bauzeit ihre Klausur ins Kinderheim St.Anna und wurden täglich mit dem Wagen zur Schule gebracht.
Die Einweihung des Umbaus erfolgte am letzten Ferientag, dem 8. Januar 1912.
27. April 1911 Einweihung der Kapelle Marienberg, nachdem sich die Schwestern, seit 1906 - in diesem Jahr war die evangelische Christuskirche fertiggestellt gewesen - um den Rückkauf bemüht hatten. Ehemalige Schülerinnen hatten dazu eine erfolgreiche Spendenaktion eingeleitet. Seit dem Schuljahr 1910/11 hatte die St.Anna-Kapelle für den Schulgottesdienst zur Verfügung gestanden.
15. Februar 1912 Offizielle Bezeichnung "Lyzeum Marienberg". Das bedeutete, dass nun die Hälfte der wissenschaftlichen Stunden von akademischem Lehrpersonal erteilt werden musste. Bisher hatten fast ausschließlich seminaristisch ausgebildete Lehrpersonen unterrichtet.
Am 16. April des Jahres, also ab dem neuen Schuljahr, wird eine realgymnasiale Studienanstalt angegliedert, die - obwohl bereits im Februar in Aussicht gestellt - erst am 6.April genehmigt worden war.
Ostern 1913 Die Schwestern richten erstmals einen berufsvorbereitenden Handelskurs ein, an dem 37 Schülerinnen teilnahmen.
April 1914 Nach einer dritten Neubauphase wird der Studienanstaltsflügel mit Internat (er musste dem Neubau der 70er Jahre weichen) eingeweiht. Der Neubau einer Aula, die an diesen Internatsflügel anschließen sollte, wurde nicht verwirklicht.
1914/18 Die Kriegsjahre fordern von der Schule Einsparmaßnahmen: wie überall gibt es "Kohleferien". Grippeepidemien führen zu Schichtunterricht.
1918 Deutsche Truppen auf dem Rückzug werden vorübergehend einquartiert.
Ostern 1918 Die ersten Abiturientinnen (12) werden nach externem Abitur mit dem Reifezeugnis entlassen. Weil es damals erst wenige Mädchenschulen gibt, die ihre Schülerinnen zum Abitur führen, sind mehr als die Hälfte von ihnen nicht Neusserinnen, sondern Internatsschülerinnen aus vorwiegend weit entfernten Heimatorten. Alle Schülerinnen der Abiturklasse bestanden die Prüfung mit insgesamt herausragenden Leistungen. Mehrere von ihnen schlossen ihr Studium mit einer Promotion ab.
1919 Belgische Soldaten werden im Gebäude einquartiert. Man muss in der Unterrichtsorganisiation zusammenrücken.
1920 Mit 806 Schülerinnen (darunter etwa 90 Internatsschülerinnen) in 22 Klassen erreicht die Schule vorerst ihren stärksten Schulbesuch. In der Schulchronik wird von Hochwasserschäden berichtet.
Mai/ Juni 1921 Im Zusammenhang mit der Ruhrbesetzung werden französische Truppen in Neuss einquartiert, in der Schule Marienberg zeitweise bis zu 460 Mann!
1925 Der seit 1913 bestehende Handelskurs wird unter der Diplom-Handelslehrerin Sr. Gertraud zu einer staatlich anerkannten zweijährigen Handelsschule erweitert. Im Januar 1927 wurde die staatliche Genehmigung der Höheren Handelsschule erteilt.
Januar 1926 Die Studienanstalt Marienberg erhält das Recht, die Abiturprüfungen selbst abzulegen.
Ostern 1933 Die zeitpolitischen Verhältnisse, geprägt durch wirtschaftliche Rezession und Notverordnungen, lassen die Anzahl der Schülerinnen auf 559 zurückgehen. 31 Abiturientinnen werden entlassen, bisher der stärkste Abiturjahrgang.
Da die Schulleiterin Schwester Thoma Angelica in den Assistentinnenrat der Generaloberin in Simpelveld gewählt wird, folgt ihr Schwester Mariana Gölden (bis 1940) als neue Direktorin nach.
Katharina Braeckeler, Chronistin und Zeitzeugin, beurteilt sie in ihrem Beitrag zum 120jährigen Bestehen als einen "Mensch(en), dem Kampf und Widerstand wesensfremd waren". Aber in dieser schweren Zeit erscheint ihre Art im nachhinein für den Bestand der Schule gut gewesen zu sein: "... ihre Taktik einer sanften und geduldigen Festigkeit verhütete offene politische Zusammenstöße."
1934 Von 20 Abiturientinnen wurde nur zweien die Hochschulreife zuerkannt, obwohl die Prüfungen von allen bestanden worden waren: Der Staat setzte so in seiner ideologischen Festlegung der Frauenrolle eine eindeutige Beschränkung des Studiums von Frauen durch. In den folgenden Jahren sank daher die Zahl der Schülerinnen, die sich den Abiturprüfungen stellten, rapide (1936: 7; 1937: 8; 1938: 6).
7. Oktober 1937 Die Abteilung für höheres Schulwesen beim Oberpräsidenten (also die Nachfolgebehörde des ehemaligen Provinzialschulkollegiums in nationalsozialistischer Zeit) drängte auf Übernahme des Lyzeums Marienberg durch die Stadt Neuss, also noch vor der allgemeinen Umwandlung der konfessionellen Volksschulen in Gemeinschaftsschulen.
1939 Die neunte Klasse (OI) wird wie überall in Deutschland im Zuge der Schulzeitverkürzung bei Kriegsbeginn ohne Prüfung mit dem Reifezeugnis entlassen, nachdem zuvor Reichsarbeitsdienst und Kriegshilfsdienst abgeleistet worden waren. Die Klasse 8 (Unterprima) wird ebenfalls entlassen, allerdings müssen sich die Schülerinnen dieses Jahrgangs den Prüfungen stellen.
März 1940 Die Schwestern vom armen Kinde Jesus müssen bis zum 31. des Monats die Schule verlassen; ihnen blieb das Wohnrecht im Klostergebäude. Im Hintergrund wussten sie weiter zu wirken, sei es durch Privatstunden oder sei es in der Gemeindepastoral.
Der Unterricht lag nun in der Hand der "Weltlichen". Größtenteils blieb dieses Kollegium während der nächsten Jahre zusammen, so dass - wie in der Schulchronik betont wird - die weltanschaulichen Grundsätze der Schule gewahrt blieben.
Am 16. März feierte man die letzte Gemeinschaftsmesse mit den Schwestern im Münster, am 29. März erschien eine Kommission zur Übergabebesichtigung. In einem letzten Akt wurden am 31. März alle Kreuze aus den Klassenräumen entfernt.
1. April 1940 Die Schule Marienberg wird mit 420 Schülerinnen in 15 Klassen in städtische Verwaltung überführt. Bis dahin hatten in 22 Jahren etwa 400 Schülerinnen die Schule mit bestandenem Abitur verlassen, ca. 70% davon mit dem Ziel zu studieren.
September 1942 Durch Bombentreffer brennen die Pensionatsräume im 3. Stockwerk aus.
Oktober 1944 Der Mittelbau mit Physiksaal und Frauenoberschulräumen werden durch Bombeneinwirkung zerstört.
Silvester 1944 Die Kapelle wird bis auf die Außenmauern zerstört. Bis dahin waren die meisten Schwestern bereits evakuiert gewesen. In der Schule wurden nun Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene (u.a. aus Rußland) einquartiert.
März 1945 Einmarsch der Amerikaner in Neuss: die befreiten Zwangsarbeiter plündern und zerstören das noch vorhandene Inventar in der Schule, ehe sie abziehen, ein sinnloses Tun, dem Zeitzeugen fassungslos gegenüberstanden.
Die Schwestern vom armen Kinde Jesus übernehmen sofort nach dem Zusammenbruch wiederum unter der Leitung von Schwester Mariana (Schulleiterin bis 1948) das Gymnasium, so dass der Schulbetrieb im September 1945 mit etwa 300 Schülerinnen begonnen werden konnte. Da durch Bombenzerstörungen die Räumlichkeiten fehlten, wurde die städtische Frauenoberschule vorerst nicht weitergeführt. Als Kapelle diente bis 1954 die Turnhalle (heute Aula).
"Mit Gottvertrauen, unglaublicher Tatkraft und der Hilfe eines wohlwollenden englischen Stadtkommandanten ging man an Enttrümmerung, an Säubern und Aufbau." (Braeckeler 1978, S.11f.)
1946/48 In drei Sonderlehrgängen wurden 69 Schülerinnen zum Abitur geführt.
"Die ersten Nachkriegsjahre waren, äußerlich gesehen, schrecklich: hungrige Schülerinnen in eisig kalten Räumen, denn es fehlte buchstäblich an allem. Aber selten hatten Lehrer und Schüler ein besseres Verhältnis zueinander, selten waren Schüler dankbarer für das gebotene Bildungsgut als in diesen Notjahren." (Braeckeler 1978, S.12)
Ostern 1947 Wiedereinrichtung der Frauenoberschule neben der gymnasialen Studienanstalt. Die Gesamtzahl der Schülerinnen betrug nunmehr 700.
1949 Schulleiterin wird Schwester Maria Alexia Schnaas (bis 1966).
Ostern 1952 Erst zu diesem Zeitpunkt nach dem Krieg wird die Höhere Handelsschule wieder eröffnet, zunächst nur einklassig, nunmehr aber unter eigener Leitung.
15. Juni 1954 Einweihung der wiedererrichteten und erweiterten Kapelle. Die Turnhalle stand wieder dem Sportunterricht zur Verfügung.
1957 Im Jubiläumsjahr des 100jährigen Bestehens besuchen die Schule 950 Schülerinnen in 29 Klassen. Das Abitur bestanden 23 Schülerinnen der gymnasialen Abteilung und 14 der Frauenoberschule. 28 Absolventinnen hatte die Höhere Handelsschule zu vermelden; bis dahin hatten etwa 130 Schülerinnen diesen Schulzweig erfolgreich durchlaufen.
Die Hundertjahrfeier wurde mit einer Festschrift, feierlicher Hl. Messe, einer Festwoche und zahlreichen Ehemaligentreffen begangen.
März 1966 Gründung der Vereinigung Marienberg e.V. unter der gewählten Vorsitzenden und Initiatorin Frau Maria Werhahn. Die Vereinigung zählte damals 14 Gründungsmitglieder.
Im Mai dieses Jahres trat die Vereinigung in einem Festakt im Zeughaus mit ihrem Konzept an die Öffentlichkeit. Zum Festakt konnte Frau Dr. Laurien als Festrednerin mit einem Vortrag zum Thema "Christliche Erziehung heute" (abgedruckt im Jahresh.Marienb. 1967) gewonnen werden.
In diesem Jahr wird die Höhere Handelsschule zu einer zweijährigen Berufsfachschule erweitert.
Erstmals legten am Gymnasium Marienberg vier Schülerinnen das Graecum ab.
1967 Schwester Direktorin Maria Alexia wird am 21. Januar verabschiedet. Schwester Clara Ignatia Nießen übernimmt die Schulleitung. Erstmals konnte dem Wunsch Neusser Eltern entsprochen werden, auch Mädchen mit Latein als erster Fremdsprache beginnen zu lassen. Überwältigend war die Zahl der Sextanerinnen, die dieses Angebot wahrnahmen: 66 Lateinanfängerinnen von 164 Sextanerinnen in 4 eingerichteten Klassen.
Den Höhepunkt im schulischen Leben der Oberstufe bildete der Besuch der Dichterin Hilde Domin im November des Jahres.
1970 Da Schwester Clara Ignatia aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten muss, übernimmt Schwester Clara Angela Kempen, eine ehemalige Marienbergerin, die Leitung.
1971 Schwester Clara Angela wird zur Generaloberin des Ordens in Simpelveld gewählt.
1972 Zu ihrer Nachfolgerin wird Schwester Maria Lioba Otten bestimmt.
April 1974 Neubaubeginn, wobei der Klostertrakt mit Kapelle und der 1. Klassenflügel mit Aula erhalten bleiben; in zwei Bauabschnitten sollte der Neubau erfolgen: erst sollte der Nordbau errichtet werden; nach dessen Fertigstellung (April 1976) sollte der bisherige Mittel- und Nordtrakt des Altbaus abgerissen und durch den neuen Mittelbau ersetzt werden (Februar 1978). Weiterhin wurde von der Stadt das Grundstück zwischen heutigem Parkhaus und dem alten Schulgelände erworben. Die Renovierung des noch stehenden Altbaus erfolgte ab März 1978. Insgesamt waren ca. 80 Firmen aus Neuss und Umgebung am Neubau beteiligt.
(Thywissen 1979, S.11ff.)
Die Vereinigung Marienberg e.V. unter der damaligen Leitung von Frau Annemarie Hohenschutz stiftete als Jubiläumsgabe und in der Freude über den Neubau die Marienplastik, die von dem bedeutenden Künstler Ernst Günter Hansing für die Schule Marienberg geschaffen und dortselbst im Foyer aufgestellt worden ist.
Die Stiftung Kinderheim St.Anna und Schule Marienberg gab die schöne Märchenplastik beim Aachener Künstler Herrn Bonifatius Stirnberg in Auftrag, die vor der Schule an der Rheinstraße Aufstellung fand.
3. Dezember 1977 Im Rahmen einer Feierstunde wird von der Vereinigung Marienberg unter ihrer Vorsitzenden Frau Hohenschutz die von E.G. Hansing geschaffene Strahlenplastik übergeben. Vorausgegangen war ein Vortrag des bekannten Kunsthistorikers Herrn Prof. H.Lützeler (Bonn), eines Freundes des Künstlers, zu Hansings Werk mit besonderem Schwerpunkt seiner Porträt-Kunst.
Juni 1977 Erstmals wird das Abitur nach dem KMK-Modell für die "Reformierte Oberstufe" durchgeführt. 128 Abiturientinnen verlassen die Schule mit der allgemeinen Hochschulreife.
Bis heute gilt für die gymnasiale Oberstufe: Die große Schülerinnenzahl in der Oberstufe garantiert ein breit gefächertes Kursangebot mit guten Möglichkeiten zur individuellen Schwerpunktsetzung. Erfreulich ist die große Anzahl derer, die bis zum Abitur Fremdsprachen wählen. Im Kreis Neuss führt Marienberg als einzige Schule ohne Unterbrechung bis heute Leistungskurse in der Fremdsprache Französisch bis zum Abitur durch.
1978 Marienberg feiert das 120jährige Jubiläum und die Einweihung des Neubaus mit einer Festwoche vom 22. - 29. Oktober: Mehr als 5000 Besucher konnte die Schule in diesen Tagen begrüßen. Zahlreiche Sonderveranstaltungen und musische und literarische Aufführungen begleiteten das festliche Ereignis, dessen Höhepunkt die eigentliche Einweihung des Neubaus durch Herrn Weihbischof Dr. Dick war. Die Neuss-Grevenbroicher Zeitung brachte dazu eine Sonderbeilage heraus, die Kollegium und Ehemalige gestalteten.
Die Schule besuchten damals 1312 Schülerinnen. 81 haupt- und nebenamtliche Lehrkräfte unterrichteten, davon waren 6 Schwestern, 63 "weltliche" Lehrerinnen und 12 Lehrer (von den weiblichen Lehrkräften hatten 3 der Schwestern und 24 der Damen als Schülerinnen bereits Marienberg besucht). Die Vereinigung Marienberg zählte im Jubiläumsjahr 1036 Mitglieder.
1979 Statistisches: Die Zahl der Schülerinnen beträgt 1346, davon 1206 katholisch. 27 Kinder haben eine andere Staatsangehörigkeit. Im Internat wohnen 18 Schülerinnen, 42 Schülerinnen zählt das Halbinternat. (Verein.Mb. 1979, S.8)
Dezember 1981 Der nordrheinwestfälische Landtag verabschiedet ein Haushaltsfinanzierungsgesetz mit verheerenden Folgen für die Privatschulen: Laut offizieller Darstellung wollte die Landesregierung 30 Millionen DM bei der Bezuschussung der Privatschulen einsparen, die nachweislich aufgrund sparsameren Wirtschaftens für die öffentliche Hand die kostengünstigeren waren. Die genannte Einsparungssumme betraf zwar nur einen geringen Anteil am Gesamtvolumen des Landeshaushalts, (Reduzierung der Landeszuschüsse von 94 auf 90%), gefährdete jedoch die Existenz der Privatschulen enorm, da der von den Trägern der Privatschulen zu finanzierende Eigenanteil zu den laufenden Kosten durch die Gesetzesnovelle um 66% gestiegen war: Für Marienberg bedeutete das ein jährliches Haushaltsloch von 1,2 Millionen DM, für das die Schwestern hätten aufkommen müssen..
1982 Die CDU-Landtagsfraktion strebte ein Normenkontrollverfahren beim Verfassungsgericht in Münster an. Der Schulträger in Aachen, vertreten durch Herrn Rechtsanwalt Dr. Hüsch, erhob Klage beim Verwaltungsgericht.
Im Laufe des Jahres geriet die Schule in eine kritische Situation, da die Zuschusskürzung zunächst Anwendung fand, so dass es tatsächlich zu Engpässen im Haushalt kam, die aber durch das dankenswerte Einspringen von Kreis und Stadt Neuss überbrückt werden konnten. (Rheindorf, Verein.Mb. 1983, S.29ff.)
März 1983 Der Verfassungsgerichtshof erklärt in seinem Urteil die novellierte Fassung des Ersatzschulfinanzgesetzes für verfassungswidrig; damit bleibt der Landeszuschuss von 94% garantiert.
Juni 1982 Die gesamte Schulgemeinde begeht in einem feierlichen Pontifikalamt mit Herrn Kardinal Höffner im Quirinusmünster das 125jährige Schuljubiläum. Mit einem bunten Festprogramm wurden die Festtage umrahmt. Aus der Reihe der Veranstaltungen ragte sicherlich die Aufführung von Sophokles’ Elektra heraus, dargeboten von Oberstufenschülerinnen der Schule mit einigen jungen Herren des Quirinus-Gymnasiums.
1984 Die Suche nach der Identität der Schule spiegelt sich wider in verschiedenen Veranstaltungen: Im September 1983 findet ein Studientag des Kollegiums zur Konfessionalität der Schule mit dem Referenten Herrn Prof. H. Juros (Warschau) statt; es gibt eine Vortragsfolge von Gymnasialpfarrer Herrn P. Krischer zur Hl. Messe; Herr Prof. Rathofer gestaltet eine Vortragsfolge zum Thema "Bild und Buch im Dienst der Verkündigung".
1985 Leitungswechsel in der Höheren Handelsschule: Die verdiente Direktorin Sr. Eckarda Mauritius übergibt die Berufsfachschule an StD´ I. Diewald.
1987 Die verschiedenen Gremien der Schule arbeiten an einer Grundordnung für die Schule Marienberg.
Januar 1988 Seit diesem Zeitpunkt wird von Herrn StD H. Kettler ein kreisweit vorbildliches System der Berufswahlvorbereitung für die Schülerinnen des Gymnasiums aufgebaut, das auch von fast allen genutzt wird.
Juni 1988 Aufführungen der Schuloper "Die Wunderuhr" von Eberhard Werdin unter ausgezeichneter Kooperation verschiedener Fachbereiche.
3. Dezember 1988 Die Höhere Handelsschule, die damals von 110 Mädchen in 4 Klassen besucht wird,
feiert ihr 75jähriges Bestehen.
9. Dezember 1988 In einer Feierstunde in der Aula wird der Direktorin Sr. Maria Lioba Otten durch den Landrat Herrn Hoeren das Bundesverdienstkreuz verliehen.
Erstmals in ihrer Geschichte lässt die Schule einen Schulprospekt drucken, in dem die Intentionen und das Profil vorgestellt werden.
16. November 1989 Die Vereinigung Marienberg kann Frau Bundesministerin Dr. Dorothee Wilms als Referentin zum Thema "Politische Herausforderungen durch das zusammenwachsende Europa" gewinnen. Bei den Vorbereitungen für diese Veranstaltung hatte noch niemand ahnen können, dass der hochaktuelle Vortrag wenige Tage nach der Wende in der DDR stattfinden würde.
22. März 1990 Das neu errichtete Sportzentrum, zwischen "alter" Turnhalle (von 1976) und Rheintor-Parkhaus gelegen, wird der Schule übergeben. Beim Festakt demonstrieren Schülerinnen mit Tänzen und sportlichen Darbietungen ihr Können.
18. Mai 1990 Vorstellung der neuen Schulleiterin Frau Dr. Elfriede Schmitz-Keil in Kuratorium, Lehrerkonferenz und Schulkonferenz.
10. - 12. Juni 1990 Mit Aufführung eines Singspiels und der Darbietung humorvoller Opern- und Operettenparodien wird Sr. Maria Lioba verabschiedet. Der offizielle Festakt findet in der Stadthalle im Anschluß an ein Festhochamt im Münster statt.
15. August 1990 Offizielle Amtseinführung der neuen Direktorin mit Festmesse in St.Quirin und Festversammlung im Zeughaus.
3. Oktober 1990 Zur Feier der Deutschen Einheit anlässlich des von der Stadt Neuss veranstalteten Festaktes am Platz der Deutschen Einheit wirken Marienberger Schülerinnen (auch in den folgenden Jahren) durch kritische und nachdenkliche Textbeiträge gestaltend mit.
9. November 1990 Die Musiklehrer der Schule initiieren erstmals ein "Marienberger Kammerkonzert" als Benefizveranstaltung zugunsten der Clara-Fey-Hilfe e.V. Diese Konzertreihe, meist nur von einem kleinen, aber sehr interessierten Zuhörerkreis besucht, besteht bis heute. Es traten im Wechsel auf Schülerinnen, Preisträgerinnen des Wettbewerbs "Jugend musiziert", Freunde der Schule und Neusser Künstler.
8. Januar 1991 Feier zur Übernahme der Schule durch das Erzbistum Köln. Die Schwestern vom armen Kinde Jesus geben die Trägerschaft ab. Das Kloster Marienberg besteht aber weiterhin. Zwei Schwestern unterrichten am Gymnasium, zwei weitere Schwestern engagieren sich an der Schulpforte bzw. im Silentium.
Juni 1991 Erstmals findet eine Projektwoche statt; das Thema lautet "Wege". Einer breiten Öffentlichkeit werden die Ergebnisse dargeboten.
1991/92 Das Schuljahr wurde stark geprägt durch schulpolitische Debatten und die Umwandlung des Gymnasiums Knechtsteden und des Neusser Quirinus-Gymnasiums in koedukative Schulen. Diese Herausforderung bot aber auch die Möglichkeit, um die Vorzüge einer Mädchenschule in heutiger Zeit zu verdeutlichen. Den Vortrag der Schulleiterin vom 10. Dezember 1991 mit interessanten wissenschaftlichen Ergebnissen zum Thema "Koedukation auf dem Prüfstand - Ein Plädoyer für die Mädchenschule" findet man abgedruckt im Jahresheft Marienberg 1992, S.19ff.
1992 Frau Gae, die Mutter einer unserer Schülerinnen, beginnt mit einer Chinesisch-AG, die von zahlreichen Schülerinnen interessiert besucht wird. Als herausragendes Ereignis im Schuljahr können die Aufführungen von Sophokles Tragödie "Antigone", dargeboten von Schülerinnen der Oberstufe, genannt werden.
1993 Eindrucksvolles Ereignis war einmal der Sponsored Walk, vorbereitet durch eine öffentliche Kolumbien-Ausstellung in der Schulaula im Herbst, an dem die meisten Schülerinnen teilnahmen und DM 56.000 zugunsten der Clara-Fey-Hilfe e.V. erliefen und zusätzlich die Spende von 50.000 US-Dollar vermittelten.
Zum anderen fand das Jahr einen religiös-musikalischen Abschluss durch die Aufführung der ersten drei Kantaten des Bach’schen Weihnachtsoratoriums mit Unterstützung der Chorgemeinschaft St.Andreas und des Görres-Gymnasiums, Düsseldorf, im Neusser Münster und in St.Andreas, Düsseldorf.
1994 Erstmals erhalten zehn Kandidatinnen, die erfolgreich am landesweit einmaligen Projekt unserer Schule zur individuellen Schulzeitverkürzung teilgenommen haben, ihr Reifezeugnis aus der Hand der Direktorin.
In mehreren festlichen Veranstaltungen wird in Neuss und an der Schule des 150jährigen Jubiläums des Ordens der Schwestern vom armen Kinde Jesus gedacht.
Am 31.8.94 weilte Erzbischof Joachim Kardinal Meisner als Ehrengast an unserer Schule.
1995 In der vorösterlichen Zeit fand eine beeindruckende Aufführung von Mozarts Requiem im Münster statt, gesungen vom Schulchor Marienberg mit freundlicher Unterstützung vor allem der Männerstimmen durch den Chor des Düsseldorfer Görres-Gymnasiums.
Anlässlich seiner Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Neuss stiftet Herr Hermann Wilhelm Thywissen, langjähriges Mitglied im Kuratorium und stiller Förderer der Schule, einen Marienbergpreis, der fortan jährlich vergeben wird.
1996 Die Arbeiten in den einzelnen Gremien zum Schulprogramm sind fortgeschritten. Die Bestandsaufnahme der außerunterrichtlichen Aktivitäten an Marienberg beeindruckt durch ihre Fülle und Qualität und verweist auf ein hohes Engagement des Kollegiums, der Elternschaft und der Schülerinnen.
Das Bewusstsein für soziale Verantwortung und Offenheit hinsichtlich der Probleme unserer Gesellschaft sollen geweckt werden durch die Einführung eines dreiwöchigen Sozialpraktikums in der Jahrgangsstufe 11, alljährlich durchzuführen zum Ende des ersten Schulhalbjahres.
1997 Die Schule feiert mit zahlreichen Veranstaltungen ihr 140jähriges Bestehen. Höhepunkt ist sicherlich der Tag des Schulfestes mit dem Besuch des Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner am 15. Mai.
1998 Am 15. Januar wird nach einjähriger Bauzeit die renovierte Kapelle von Herrn Kardinal Joachim Meisner geweiht. Äußerlich entspricht der Kirchenbau noch ganz dem spätgotischen Bild mittelalterlicher Neusser Stadtansichten. Die mit dem Umbau gelungene moderne Gestaltung des Inneren - unter der Leitung des Krefelder Architekten Professor Heinz Döhmen – einschließlich der von Herrn Spierling konzipierten Fenster und der künstlerischen Ausstattung durch Herrn Böhm beeindruckt den Besucher durch die Lichtfülle und die Höhe. Im xy 2004 wurde die Kapelle als Kirche des Monats im Erzbistum Köln geführt.
1999 Die Schule profiliert sich auch nach außen als Mädchenschule durch entsprechende Presseberichte über sensationelle Erfolge beim Wettbewerb „Jugend experimentiert“ und „Jugend forscht“, ebenso in musischen und künstlerischen Darbietungen, aber auch in sportlichen Wettbewerben und außerunterrichtlichen Angeboten (Computerkurse oder Selbstsicherheitstraining für Mädchen). Der Andrang bei den Tagen der offenen Tür und den Bewerbungsgesprächen für einen der begehrten Plätze an der Schule ist überwältigend.
2000 Anlässlich des 750jährigen Jubiläums der Übertragung der Gebeine des Stadtpatrons St. Quirin nach Neuss fügt sich auch die Schule Marienberg mit einem eigens gestalteten Tag in das Festprogramm der von der Stadt Neuss und der Münsterpfarre ausgerichteten Festwoche ein. Künstlerischer Höhepunkt des Schuljahres ist sicherlich die vielbeachtete und erschütternde Inszenierung der „Troerinnen“ des Euripides, dargeboten von Oberstufenschülerinnen in der Aula.
2001 In einer Zeit, in der öffentlich über Unterrichtsausfall und mangelndes Lehrerengagement diskutiert wird, avanciert die Aula des Gymnasiums Marienberg zum am meisten belegten Raum der Schule, da sich die verschiedenen Ensembles aller Altersstufen bei außerunterrichtlichen Aktivitäten die Klinke in die Hand drücken.
2002 Die stetig anwachsende Zahl der Schülerinnen (mittlerweile ist die 1300-Grenze überschritten) erfordert An- und Umbauten. Das Kuratorium mietet deshalb für mehrere Jahre Räume am benachbarten Meerer Hof im ehemaligen Gebäude der Kreisverwaltung an.
Es fällt schwer, unter den vielfältigen Ereignissen des Jahres Bedeutungsvolles herauszuheben: Das Gymnasium schließt einen Kooperationsvertrag mit dem Unternehmen ALU-Norf. Zum Fronleichnamsfest wird erstmals die von der Elternschaft gestiftete Fahne der Schule Marienberg der Öffentlichkeit vorgestellt und von den Schülerinnen in der Prozession mitgeführt, um gelebte Zusammengehörigkeit zu dokumentieren.
2003 Vier neue Räume und weitere vier renovierte Räume im A-Trakt (Richtung Sportzentrum) sowie der Dachgarten werden nach mehr als einjähriger Bauzeit zur Nutzung freigegeben. Der schulische Einsatz findet seine Bestätigung im sensationellen Abschneiden des Gymnasiums Marienberg beim PISA-Test.
2004 Marienberg hat nunmehr über 1400 Schülerinnen. Es sollte doch zu denken geben, dass sich die Anzahl von etwa 85 Kolleginnen und Kollegen trotz steigender Schülerzahlen nie entsprechend geändert hat. Die Sparzwänge in NRW wie auch die Angriffe der Landesregierung auf Regelungen des bisher geltenden Ersatzschulfinanzierungsgesetzes evozieren den eindrucksvollen Protest der nordrheinwestfälischen Ersatzschulen vor dem Düsseldorfer Landtag. An dieser Großdemonstration ist auch die Schule Marienberg mit Mittel- und Oberstufe vollständig vertreten.
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Josef Burdich OStD i.K. |