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Nachdem 1439 das Kloster Marienberg gegründet worden war, ging
man sehr bald auch an den Bau einer angemessen großen Kirche, die
1462 auf den Titel Mariae Geburt (Patrozinium: 8. September)
geweiht werden konnte. Die Grundmauern der einschiffigen Kapelle
stehen bis heute. Nach der ersten Vertreibung der Schwestern im
Jahr 1643 durch die hessischen Truppen, erfolgte 1651 eine
Neubesiedlung durch die Au-gustinerinnen aus Holzheim. Zeug-nisse
dieser Zeit sind die Gräber in der wieder zugänglich gemachten
Gruft der Kapelle. Da die sechzehn Grab-nischen regelmäßig neu
verwendet wurden, nachdem die Gebeine der vorher dort bestatteten
Schwester in die leider zerstörte Beinkammer gelegt worden waren,
sind die heute lesbaren Namen und Todesjahre alle aus der zweiten
Hälfte des 18. Jahrhunderts. Auf einem Grab steht der Name Anna
Margareta Jortans. Ob es eine Schwester aus der alten Neusser
Bürgermeisterfamilie Jordans war, deren Haus noch heute unserer
Schule gegenübersteht? In der Gruft finden sich auch Grabplatten,
die wohl ursprünglich in den Kapellenboden eingelassen waren, aus
der ersten Besiedlungsphase des Klosters. Ständig sichtbar ist aus
dieser Zeit noch die Platte eines Priestergrabes, die im Innenhof
vor der Kapelle an der Wand angebracht ist.
1802 wurde das Kloster erneut aufgehoben und die Schwestern
vertrieben. Nachdem die Kapelle zunächst als Magazin benutzt wurde,
übergab sie 1805 Napoleon den Protestanten in Neuss als
Pfarrkirche, wodurch sie im Unterschied zu anderen Klöstern in
Neuss vor dem Abbruch bewahrt blieb. Seit 1856 besteht in den
Räumen des alten Klosters eine Niederlassung der Schwestern vom
Armen Kinde Jesus aus Aachen, die die Kapelle aber erst 1911 nach
der Fertigstellung der Christuskirche übernehmen konnten. Ein Foto
vom Anfang des 20. Jhdts. lässt diese Phase erkennen. Auf dem
später abgerissenen Teil des Klosters an der Rheinstraße zeugt ein
kleiner Dachreiter von der dort eingerichteten Annakapelle, die von
den Schwestern genutzt wurde, da ihnen die Kapelle am Glockhammer
noch nicht zur Verfügung stand. Dort allerdings ist noch sehr gut
in den Fenstern das alte gotische Maßwerk zu erkennen. An die
Hauskapelle erinnert heute noch die Annafigur über dem den Fenstern
der Aula. Die Innenaufnahme von 1925 mit betenden Schwestern und
Schülerinnen zeigt den Raum in seiner ursprünglich einschiffigen
Gestalt ohne das erst nach dem zweiten Weltkrieg angebaute
Seitenschiff.
In das Jahr 2004 fallen zwei Gedenktage mit runden Jahreszahlen
der jüngeren Geschichte. Vor 60 Jahren, am 31. 12., dem
Silvestertag 1944, wurde die Kapelle bei einem Bombenangriff bis
auf die Grundmauern zerstört. 10 Jahre später am 15. Juni 1954
konnte die Kapelle wieder neu geweiht und der erste Gottesdienst
nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges in ihr gefeiert werden.
In den Schulmessen haben wir dieses Ereignisses gedacht. Ein
Seitenschiff mit einer Empore, auf der vorne, zur Sakristei hin die
Orgel stand, war angebaut und die Fenster des Altarraumes
zugemauert worden. An die Gestaltung dieser Zeit erinnert nur noch
eines der damaligen Fenster, das im Vorraum der Sakristei erhalten
geblieben ist. Die übrigen wurden bei der grundlegenden
Neugestaltung in den Jahren 1996 – 1998 durch neue ersetzt.
Am 15. 1. 1998 erfolgte die Weihe des neuen, heutigen Altares.
Pfarrer M. Kürten |