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Betrachtung zu den neuen Fenstern unserer Kapelle

Es ist auffällig hell geworden. So stellen es Besucher unserer Kapelle, die sie noch im Zustand vor der letzten Renovierung kannten, immer wieder fest. Bei der Neugestaltung des Raumes war ein wesentlicher Gedanke die Betonung des gotischen Ursprungs.

 

Fenster der KapellleOlaf GruschkaFenster der Kapellle

Typisch für diesen Stil ist im Unterschied zur Romanik das Aufbrechen der Wand durch große Fensterflächen. „Der Raum besteht aus Licht. ... Was man im Betreten einer gotischen Kirche erlebt (ist), plötzlich Licht, undeutbares himmlisches Licht erstrahlt“ (H. Lützeler, Vom Sinn der Bauformen). Dabei geht es um die architektonische Umsetzung der Vision des himmlischen Jerusalem, wie sie Johannes im letzten Buch der Heiligen Schrift niedergeschrieben hat: „Ihre Mauer ist aus Jaspis gebaut, und die Stadt ist aus reinem Gold, wie aus reinem Glas“ (Offb. 21,18).  Wir sind eingeladen, dieses Licht in uns hineinzunehmen, uns von ihm erfüllen zu lassen. Im vierten, sich an orthodoxen Vorlagen orientierenden Hochgebet für die Messfeier heißt es: „Du erfüllst deine Geschöpfe mit Segen und erfreust sie alle mit dem Glanz deines Lichtes“. Wir feiern in diesem Raum Christus, das österliche Licht, das die Nacht durchbrochen hat.

Der bekannte Glaskünstler Hubert Spierling hat sich im wesentlichen auf die Grundfarben der gotischen Glasmalerei beschränkt. „Drei Farben sind bevorzugt: Gold/ Blau/ Rot – Gold die Farbe der Sonne, der Herrlichkeit Gottes, Blau die Farbe des hohen Himmels und der blauen Berge, ... Rot die Farbe des Feuers, der Liebe, des Lebens. Dieser Grundakkord gotischer Farbigkeit erweckt um die Beter der Kathedrale im Blau die unendliche Ferne, im Rot das lebendige Feuer, im Gold die überirdische Majestät“ (Lützeler). Verwendet wurde ein wertvolles, mundgeblasenes Glas, das in seiner bewusst genutzten Ungleichmäßigkeit die Farben changieren lässt. Dies gibt den Fenstern eine eigentümliche Lebendigkeit, die sie je nach Lichteinfall und –Intensität anders wirken lassen. „Die Farben der Fenster werden vom natürlichen Licht überhaupt erst erweckt: ... anders in der Helle des Juli oder an einem verhangenen Wintertag, andere Teile der Kirche jeweils am Morgen, Mittag oder Abend“ (ebd.). So steht am Morgen bei der Feier der hl. Messe die Sonne hinter den nach Osten gerichteten Fenstern des Altarraumes. Wer in der Mittagszeit zum stillen Gebet die Kapelle aufsucht, findet die Seitenfenster besonders erleuchtet und ihre Farben auf die gegenüberliegende Wand geworfen. Am Nachmittag schließlich wird das Rot der neben dem Eingang gelegenen Fenster besonders erhellt. So nehmen die Fenster mit ihren Farben „das Flüchtige der Atmosphäre und des Tagesablaufes in Dienst, damit es das Aufleuchten des Ewigen bewirke“ (ebd.).

Das Blau, die Farbe des Wassers, des Himmels und teilweise mit den Bergen assoziiert, in den seitlichen Fenstern ist die Farbe der Schöpfung. Die Schönheit der Schöpfung lässt uns den Schöpfer erahnen (vgl. Röm 1,20). Über den Bänken der Gemeinde gelegen enthalten diese Fenster eine Einladung an alle, die hier beten und Gottesdienst feiern. So wie das Licht die Farben zum Leben erweckt, sollen wir der stummen Schöpfung unsere Stimme leihen. „Durch unseren Mund rühmen dich alle Geschöpfe und künden voll Freude das Lob deiner Herrlichkeit“ (IV. Hochgebet).

Das Gelb/ Gold im Altarraum bekennt: Hier kommt die Welt in Berührung mit Gott. Doch ringen in diesen Fenstern das Grau und das Gold miteinander. So zeigen diese Fenster, was die Ostersequenz besingt: „Mors et vita duello conflixere mirando“ – „Tod und Leben, die kämpften unbegreiflichen Zweikampf“. Das kleine Fenster am Tabernakel, in dem das Grau fehlt und nur noch Weiß und Gold enthalten sind, macht deutlich: Das Licht, das Leben siegt. Die Begegnung mit dem Göttlichen, die gläubig gesuchte Nähe Jesu Christi, die wir im Sakrament im Tabernakel verehren, vertreibt auch in uns die Finsternis.

Das warme Rot, die Farbe des Opfers und der Liebe, umfängt uns sofort, wenn wir den Raum betreten. Im Wissen, in dieser Liebe geborgen zu sein, wollen uns diese Fenster durch das Gebet gestärkt wieder hinausgehen lassen.

Auf figürliche Elemente verzichtet der Künstler so gut wie vollständig und arbeitet fast nur mit Farben und Linienführung. In allen Fenstern ist – der gotischen Baukunst entsprechend – die Senkrechte betont. Gott steigt in seinem Sohn auch heute zu uns herab und unser Gebet soll beständig zu ihm aufsteigen. Das Osterfenster in der Mitte des Chores zeigt den offenen Spalt des Himmels; das Grau ist an den Rand gedrängt. Wer will, kann in der Anordnung des Gelb im oberen Teil die Hand des Vaters oder den herabkommenden Heiligen Geist sehen. Die einzig deutliche figürliche Darstellung findet sich in den Fenstern über der Brücke zur Orgelempore. Dort hat der Künstler im Hinblick auf die sich im Seitenschiff befindende Marienberger Madonna den marianischen Titel Rosa Mystica – Geheimnisvolle Rose aufgegriffen. Weiß, Rot, Blau und Gold sind mit ihrer Symbolik auch die in Kunst bei Mariendarstellungen bevorzugt verwendeten Farben. Die Verehrung der Gottesmutter gehört nicht nur zur Frömmigkeit in der Zeit der Gotik sondern selbstverständlich auch zu diesem Ort.

So wie der Künstler darauf verzichtet, seinen Fenstern eine ausführliche Erklärung beizufügen, verstehen sich auch diese Gedanken nur als Hilfe und Anregung zum persönlichen Verweilen und Betrachten. Allen Besuchern der Kapelle gilt dabei aber der Wunsch, mithilfe der Fenster zu erleben: „Du - Gott – erfüllst deine Geschöpfe mit Segen und erfreust sie alle mit dem Glanz deines Lichtes“.

Kaplan M. Kürten

 

Marienberger KapelleO.GruschkaMarienberger Kapelle 

 

 

Kapelleneingang von oben betrachtetO.GruschkaKapelleneingang von oben betrachtet 

 

gesamt

 

 

Klosterkirche MarienbergO.GruschkaKlosterkirche Marienberg

 
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