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Unsere Kapelle: Gruft, Altar und Reliquiengrab

Unsere Kapelle: Gruft, Altar und Reliquiengrab

Wenn wir Gottesdienst feiern, stehen wir in einer größeren Gemeinschaft als der sichtbaren. Das macht uns unser neuer Altar in besonderer Weise bewusst. Seit 1439, dem Jahr der Klostergründung, beten fast ununterbrochen Menschen an dieser Stelle. Die Augustiner-Chorfrauen, die als erste Ordensgemeinschaft des Klosters Marienberg unsere Kapelle haben bauen lassen, wollten auch ihre Verstorbenen im Gebet der Gemeinschaft bleibend aufgehoben wissen. Darum legten sie eine Gruft als Begräbnisstätte unter dem Altarraum an. Lange Zeit war diese verschüttet und so bis zur Renovierung unzugänglich. Seitdem allerdings ermöglicht eine Klappe unter den ersten Bänken einen Abstieg in diese wieder freigelegte Grabanlage. Von beiden Seiten des kleinen, niedrigen Raumes, den man über eine Treppe erreicht, gehen jeweils acht Schächte ab, in denen die Schwestern ihre Toten bestattet haben. Eine ursprünglich vorhandene Beinkammer, in die, wenn beim Tod einer Ordensfrau alle Gräber belegt waren, die Gebeine des ältesten Grabes gelegt wurden, ist leider zerstört. Auf einem der zugemauerten und verputzten Gräber steht unter der Jahreszahl 1754 der Name Anna Margarha Jortans, vielleicht ein Mitglied der bekannten Neusser Familie Jordans, deren Haus unserer Schule gegenüber steht. Zum letzten Mal wurden die vorhandenen Gräber in der Zeit von 1739 bis 1789 genutzt. Erhalten sind, wenn auch nur teilweise noch lesbar, einige größere Grabplatten, die vermutlich in der Kirche gelegen haben, darunter auch die, der Gründerin Aleidis de Stade (verst. 1461). Als die Schwestern vom Armen Kinde Jesus die Kapelle übernehmen konnten, war die Gruft zugeschüttet, so dass von dieser Gemeinschaft ein Grab auf dem Hauptfriedhof angelegt wurde.

Seit frühester Zeit wurden Altäre mit Heiligengräbern verbunden, bzw. später Reliquien von Heiligen bei der Altarweihe eingelassen. Bei der Weihe unseres Altares am 15. Januar 1998 hat Kardinal Meisner das Reliquienkästchen des alten Altares geöffnet, die vorhandenen, von Weihbischof Cleven am 15. Juni 1954 eingefügten Reliquien bestätigt und in den neuen Altar eingesetzt. Neben Reliquien der erst in jenem Jahr heilig gesprochenen jugendlichen Märtyrerin Maria Goretti, zu deren Ehren der Altar geweiht ist, weist die in der Sakristei hängende Urkunde noch Reliquien der Kölner Heiligen Ursula und Gereon und ihrer Gefährten aus. Das Reliquiengrab eines Altares soll greifbar die Verbindung von himmlischem und irdischem Gotteslob deutlich machen. Das Gloria und das Sanctus einer jeden Messfeier laden uns, wie es die Präfation zur Einleitung des Sanctus immer wieder ausspricht, ein, in das Lob der Engel und Heiligen einzustimmen. Auch von unseren Verstorbenen dürfen wir aufgrund des Osterglaubens, den gerade die Märtyrer, deren Gebeine in unserem Altar ruhen, durch ihr Sterben bezeugt haben, sagen, dass nicht nur wir für sie, sondern sie auch mit und für uns beten.

 

Abwärts zum ReliquiengrabO.GruschkaAbwärts zum Reliquiengrab 

 

In der GruftO.GruschkaIn der Gruft 

 

Inschriften in der GruftO.GruschkaInschriften in der Gruft 

 

gruftO.Gruschka 

 

Diese Verbundenheit wird auch in der Gestaltung des Altares deutlich. Er besteht aus mehreren hellgrauen Quadern aus Aachener Blaustein, auf denen eine weiße Marmorplatte liegt. Beim ersten Betrachten fällt sofort die in der zweiten Lage der Quader mittig gelassene Lücke auf. Da uns vom Künstler keine Deutung vorliegt, könnte man hierin einen Hinweis auf Jesus Christus sehen, der auf dem Altar im Sakrament gegenwärtig wird und von dem der Apostel Paulus sagt, dass er selbst der Schlussstein ist. „Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten“ (Eph 2,20f).
In Verbindung mit Gruft und Reliquiengrab liegt aber noch eine andere Deutung nahe, zumal es sich nicht nur um eine Lücke, sondern um einen durchgehenden sich verjüngenden Spalt handelt. Von daher kann man sagen: Durch unseren Altar hindurch verläuft eine Verbindungslinie. Über den Altar sind wir mit Christus verbunden, aber auch mit allen, von denen wir gläubig hoffen, dass sie schon ganz bei ihm sind. Als Umschreibung der für uns nur auf diese Weise fassbaren himmlischen Wirklichkeit benutzt die Heilige Schrift an vielen Stellen das Bild des Mahles, des himmlischen Hochzeitsmahles. So heißt es z.B. beim Propheten Jesaja: „An jenem Tag wird der Herr der Heere auf diesem Berg - dem Zion - für alle Völker ein Festmahl geben“ (Jes 25,6). Gleichzeitig wählt Christus als äußere Gestalt der Feier seiner bleibenden Gegenwart die Form des gottesdienstlichen Paschamahles. So kann man bildhaft sagen: Bei der Feier der Eucharistie ist es, als säßen wir an einer langen Tafel; am einen Ende sitzen wir, am anderen Christus und alle, die schon für immer und unvermittelt bei ihm sind. Sie halten für uns einen Platz frei, bis wir aufrücken dürfen. Aber schon jetzt stehen wir mit ihnen in einer durch Christus zusammengehaltenen lebendigen Gemeinschaft des Gotteslobes.


Pfarrer M. Kürten

 
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