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Der Tabernakel unserer Kapelle

Der Tabernakel unserer Kapelle

Mit der Renovierung der Kapelle wurde auch ein neuer Standort für den sich bis dahin im Altarraum befindenden Tabernakel gewählt. Er fand seine Aufstellung im nachträglich angebauten Seitenschiff unserer Schul- und Klosterkirche, das mit Marienaltar und Sakramentshaus als Ort des persönlichen Gebetes außerhalb der Messfeier gedacht worden ist. Bei der Form entschied sich der Künstler für eine aus mehreren weißen Marmorblöcken geschaffene Säule.

Der Grundriss des Tabernakels ist damit ein Kreis, die anfanglose, und im zweidimensionalen als in besonderer Weise vollkommen geltende geometrische Figur. Als Raumelement verbindet eine Säule zwei Ebenen, die ansonsten keine Verbindung zueinander hätten. Vor allem aber hat sie eine tragende, stützende Funktion. Die Gegenwart Jesu Christi im Sakrament schenkt uns die Verbindung, die er in seiner Person ist, die Verbindung von Gott und Mensch. Indem er selbst unsere Speise wird, wird er zur entscheidend tragenden Stütze unseres Lebens.

Tabernakel heißt übersetzt Heiliges Zelt. Mit dieser Namengebung knüpft man an die alttestamentliche Tradition des Bundeszeltes an. In Verbindung mit ihrem Lager schlugen die Israeliten seit der Übergabe der Zehn Gebote am Sinai auf den Stationen ihrer vierzigjährigen Wüstenwanderung ein Zelt für die Bundeslade (cf. Ex 25f) auf, das der verbürgte Ort der göttlichen Gegenwart war: „Macht mir ein Heiligtum! Dann werde ich in ihrer Mitte wohnen" (Ex 25,8). Das im Unterschied zum Haus jederzeit abbrechbare Zelt als Ort der Anwesenheit Gottes zeigt: Er ist verlässlich da und lässt sich doch nicht von uns an einen Ort binden.

Warum bei diesem Hintergrund aber bei uns die Form einer Säule? Auch diese Formgebung schlägt die Verbindung zur Zeit des Exodus. Gott führt und weist den Weg: „Der Herr zog vor ihnen her, bei Tag in einer Wolkensäule, um ihnen den Weg zu zeigen, bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten. So konnten sie Tag und Nacht unterwegs sein" (Ex 13,21). Nach der Schaffung des Heiligen Zeltes blieb diese Säule immer in dessen Nähe und gab so auch die Länge des Aufenthaltes an einem Ort an (Ex 40,34-37). Der im Sakrament gegenwärtige Christus, der selbst der Weg ist (cf. Joh 14,6), führt uns sicher durch die Zeit. Wenn uns Orientierungslosigkeit bedroht oder gar befällt, lädt er uns ein, hierher zu kommen und hier zu verweilen, damit er uns den Weg zum Leben weisen kann. Die Verbindung, die wir in der Kommunion erfahren, ist sein Geschenk. Die Säule unseres Tabernakels erreicht nicht die Decke. Ein wenig fühlt man sich an den Turmbau zu Babel erinnert, an den vielleicht auch tatsächlich gemahnt sein soll (Gen 11, 1-9). Die im Sakrament spürbare Gemeinschaft ist nicht von uns konstruierbar, sondern je neu von ihm gegeben. So seien zum Abschluss für das weitere Bedenken lediglich einige Verse der Hl. Schrift über das sich in der Eucharistie fortsetzende Geheimnis der Menschwerdung Gottes genannt: „Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht bis zur Mitte gelangt war, da sprang dein allmächtiges Wort vom Himmel" (Weish 18,14f). „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt (wörtl.: sein Zelt aufgeschlagen)" (Joh 1,14). „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt" (Joh 6,51).


Pfr. M. Kürten

 

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