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Marienberger SporthalleFoto: O.GruschkaMarienberger Sporthalle 
 


 

Über 150 Jahre Sport an Marienberg

 
Moment mal: wirklich 150 Jahre Sport an Marienberg? 150 Jahre der (Weiter-) Entwicklung dieses Schulfaches, 150 Jahre lautstarke Anweisungen der Sportlehrerinnen und freudiges Schwitzen der Schülerinnen in der Turnhalle?
Tatsächlich entspricht die Überschrift dieses Artikels nicht ganz den Tatsachen, denn die Geschichte des Sportunterrichts an Schulen allgemein und speziell hier an Marienberg ist noch etwas jünger und erweist sich bei näherer Betrachtung als äußerst vielschichtig, bewegt, voll überraschender Wendungen… und vor allen Dingen lohnend, in diesem Jubiläumsjahr einmal genauer in den Blick genommen zu werden: wie sah der Sportunterricht früher aus, wo fand er in der Schule überhaupt statt, welche Erfolge hat er an dieser Schule eigentlich vorzuweisen, und warum musste man unbedingt den Weg zu Sport Nabben kennen, bis 3 zählen und Unterwäsche ausweichen können? Um all diesen Fragen nachgehen zu können, haben wir die Archive und Chroniken der Schule bemüht, Erinnerungen der schon seit langer Zeit an Marienberg tätigen Sportlehrerinnen zusammengetragen, ehemalige Schülerinnen - die den heutigen in anderer Funktion gut vertraut sind - im Gedächtnis kramen lassen...bevor wir aber dieses Nähkästchen öffnen, müssen wir zunächst einmal etwas weiter ausholen. 
 

Die Anfänge des Sports in der Schule
Sport begann hierzulande mit körperbildenden Übungen, die von Frauen erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts öffentlich ausgeübt werden durften.
Die Begründer der schulischen Leibeserziehung waren die Philantropen, unter diesen Johann Christoph Friedrich Gutsmuths (1759-1839) als die zentrale Persönlichkeit. In der körperlichen Bildung des weiblichen Geschlechts begnügten sich die Philantropen allerdings mit bescheidensten Anforderungen.
Turnvater Jahn sah Anfang des 19. Jh.s den einzigen möglichen Weg der Rettung des Vaterlandes in einer Reform des Erziehungswesens. Er konzipierte ein in vieler Hinsicht neuartiges System der Leibesübungen und verwendete dafür die Bezeichnung Turnen. Jahn befürwortete im Grundsatz auch Leibesübungen für Frauen. Trotzdem aber blieb das weibliche Geschlecht in seinem Konzept unberücksichtigt. Dafür gab es zweierlei Gründe: Der Entwicklung des Frauenturnens stand die aktuelle politische Situation entgegen. Die Idee einer Nationalerziehung durch das Turnen schloss auch die Aufgabe der Wehrertüchtigung mit ein. Dieser Aspekt gewann in der Vorbereitungsphase des Befreiungskrieges zunehmend an Bedeutung. Ein anderer Grund war die trotz vieler progressiver Ideen immer noch nicht überwundene Unsicherheit gegenüber der Belastbarkeit der weiblichen Physis.
1842 wurden die Leibesübungen offiziell als Erziehungsmittel anerkannt. Das Turnen im Sinne Jahns wurde in allen deutschen Staaten zu einem Schulfach. Dieser Prozess setzte bei den höheren Knabenschulen ein und griff ab den 60er Jahren schrittweise auf das Volksschulwesen und die höheren Mädchenschulen über. Der Prozess der Implementierung der Leibesübungen als Unterrichtsfach an Mädchenschulen kam jedoch erst im beginnenden 20. Jh. zu seinem Abschluss, da die Auflösung des konservativen Frauenbildes nicht ohne Widerstand verlief. Das Frauenturnen hatte Vorbehalte ästhetischer, moralischer und medizinischer Art zu überwinden.
In die Zeit des späten 19. Jh.s fällt wohl denn auch der Beginn schulischer Leibesübungen an Marienberg. Dies lässt sich aus einer früheren Schulchronik sowie aus alten Gebäudeplänen des Schulgeländes erschließen – dazu aber an anderer Stelle mehr.
 
Der Sport als spezifische Form der Leibeserziehung
Der Begriff Sport wurde im 19. Jh. noch nicht im Sinne unseres modernen Sprachgebrauchs verwendet. Man verstand darunter die spezifische Form der englischen Leibesübungen, die sich durch das Leistungs-, das Konkurrenz- sowie das Rekordprinzip auszeichneten.
Ab der Mitte des 19. Jh.s griff der englische Sport auch auf das kontinentale Europa über und fand dort vor allem ab den 80er Jahren rasche Verbreitung. In den Turnvereinen und in der schulischen Körper- und Leibeserziehung gaben die deutschen Turnlehrer jedoch weiterhin den Ton an, und sie waren bis zum Ersten Weltkrieg nicht bereit, vom deutschen Turnen zu lassen. Es wurden zwar im Zuge einer Spiel- und Gymnastikbewegung Reformen hinsichtlich einer Lockerung der starren Turnsysteme eingeleitet, aber weiter blieb es undenkbar, das englische Sport-Erziehungssystem so, wie es an den elitären Public Schools praktiziert wurde, an deutschen Schulen einzuführen.
Dennoch waren es Turnlehrer, die Spiele wie den Fußballsport in Deutschland verbreiteten. So wurde im Jahre 1875 in Braunschweig der erste Schüler-Fußballverein gegründet. Meistens handelte es sich bei dieser Art des Fußballspiels um die englische Art, also um eine Art Rugby, bei dem auch das Aufnehmen des Balles mit den Händen erlaubt ist. Die heute weltweit populärste Ballsportart wurde in die Sammlung der Turnspiele bzw. der Turnballspiele wie Schlag-, Schleuder-, Brenn-, Faust- und seit den 1920er Jahren auch Handball aufgenommen. In dieser Zeit wurden auch die ersten richtigen Sportvereine gegründet, der erste Fußballverein für Erwachsene zum Beispiel 1878 in Hannover. Der Sport emanzipierte sich außerschulisch mehr und mehr und durchbrach ab der Jahrhundertwende das Monopol der Deutschen Turnerschaft auf Leibesübungen. So wurde der Sport zu Beginn des 20. Jh.s neben dem nationalen deutschen Turnen zur zweiten großen Säule der Bewegungskultur in Deutschland. Die alte Deutsche Turnerschaft wollte dem Sport jedoch nicht kampflos das Feld überlassen. In der Weimarer Republik tobte ein heftiger sportideologischer Streit zwischen Turnen und Sport um die besseren Leibesübungen und die dazugehörige geistige, moralische oder nationale Einstellung.
Der Sport war, im Unterschied zum Turnen, lange Zeit eine unreflektierte, eher spontane und elementare Bewegung. Sport war auch keine einheitliche und eindimensional zu beschreibende oder zu erklärende Erscheinung des gesellschaftlich-kulturellen Lebens. Es gab und gibt immer verschiedene „sports“, Sport war zu allen Zeiten vielfältig und bunt. Als sich der Sport in Deutschland verbreitete, konnte er nicht wie das Turnen auf eine gereifte und ausreichend diskutierte Idee zurückgreifen, weder in pädagogischer noch in politischer oder kultureller Hinsicht, und man konnte schon gar nicht von einer geistig-philosophisch begründeten Form der Leibesübungen sprechen. So lehnten Bildungsbürger und Kulturträger in Deutschland den Sport als roh und geistlos ab. Dies änderte sich schließlich, als der Sport durch die olympische Idee eine mächtige ideelle Stütze erhielt. An dieser Geschichte waren die deutschen Turner und Sportler allerdings nicht beteiligt. Sie ging von Frankreich aus, genauer gesagt vom legendären Pierre de Coubertin, dem Begründer der neuzeitlichen Olympischen Spiele.
Insgesamt erreichten Bedeutung und öffentliches Ansehen von Turnen und Sport zur Zeit der Weimarer Republik einen Höhepunkt. Am Ende überflügelte der Sport das Turnen und wurde zum Begriff für die Gesamtheit aller Leibesübungen. Der Sport setzte sich schließlich auch in den Schulen durch. Die Situation des Schulsports wurde in der Weimarer Republik insgesamt erheblich verbessert. In den Schulen wurden drei Pflichtstunden Sport sowie Spielnachmittage und außerunterrichtliche sportbezogene Aktivitäten eingeführt. 
Doch damit genug des Exkurses zur Entwicklung des Sports in Europa, wir wollen hier schließlich in der Hauptsache zeigen, wie sich das Unterrichtsfach Sport an Marienberg entwickelte. In Ermangelung schriftlicher Quellen oder sonstiger näherer Angaben über den Beginn der körperbildenden Übungen an dieser Schule müssen wir uns allerdings weitgehend auf eine Darstellung des Schulsports an Marienberg nach dem 2. Weltkrieg beschränken.
 
Die Anfänge des Sports an Marienberg
In der von Frau Braekeler verfassten Schulchronik von 1957 lesen wir „von besonders markanten Persönlichkeiten“ an der Höheren Töchterschule in den Jahren 1888 bis 1909, zu denen auch Sr. Maria Ambrosia gehörte, „die in allen Klassen Turnunterricht (was man damals darunter verstand) erteilte.“ Ob diese Übungen in einem kleinen Turnsaal (alter Turnsaal), der als erster Neubau 1889 neben dem alten Haus an der Stadtmauer entstand (alten Plänen zu entnehmen) oder im neuen Turnsaal im Erdgeschoss links (später Konferenzzimmer, im Bombardement 1944 zerstört) erfolgte, können wir nicht mehr mit Gewissheit sagen. Auch die Übungen, die dort stattfanden, können wir nur erahnen. Die Tatsache allerdings, dass diese Übungen durchgeführt wurden, zeugt von Offenheit und Fortschrittlichkeit der Schwestern.
Fragt heute eine Schülerin: „Wo haben wir gleich Sport?“, so ist die Antwort: „In der großen Halle!“ für uns ebenso selbstverständlich wie eindeutig. Als 1912 der „Hauptumbau der Schule“ fertiggestellt wurde - das Waisenhaus war umgezogen, der Lyzeumsbau errichtet - hatte man auch eine große neue Turnhalle gebaut. Nur wenige Schülerinnen wissen, dass dieser Bau noch Bestand hat: es handelt sich um unsere heutige Aula. Eine Fotografie zeigt, wie liebevoll und aufwändig der damalige Turnsaal eingerichtet worden war.
Die Schatten der ersten Jahrzehnte des 20. Jh.s legten sich in der Folgezeit auch auf den Sportunterricht an Marienberg. Die patriotische, schließlich nationalistische Prägung der Jahre 1888 bis 1918 brachte sichtbare Auswirkungen auf das Schulleben und speziell auf die Unterrichtsinhalte und das Erscheinungsbild dieses Faches mit sich. In der Chronik werden u.a. große Festveranstaltungen mit Fahnentänzen und Siegesreigen an den zahlreichen nationalen Gedenktagen beschrieben, und 1918 „findet als einzige Feier ein Schauturnen auf dem Schulhof statt.“ Die Feste der Schulgemeinschaft beinhalteten auch Volkstänze, Wettspiele und Sportkämpfe. Zum Ende des Ersten Weltkriegs herrschten Not und Elend. Wir vermuten, dass Einquartierungen und Hochwasserschäden auch den Turnsaal betrafen.
In den Jahren nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 stand tägliches Praktizieren von Leibesübungen auf dem Programm. Zwei Marienbergerinnen dieser längst vergangenen Zeiten haben erfreulicherweise anlässlich des Schuljubiläums im Schatzkästchen ihrer Erinnerungen an den Sportunterricht gekramt. Rosemarie Stenmanns, später auch als Lehrerin an der Schule tätig, und Irmgard Gürtler, ehemals begeisterte Turnerin, gehörten dem Abiturjahrgang 1942 an – und waren somit Klassenkameradinnen von Sr. Maria Lioba, der späteren Direktorin der Schule. Sie schilderten im Gespräch lebhaft die Attraktion ihrer Sportstunden, welche von den Schülerinnen schlicht „Rundlauf“ genannt wurde und auch auf der beigefügten Fotografie zu erkennen ist. Es handelte sich um ein Turngerät, bei dem mehrere aus Tauen bestehende Strickleitern an einer rundlichen und drehbaren Deckenaufhängung befestigt waren. Einige Querstreben waren durch Holzstangen verstärkt, wobei eine der oberen Stangen als Griff diente, während eine der unteren einen festen Stand ermöglichte. Ein fester Griff und schnelles Laufen auf einer möglichst weit außen liegenden Kreisbahn waren nötig, um den Rundlauf in Schwung zu bringen, dann war es wichtig, im richtigen Moment auf eine der unteren Holzstangen aufzuspringen – schon konnte man ein „herrliches Fluggefühl“ genießen, wie sich Frau Gürtler erinnert. Da dieses waghalsige Flugvergnügen aber nicht ganz ungefährlich war – einige Schülerinnen erreichten dabei scheinbar schwindelerregende Höhen – wurde der Rundlauf zum Leidwesen der Schülerinnen zu einem nicht mehr genau zu bestimmenden Zeitpunkt aus Sicherheitsgründen abgeschafft. Härteres Brot war hingegen die Vorbereitung auf die obligatorische Sportprüfung im Rahmen des Abiturs. Frau Stenmanns weiß noch immer ein Lied davon zu singen, wie intensiv das Training dafür war, hatte sie doch „so viel und so lange an den Turngeräten geübt, bis man die Kniekehlen zerschunden hatte.“ In bester Sportlermanier nahmen die Schülerinnen dieser Zeit diese Strapazen allerdings hin, wie es ihr Zusatz verdeutlicht: „Überlebt haben es aber alle.“
körperbildende Übungen wurden auch in die vielen (zwangsverordneten) Schulfeiern integriert, bis – wie in der Chronik beschrieben – „Not, Zerstörung und Existenzkampf ein Denken an körperliche Übungen verständlicherweise völlig ausschlossen.“ Schon im August 1939, vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges, wurde der Turnsaal zum Getreidespeicher umfunktioniert; dann folgte auch die Einquartierung von deutschen Soldaten und Evakuierten. Nach der Zerstörung der Kapelle durch einen Luftangriff Silvester 1944 diente der Turnsaal der Schule bis 1954 als Ersatz für das Gotteshaus.
 
Der Marienberger Schulsport in den Jahren nach 1945
1954 konnte die „Aula-Turnhalle“ dem Sportunterricht endlich wieder zur Verfügung gestellt werden. Abgesehen von der aus heutiger Sicht freilich geringen Größe dieses Saals wissen die ehemaligen Marienbergerinnen auch von anderen Unannehmlichkeiten noch ein Lied zu singen. „Die Umkleide (der heutige Hinterraum am Ende der Aulabühne!) war sehr eng und es roch fürchterlich!“, schildert Sabine Exner-Scholz, Abiturientin der Schule im Jahr 1977, das Umziehen der 48 Schülerinnen ihrer Klasse für den Sportunterricht. Sie ist eine von vielen ehemaligen Marienbergerinnen, die der Schule die Treue hielten und auf die andere Seite des Lehrerpultes wechselten. Auch die Qualität des Hallenbodens war nicht optimal, „es knarrte sehr unter den Füßen, und ständig war die Gefahr da, sich einen Holzsplitter zuzuziehen“, weiß Miriam Kuchen-Jacobsen, heute eine der beliebten Sekretärinnen der Schule, zu berichten. Darüber hinaus verwundert es, wie hier beispielsweise im Jahre 1957 die 950 Schülerinnen in 29 Klassen in der Regel 2 Wochenstunden Sportunterricht erhalten konnten. Nun, diese erstaunliche Tatsache lässt in Bezug auf die Unterrichtspraxis dieser Zeit nur zweierlei Rückschlüsse zu.
Zum einen mussten sich die Sportlehrerinnen dieser Zeit als Meister der Improvisation auf engem Raum erweisen. Sicherlich werden die praktizierten Übungsformen und Spiele nicht immer Lehrbüchern entsprungen sein, zumal häufig 2 Klassen (mit jeweils an die 50 Schülerinnen) parallel unterrichtet wurden. Und auch die Motivation der Schülerinnen dürfte darunter gelitten haben, dass die immer noch schwerpunktmäßig durchgeführten turnerischen und gymnastischen Bewegungsformen (vor allem Kasten-, Pferd- und Bocksprung, Turnen auf dem Boden oder an Ringen, Stufenbarren und Schwebebalken, gymnastische Übungen u.a. mit Keulen oder Zirkeltraining) dann auch noch auf so geringer Quadratmeterzahl Hallenboden pro Schülerin stattfinden mussten. Nur gelegentlich wurde in der Halle Korbball gespielt.
Ursula Kramp, die ihr Abitur 1976 an Marienberg bestand, erlebte insofern den fast unter Ausschluss von Sportspielen stattfindenden Sportunterricht eher als Qual. Auf Klassentreffen Jahre später stellten sie und ihre Altersgenossinnen im Austausch übereinstimmend fest: „Leider musste man 40 Jahre alt werden, um den Spaß am Sporttreiben zu entdecken.“ Dieser Jahrgang war im Übrigen der letzte, der eine sportliche Leistung verpflichtend auch im Abitur abzulegen hatte. Zu diesem Anlass ließ es sich die damalige Direktorin Sr. Maria Lioba nicht nehmen, den Gymnastik-Küren der Abiturientinnen beizuwohnen. Empfanden das die Schülerinnen als zusätzlichen Leistungsdruck? „Nein“, entgegnet Frau Kramp im Gespräch, „Schwester Maria Lioba war so beliebt bei uns, wir freuten uns über ihr Erscheinen. Außerdem kümmerte sie sich rührend um uns: sie empfahl uns nach unseren Übungen, besser etwas Wärmeres über unseren dünnen Turndress zu ziehen…“. Insgesamt litt die Beliebtheit des Sportunterrichts dieser Zeit also unter dem begrenzten Sportartenkanon des Sportunterrichts und der nicht gerade optimalen Raumsituation an Marienberg.
Um der Enge der Turnhalle zu entgehen, gab es zum anderen aber auch noch die Möglichkeit, den Sportunterricht an die frische Luft, auf den Schulhof zu verlegen. Zwar muss dieser in seiner Größe den Zwängen einer Schule mitten in der Stadt Rechnung tragen, doch wird auch heute noch ab und an von dieser Option Gebrauch gemacht. Dort standen hauptsächlich Disziplinen der Leichtathletik auf dem Programm, manchmal wurde auch Schlag- (eine Art Brennball) und Völkerball mit Variationen gespielt.
Wenn auch Schülerinnen heute noch hier und da in den Genuss einer Sportstunde unter freiem Himmel kommen, so dürften sie selten so einschneidende Erlebnisse damit verbinden, wie sie beispielsweise Frau Kramp und Frau Hildegunde Zumbé (Abiturjahrgang 1969) zu berichten wissen. Die 50m-Laufstrecke führte entlang der Stadtmauer auch an der damaligen Wohnung des Hausmeisters vorbei, und da konnte es dann schon einmal passieren, dass aus dem üblichen Sprint ein Hindernislauf wurde. „Über die Laufstrecke war hin und wieder eine Wäscheleine gespannt“, erinnert sich Frau Zumbé, „auf unserem Weg mussten wir dann teilweise unter der zum Trocknen aufgehängten Unterwäsche der Nonnen hindurchtauchen“. Diese verdeckte allerdings auch die Sicht auf den weiteren Verlauf der Strecke – bald darauf folgte nämlich schon die Klostermauer, so dass nur abruptes Abbremsen einen Zusammenstoß verhindern konnte. Neben dieser Besonderheit sind ihr auch die Tücken der Laufbahn im Gedächtnis haften geblieben, sie erlebte den Schulhof als „eine Laufstrecke voller Stolperfallen“. Daher stellten auch Sprünge in die (noch immer existierende) Weitsprunggrube ein kleines Abenteuer dar.
Freilich wurde der Schulhof auch noch für andere sportliche Zwecke genutzt. Frau Kramp erinnert sich noch lebhaft an die „Schlagballstunden“. Ein kleiner Ball wurde hierbei mit einem Schlagholz ins Spiel gebracht – ein schwieriges Unterfangen. Den besonders begabten Mädchen musste der Lehrkörper allerdings die Weisung ausgeben: „Bloß nicht zu weit schlagen!“ – die Batteriestraße war ja nur einen „Steinwurf“ entfernt, und so mancher Ball gelangte denn auch mühelos in den Gegenverkehr... In Zusammenhang mit der Batteriestraße, besser mit dem direkt gegenüber der Schule gelegenen Hafengebäude, steht eine kuriose Episode, die Gabi Vetter, 1969 Abiturientin an Marienberg, mit einem breiten Grinsen ins Gedächtnis kommt. Als ihre Klasse einmal mit Brennballspielen an der Stelle des heutigen Innenhofes beschäftigt war, bestiegen Arbeiter das Dach eben jenes Hauses an der Batteriestraße, um Schäden zu beheben. Sie zeigten reges Interesse (nicht nur) an der sportlichen Betätigung der jungen Mädchen, postierten sich am Rand des Daches und genossen den guten Ausblick. Zum Glück besaß die Schule zu dieser Zeit eine von den Schülerinnen geliebte Pfortenschwester, die sich stets um ordentliche Bekleidung und Unversehrtheit ihrer „Töchter“ an Marienberg sorgte. Wenn sie zum Beispiel eine Schülerin mit keck entkleideten Schultern die Schule betreten sah, schritt sie zu ihr hin, richtete die Träger ihres Oberteils ordnungsgemäß wieder auf und wiederholte mit einem Augenzwinkern ihre liebste Parole, die Frau Vetter auch heute noch im originalen Tonfall zu zitieren weiß: „Wenn es dir jetzt schon zu warm ist, wie wird es dann erst im Fegefeuer sein?“ Dieser Sr. Maria Gonzaga blieb also kaum etwas Unzüchtiges verborgen, und so wurde sie auch der forschenden Blicke vom Dach gewahr. Sie suchte also die Mädchen auf dem Schulhof auf und wies sie an, wenigstens ihre kurzen Pump-Hosen bis zu den Knien herunterzuziehen – es handelte es sich um ein sehr „anpassungsfähiges“ Kleidungsstück. Damit entschärfte sie nicht nur die in ihren Augen unangenehme Lage der Mädchen, auch das Dach konnte wieder schneller repariert werden…
Generell sollte an dieser Stelle zum Stichwort Kleidung zu dieser Zeit (und noch bis in die 80er Jahre hinein) ein prägendes Merkmal des Sportunterrichts Erwähnung finden: der einheitliche Sport-Dress. Alle befragten Ex-Marienbergerinnen konnten sich noch lebhaft zu den Pump-Hosen und den Trikot-Hemdchen bzw. gerippten Oberteilen äußern - für den Sportunterricht an Marienberg führte kein Weg an der Quelle dieser Einheitskleidung vorbei, an Sport Nabben im Neusser Zentrum. Für Unter, Mittel- und Oberstufe waren stets bestimmte Kleidungsstücke in unterschiedlichen Farben fest vorgeschrieben, auch wenn sich diese im Laufe der Zeit wandelten. Nicht verblasst zu sein scheint vor allem der Eindruck der bereits erwähnten etwas unförmigen Pump-Hosen, der „knallgelben“ Baumwoll-Ripp-Oberteile und in späteren Zeiten der „Turnhosen, die einem eher als eine verkappte Unterhose vorkamen“ (Uta Deußen, Abiturjahrgang 1988), ebenso der „stahlblauen“ Oberbekleidung (Frau Kramp). Letztere Kollegin weiß dazu noch genau zu berichten, dass (aus nachvollziehbaren Gründen) in die einheitliche Turnkleidung der Name ihrer Besitzerin eingenäht und der Sportlehrerin durch teilweises Umstülpen des Trikots vorgezeigt werden musste.
In einer (im modernen Lehrplanjargon wohl) fächerverbindenden Unterrichtseinheit wurden in den Handarbeitsstunden auch passende Turnbeutel angefertigt. Diese waren aber anscheinend nicht immer praktisch und dabei auch optisch ansprechend, wie Frau Exner-Scholz einräumt: „Ich muss gestehen, ich habe ihn gleich nach der Schulzeit weggeworfen…“.
Insgesamt äußerten sich die Kolleginnen sehr positiv zur (in der Gesellschaft ja derzeit wieder diskutierten) Einheitskleidung dieser Jahre, wenn sich auch Frau Kuchen-Jacobsen noch an eine in diesem Zusammenhang etwas widersinnige Kaufoption bei Sport Nabben erinnert. Das Einheits-Oberteil konnte für weniger Geld aus Baumwolle, zu etwas höherem Preis auch aus einer hochwertigeren Polyester-Mischung erstanden werden: „Die Baumwolle war nach drei Mal waschen schon grau.“
 
Wichtige Persönlichkeiten des Marienberger Schulsports
Die positive Entwicklung des Unterrichtsfaches Sport an Marienberg, die nach den vielfältigen „Hindernissen“ auch noch der Jahre nach dem 2. Weltkrieg einsetzte, ist eng verbunden mit dem Wirken und der Ausstrahlung einer Lehrperson, Else Nabert. In ihrem Nachruf heißt es: „Sie begann … 1945 ihre Tätigkeit an der Schule Marienberg. Als engagierte Sportlehrerin wusste sie ihre Schülerinnen für das Fach Sport zu begeistern und sie zu erfreulichen, in vielen Wettbewerben zu anerkannten Leistungen anzuspornen. Immer bedachte sie dabei die erzieherische Aufgabe des Sportunterrichts.“
Auch in den Erinnerungen vieler Generationen ehemaliger Marienbergerinnen nimmt Frau Nabert einen wichtigen Platz ein. „Sie war stets nett und pflegte ein gutes Verhältnis zu den Schülerinnen“, beschreibt Frau Vetter. Frau Kuchen-Jacobsen klingt auch heute noch die liebevolle Zuwendung (in hanseatischer Aussprache) in den Ohren nach, mit der Frau Nabert sie am Schwebebalken zu motivieren wusste: „Küchlein, Fußspitzen strecken!“ Frau Deußen erinnert sich intensiv an die Methode von Frau Nabert, den Schülerinnen die Angst vor dem Bocksprung zu nehmen: gebetsmühlenartig (aus heutiger sportpsychologischer Sicht quasi im Sinne mentalen Trainings) trichterte sie ihnen vor dem Anlauf ein: „Sag: ICH WILL!“. Dieselbe Kollegin hat noch intensiv ein anderes Markenzeichen von Frau Nabert vor Augen, ihre Freude an kräftigen Farben. Diese äußerte sich in der Zusammenstellung ihrer Schwimmausstattung, nämlich einer strahlend orangen Frotté-Hose sowie einem blauen Oberteil mit orange-weißen Streifen.
Die humorvolle Gelassenheit ihrer späteren Jahre wirkte sich auch auf die Art aus, wie sie die Sportstunden leitete. „Kinder, holt mir mal meinen Sessel!“, lautete der Satz, den Simone Kippels (aus dem gleichen Jahrgang wie Frau Deußen) noch ohne zu zögern aufsagen kann – stand er doch als Ritual am Anfang jeder Sportstunde und bezog sich auf einen Turnkasten, auf dem sie Platz nahm und von dem aus, strategisch gut in der Halle platziert, sie jederzeit die Kontrolle über das Unterrichtsgeschehen behalten konnte. Nur eineinhalb Jahre nach ihrer Pensionierung verstarb Frau Nabert leider bereits im Jahre 1984.
Ebenfalls in der Erinnerung ehemaliger Marienbergerinnen blieb Dr. Trude Bönnen haften. Sie verkörperte als kleine, drahtige und temperamentvolle Lehrerin mit Wurzeln im ehemaligen Ostblock allerdings die „alte“ Schule des Sportunterrichts, legte sehr hohe Leistungsmaßstäbe an und war auch nicht gerade für eine milde Notengebung bekannt. Bei Anita Grifka, bis zu ihrem Abitur 1970 stets begeisterte Anhängerin des Schulsports, brannte sich ins Gedächtnis, wie Frau Bönnen die hohe Kunst der Weitsprungtechnik demonstrierte und sich im Stile eines Radiomoderators dabei selbst simultan kommentierte: „Isch lau-fä aaaan…isch sprin-gä aaaaaab!“ Frau Exner-Scholz, die dem Abitur-Jahrgang angehörte, der als erster im Oberstufen-Kursmodell organisiert war, fuhr es durch Mark und Bein, als Frau Bönnen nach einer Turnübung ihre Stimme erhob und zweifelsfrei erklärte: „Daaas waaar sääääächs!“ Zum Glück blieb es für sie bei einem einmaligen Erlebnis… 
Bei der Verabschiedung von Helga Hüsgen am 28.6.1991 wurde eine Umdichtung des Liedes “ Was noch frisch und jung an Jahren“ zum Besten gegeben, nun mit dem Refrain „Bleib nicht sitzen im Neusser Nest: Radeln ist das Allerbest…… Komm zurück ins Neusser Nest: Tanzen ist das Allerbest“. 300 Schülerinnen aus den Klassen 7 A bis 10 D stellten sich nach einer kleinen Tanzdarbietung zu Buchstaben zusammen und alle konnten lesen: WIR TANZEN WEITER. Dies erfreute Frau Hüsgen sehr. Wir erinnern uns gerne an ihr Wirken seit 1966 an unserer Schule. Sie bereicherte zahlreiche Schulfeste, Sportfeste und Abiturfeierlichkeiten durch äußerst vielfältige, teilweise sehr moderne Tanzdarbietungen ihrer Tanz- AG. Sie führte an der Schule den Jazztanz ein. Ihre Leistung erscheint umso beachtlicher vor dem Hintergrund, dass ihre eigenen sportlichen Wurzeln in der Leichtathletik lagen. Ihre Aufführungen wurden in der lokalen Presse oft erwähnt. Sie verabschiedete sich im Juni 1991 mit einer eindrucksvollen Tanzveranstaltung in der Aula. Helga Hüsgen verstarb während der Entstehung dieses Artikels am 19.4.2007.
Im Sommer 2004 verabschiedeten wir Christel Rosenberg in der großen Sporthalle. Viele Klassen und Schülergruppen, die Frau Rosenberg seit 1974 im Unterricht kennen– und schätzen gelernt hatten, beteiligten sich an der Verabschiedung. Frau Rosenberg war viele Jahre, auch in ihrer Eigenschaft als Fachvorsitzende, eine prägende Figur im Sport und an der Schule generell, sie erfreute sich gleichermaßen bei Schülerinnen und Lehrern großer Beliebtheit und verkörperte durch ihr ganzes Auftreten geradezu das Ideal der jung gebliebenen, freundlichen und dabei stets humorvollen Sportlehrerin. Ihr Talent, im Sportunterricht aus der Not heraus auch einmal improvisieren zu können, stellte sie bei verschiedenen Gelegenheiten unter Beweis. An eine besonders kuriose Anweisung erinnert sich Frau Deußen gern zurück. Als in ihrer Klasse die Abnahme des Fahrtenschwimmers auf dem Plan stand, bemerkte Frau Rosenberg, dass das Schwimmbad nicht, wie für die Prüfung verlangt, über ein 1m-Sprungbrett verfügte. Wie konnte sie vermeiden, alle Schülerinnen enttäuscht und ohne Fahrtenschwimmer nach Hause schicken zu müssen? Sie veränderte diesen Prüfungsteil mit folgender Ansage: „So, Kinder, ihr springt vom Startblock ins Wasser und zählt vor dem Auftauchen noch unter Wasser bis 3!“ – ein Glück, dass alle Schülerinnen schon über fortgeschrittene mathematische Kenntnisse verfügten…und als erfolgreiche Fahrtenschwimmer wieder auftauchten. Sehr gerührt auf einem für sie konstruierten Thron sitzend verfolgte Frau Rosenberg bei ihrer offiziellen Verabschiedung in der Turnhalle die vielen tänzerischen und gymnastischen Darbietungen, die die Schülerinnen über Wochen für sie eingeübt hatten, und nahm den zum Schluss überreichten „Rosenberg“ sowie die Glückwünsche mit großer Dankbarkeit in Empfang. Frau Dr. Schmitz-Keil würdigte ihre langjährige und vielfältige Arbeit und ihre stets natürliche und spürbar von Herzen kommende Freundlichkeit. Frau Rosenberg ist der Schule weiterhin sehr verbunden, verfolgt das Geschehen aus der Ferne ihrer neuen, sonnigen Heimat in Spanien mit großem Interesse und ließ es sich auch nicht nehmen, sich anlässlich der Verabschiedung von Frau Dr. Schmitz-Keil im vergangenen oder zu Feierlichkeiten des Marienberger Jubiläums in diesem Jahr vor Ort in die Schar der Gäste einzureihen.
 
Sportliche Erfolge an Marienberg: Starke Schülerinnen und neue Sporthalle(n)
Die sportlichen Erfolge der Schule Marienberg beginnen schon früh mit der Einführung der Schul-Wettkämpfe. Von hervorragenden Ergebnissen bei den Kreissportfesten und Landessportfesten in der Sportart Leichtathletik wird an vielen Stellen berichtet.
Als erstes offizielles Sportspiel eingeführt, übten sich die Mädchen schon zu Beginn der 70er Jahre im Volleyball. Hier gab es von Anfang an auch eine gute Zusammenarbeit mit der TG Neuss. Warum gerade Volleyball als erstes Spiel eingeführt wurde, ist schnell erklärt. Die Turnhalle (früher Turnsaal genannt, also die heutige Aula) war gerade groß genug, um dieses Spiel durchzuführen, einige Bälle, ein Netz oder eine Leine und eine Wandhalterung waren schnell besorgt, als Rückschlagspiel traten keine direkten Körperkontakte auf, Volleyball boomte (1972 zum ersten Mal bei den Olympischen Spielen in München), Schülerinnen spielten das Spiel in ihrer Freizeit bei der TG Neuss.
„Jedes Jahr spielen die höheren Mädchenschulen in
Nordrhein in den Städten und Kreisen Volleyball gegeneinander. Unsere Volleyballmannschaft...siegte in den Vor- und Zwischenrunden und qualifizierte sich somit für die Endrunden in Bonn...wir erreichten den dritten Platz und waren sehr stolz!“(Vereinigung Marienberg, 1971)
In diesem Jahresheft werden zum ersten Mal die Visionen eines Neubaus für den Sport vorgestellt. „Die bisherige Turnhalle soll zum Festraum umgestaltet werden; eine neue Turnhalle und ein Gymnastikraum sind in Richtung Hafenstraße vorgesehen.“ Am 21.10.1978 war es endlich so weit. In einem Festakt im Zeughaus wurde der Neubau der Schule mit den neuen Turnhallen eingeweiht. Um dies zu realisieren, musste bautechnisch mit besonderer Sorgfalt geplant werden. Unter die Hallen setzte man eine überdurchschnittlich dicke Betonplatte von 1,20m Stärke, eine Wannenkonstruktion wurde ebenfalls eingerichtet. Auf diese Weise sollte ausreichend Schutz vor dem Wasserdruck bei Hochwasser gewährleistet werden. Dennoch hatten wir in den ersten Jahren immer wieder Probleme mit dem Wasser von unten, zeitweise stand es in den Bodenhülsen. Beeindruckend war hingegen die neue, reichhaltige materielle Ausstattung: Turngeräte, Matten und Weichbodenmatten, viele Handgeräte für gymnastische Übungen, Bälle für verschiedene Ballsportarten – dem Sportunterricht an Marienberg öffneten sich neue Türen.
Von nun an wurden zwei Schulklassen zeitgleich unterrichtet, eine ging in den großen, die andere in den kleinen Teil, in dem wir die Schülerinnen auf nur ca. 150 Quadratmetern beschäftigen mussten. Nach einer Schulstunde wechselte man die Räumlichkeiten. Ein neben der großen Turnhalle gelegener grüner Tartanplatz (von den Schülerinnen „Gummihof“ genannt) konnte in den Sommermonaten ebenfalls benutzt werden. Die meisten Sportkurse der Oberstufe fanden jedoch noch in anderen städtischen Turnhallen statt. Viele Sportarten wurden nach und nach eingeführt, zuerst Kleinfeldhandball und Basketball (man konnte nun parallel an 6 Körben üben) später Badminton – die Felder malten die Sportlehrerinnen selbst auf den Hallenboden- und Tischtennis; es wurde aber auch weiterhin viel geturnt. Jetzt sprach man von den neuen Räumen des Sports an Marienberg als die große und die kleine Turnhalle.
Auch in den 80er Jahren erfreuten wir uns an großen Erfolgen in vielen Sportarten. In einer Ausgabe vom 26.6.1982 bezeichnete die NGZ auf der Sonderseite „125 Jahre Schule Marienberg“ unter der Überschrift „Sport und Kreativität mit hohem Stellenwert“ das Sportangebot trotz räumlicher Enge sowie die Einführung einer Ruder-Arbeitsgemeinschaft 1981 als einen Schwerpunkt der Schule neben den künstlerischen und musikalischen Aktivitäten. Dass dem Sport ein solcher Stellenwert zugeschrieben wurde, war nicht zuletzt Sr. Maria Lioba zu verdanken, der das Sporttreiben der Mädchen immer sehr am Herzen lag.
Die Ruderinnen fuhren auf vielen Regatten sehr erfolgreich und nahmen beim Bundesfinale im Wettbewerb „JUGEND TRAINIERT FÜR OLYMPIA“ in Berlin teil. Sie wurden von ihrer Sportlehrerin und Trainerin Petra Finke, die das Rudern an Marienberg einführte und mit ihrer unermüdlichen Arbeit im Ruderverein koordinierte, hervorragend betreut. Petra Finke, Vizeweltmeisterin 1978 im Doppelvierer in Neuseeland, unterrichtete u. a. Rudern als Arbeitsgemeinschaft und als Kurs in der Oberstufe. Sie führte jährlich mehrtägige Ruder-Wanderfahrten durch und war als Vorsitzende der Fachkonferenz Sport an der Gestaltung und Organisation der Schulsportfeste maßgeblich beteiligt. Ihr Wirken in den Jahren 1981 bis 1989 war bei allen, im Kollegium und in der Schülerschaft, sehr geschätzt, sie erfreute sich großer Beliebtheit. Am 1.1.1989 heiratete Petra Finke den Kanadier Mark Anderson und zog zu ihm. Sie leben heute in Vancouver mit ihren beiden Töchtern in großer Zufriedenheit.
Jährlich fand das Sportfest der Neusser Schulen im Südpark im Freien statt. Die Marienbergerinnen waren regelmäßig in den Ranglisten fast aller Sportarten unter den ersten drei Mannschaften zu finden, häufig belegten sie über viele Jahre hinweg in einer bestimmten Sportart, z.B. im Volleyball, den ersten Platz. Auch bei den damals noch stattfindenden Volleyball-Kreispokal-Turnieren in Grevenbroich dominierten die Volleyballmannschaften unserer Schule in den verschiedenen Altersklassen. In dieser Sportart gab es weiterhin eine enge Verflechtung mit der Vereinsarbeit in der Turngemeinde.
Als exemplarisch für das Bemühen der Sportlehrerinnen, Sport immer vielfältiger und differenzierter zu vermitteln, ist die Tatsache zu sehen, dass im Schuljahr 1985/86 insgesamt 10 Arbeitsgemeinschaften angeboten wurden, z.B. alleine drei im Volleyball für die Schülerinnen verschiedener Altersklassen. Mit großem Engagement leitete Frau Rosenberg eine Arbeitsgemeinschaft im Turnen, um vor allem die talentierten Schülerinnen, die nicht im Verein das Turnen betrieben, auf die Kreis- und Regierungsbezirksmeisterschaften vorzubereiten. In diesem Schuljahr nahmen denn auch Schülerinnen in neun Sportarten an den Kreismeisterschaften teil: in Badminton, Basketball, Gymnastik, Handball, Schwimmen, Tennis, Tischtennis, Turnen und Volleyball.
Charakteristisch für den Sport an Marienberg in den 80er Jahren waren die großen Sportfeste, die fast jedes Jahr durchgeführt wurden. Diese Spiel- und Sportfeste, in deren Rahmen auch mehrmals Bundesjugendspiele durchgeführt wurden (später auf freiwilliger Basis), wurden dabei mit einem regelrechten Schulfestcharakter versehen. In Anlehnung an die vielschichtige Konzeption und die über die Grenzen des Sports reichende Offenheit in der Planung des olympischen Treibens betraf das Sportfest die gesamte Schulgemeinde, alle Schülerinnen der Schule versammelten sich in einem Stadion, meist im Jahn-Stadion. Nach der Eröffnung durch Tänze und gymnastische Übungen, die eindrucksvoll in großen Gruppen vorgeführt wurden, fanden Sportspiele wie Brennball, Ringtennis, Handtuchvolleyball (eine kuriose, motorisch sehr anspruchsvolle Variante auf großem Raum) oder Parteiball statt, ebenso Staffelwettkämpfe oder Bundesjugendspiele. Am Rande der Spielfelder nahmen diejenigen Schülerinnen, die nicht den Wettkampf-Teams angehörten, an alternativen Spielen und Spaß-Turnieren (Büchsenwerfen, Stelzenlauf, Hüpfballstaffeln u.a.) teil. Der materielle Aufwand für die vielen Spiel- und Sportstationen war gewaltig und wuchs stetig, so dass diese schließlich nur in Lastwagen zum Stadion transportiert werden konnten. Vor der Siegerehrung zeigten die Tänzerinnen noch einmal ihr Können. Auf diese Weise waren alle Schülerinnen der Schule in das bunte sportliche Treiben integriert, die Sportfeste gerieten regelmäßig zu einer Veranstaltung mit hohem Gemeinschaftsgefühl, Identifikation mit Marienberg, der „school spirit“ wurde spürbar. Das wurde auch in den Gesprächen mit den ehemaligen Marienbergerinnen deutlich – in welchem Lichte auch immer die Erinnerung an den Sportunterricht insgesamt erschien, die Sportfeste waren noch als schöne Ereignisse im Gedächtnis haften geblieben. Leider sorgte die zunehmende Vergrößerung der Schülerschaft dafür, dass sich die Organisation solcher sportlichen Großereignisse zu einer schweren bis unlösbaren Aufgabe entwickelte…      
Auf die Initiative von Sr. Maria Lioba ging schließlich auch der Bau der neuen Dreifachturnhalle zurück. Das Vorhaben erregte nicht nur bei den Sportlehrerinnen großes Erstaunen. Wie sollte zwischen dem Parkhaus und dem Neubau der Schule eine Dreifachsporthalle entstehen? Wir konnten unser Glück kaum fassen. Nie hatten wir, die wir die räumliche Enge im Sportunterricht beinahe schon gewohnt waren, daran gedacht, einmal in einer Dreifachsporthalle unterrichten zu dürfen. Nach einer Bauzeit von 10 Monaten und einem Kostenaufwand von 5 Millionen Mark, wohlgemerkt getragen alleine von der Stiftung St. Anna und der Schule Marienberg, wurde die neue Sporthalle am 22.3.1990 mit vielfältigen sportlichen und tänzerischen Darbietungen eingeweiht.
Auf Grund des großen Raumangebots in der Dreifachhalle konnte der Unterricht in den Ballsportarten intensiviert werden. Handballspielen auf einem Feld mit Originalmaßen verlieh dem Unterricht eine neue Dimension. Die Handballmädchen der Schule Marienberg waren jetzt auch beim jährlich stattfindenden Stufenturnier der 5. und 6. Klassen aller Neusser Schulen sehr erfolgreich. Darüber hinaus wurden in der Folgezeit die Kreismeisterschaften im Handball nun auch häufig in unserer Halle ausgetragen.
Als im Schuljahr 1992/93 weder Kreis- noch Bezirksmeisterschaften ausgetragen wurden, entschieden sich die Sportlehrerinnen - quasi aus der Not heraus - dazu, zum Ausgleich schulinterne Stufenturniere in den Ballsportarten zu veranstalten. Diese wurden schnell zu den neuen sportlichen Highlights, dienten den Klassen auch als motivierendes Ziel für den Unterricht und erfreuen sich bis heute großer Beliebtheit. In den ersten Jahren dieser Stufenturniere war die Auswahl der Ballsportarten noch eher einseitig (Klasse 5 Ball-über-die-Schnur, Klasse 6 Handball, Klasse 7 und 8 Basketball, Klasse 9 und 10 Volleyball). Im Laufe der Jahre kamen sukzessive weitere Sportarten hinzu, Schwimmen in der 5., Fußball in der 7., Badminton in der 9. Jahrgangsstufe. Ein Show-Turnen mit Pflicht- und Kürprogramm für die Klassen 6 wurde seit 2005 in die Wettkämpfe integriert, nicht zuletzt deshalb, weil auf diese Weise die Bedeutung des Turnens, das in den 90er Jahren vernachlässigt worden war, als Grundlage des Sporttreibens generell wieder hervorgehoben werden konnte. Die Abfolge der Stufenturniere bietet einen Rahmen für die schulinternen Lehrpläne.
In einer als Sport-Show konzipierten Veranstaltung im Jahr 1994 boten 150 Schülerinnen ihre Fähigkeiten in freizeitrelevanten Sportarten dar. Einradfahren, Voltigier-Turnen, Jonglagen und Akrobatik erfreuten die Zuschauer in der großen Sporthalle. In dieser Zeit feierten die Basketballerinnen der Schule ihre größten Erfolge, 1994 wurden sie Vizemeister bei den Landesmeisterschaften. In diesen Jahren konnte die Schule auch dank der hervorragenden Zusammenarbeit mit der TG Neuss Basketballmannschaften in allen Altersklassen zu den Kreismeisterschaften melden.
Als Ergebnis der Oberstufenreform konnte Sport viele Jahre lang als 4. Abiturfach belegt werden. Während wir uns in den praktischen Prüfungen an den häufig sehr gelungenen und ästhetisch ansprechenden Leistungen der Schülerinnen bei Übungen und Spielzügen in den Ballsportarten und vor allem bei tänzerischen und gymnastischen Pflicht- und Kürübungen erfreuten, bereitete die Vorbereitung der theoretischen Prüfung den Sportlehrerinnen immer wieder Sorge und gab Anlass zur Diskussion. Wie sollte man sich bei den wenigen drei- bis fünfminütigen Gesprächen während des praktischen Sportunterrichts in der Sporthalle – eine Theoriestunde war ausdrücklich von den Richtlinien nicht vorgesehen – anspruchsvollen sporttheoretischen Inhalten zuwenden? Wie konnte ein Prüfungsgespräch unter Berücksichtigung anwendungsbezogener und problemlösender Fragestellungen ohne jegliche Vorbereitungszeit erfolgen? Wir mussten eine Lösung finden und unterrichteten ab dem 2. Halbjahr der Jahrgangsstufe 13 wesentliche theoretische Inhalte aus den Bereichen Muskelphysiologie sowie Bewegungs- und Trainingslehre in einer Einzelstunde im Klassenraum. Viele Sportlehrerinnen waren aufgrund dieser zusätzlichen Belastung froh, als das 4. Abiturfach Sport abgeschafft wurde und der Spagat zwischen Prüfungsanforderungen und Realisierbarkeit der sporttheoretischen Lernziele ein Ende nahm. Leider blieb auch das hohe sportmotorische Niveau ein wenig auf der Strecke, denn ohne die Aussicht auf abschließende praktische Prüfungen ließ die Motivation der Schülerinnen für das Einüben und Automatisieren von Spielzügen und spieltaktischen Übungssituationen zunehmend nach. Letzteres betrifft weniger den Bereich Gymnastik/Tanz, in dem viele unterrichtliche Gruppenarbeiten der Oberstufe für Aufführungen perfektioniert und auf immer wieder erstaunlich hohem Niveau zur Aufführung gebracht werden. Ein Kompromissvorschlag für die Zukunft könnte aus unserer Sicht das bereits vor den 80er Jahren durchgeführte praktische Sportabitur für alle Schülerinnen sein - zurück in die Zukunft!
Seit 1986 fand jedes Jahr ein Sportfest der Erzbischöflichen Schulen statt, anfangs mit zehn Schulen. Zunächst fand dieses jedes Jahr an einem anderen Austragungsort statt, später im Wechsel an der Deutschen Sporthochschule Köln in den Ballsportarten und im Düsseldorfer Rheinstadion in den Sportarten Schwimmen und Leichtathletik. In Düsseldorf waren wir zusammen mit dem Suitbertus-Gymnasium und dem St.-Ursula-Gymnasium Ausrichter der Veranstaltung und erstellten in Zusammenarbeit mit unseren Kolleginnen und Kollegen aus den Fachbereichen Kunst, Musik und Ernährungslehre auch jeweils ein festliches Rahmenprogramm. Die Mannschaften unserer Schule nahmen immer mit großem Erfolg daran teil. Als einzige Schule konnten wir Mannschaften in allen für Mädchen angebotenen Disziplinen stellen. In den Jahren 2000, 2002 und 2003 wurden wir als beste Erzbischöfliche Schule von inzwischen mehr als 20 teilnehmenden Schulen geehrt. Das Sportfest muss leider seit 2005 aus finanziellen und personellen Gründen entfallen.
Ende der 90er Jahre begann dann das bisher erfolgreichste Kapitel in der Turnierbilanz Marienberger Schulsportmannschaften, eine Siegesserie des Hockey-Teams löste regelrecht einen Boom aus. Im Jahr 2004 gelangte die Hockeymannschaft zu höchsten nationalen Ehren. Nach Erfolgen auf den regionalen Ebenen ging sie auch aus dem in Berlin ausgetragenen Finalspiel im Rahmen der Wettbewerbe „JUGEND TRAINIERT FÜR OLYMPIA“ als Sieger hervor – der Jubel kannte keine Grenzen. Das Team bestätigte diesen Erfolg im darauf folgenden Jahr durch einen ehrenwerten zweiten Platz an gleicher Stelle.
Seit 2000 wird an unserer Schule auch die (frühere) Männerdomäne Fußball erobert. Am Anfang stand ein Fußballwerbeturnier in den 5. und 6. Klassen, das auf positive Resonanz stieß. Freilich ging die Begeisterung für den Frauenfußball auch von den überragenden Erfolgen der Nationalmannschaft aus. Heute ist die Sportart fester Bestandteil des Lehrplans, auch eine Arbeitsgemeinschaft wurde ins Leben gerufen.
Ebenfalls wird das aus dem Freizeitsport stammende Joggen, das sich im Gesundheitsstreben unserer Zeit zur Trendsportart entwickelt hat, intensiv an der Schule Marienberg betrieben. Seit der Einführung der Neusser-Schüler-Crossmeisterschaften im Jahre 2003 nehmen Schülerinnen regelmäßig und überaus erfolgreich an vielen Laufwettbewerben (wie beispielsweise dem Neusser Sommernachtslauf oder dem Schul-Marathon in Köln) teil.
 
Sport an Marienberg: Rückblick – Ausblick - Weitblick
Nachdem wir die Marienberger Schulsportgeschichte intensiv haben Revue passieren lassen, halten wir es im Sinne eines Fazits für bemerkenswert, wie sehr der Sport sich hier immer wieder räumlichen oder materiellen Gegebenheiten anpassen musste (später durfte), wie intensiv er jeweils aktuellen Bewegungs- und Gesundheitsströmungen der Gesellschaft, politischen oder pädagogischen Moden ausgesetzt ist. Trotz der im Vergleich zu früheren Zeiten deutlich verbesserten Hallensituation gilt es auch heutzutage an Marienberg, Engpässe der räumlichen Planung zu meistern, die aus der großen Zahl der parallel zu unterrichtenden Lerngruppen aus Gymnasium und Höherer Handelsschule resultieren. Im Vergleich mit den früheren Zeiten bleibt allerdings bei diesen teils zu improvisierenden Lösungen jederzeit das Ideal eines breit gefächerten Sportartenangebots im Schulunterricht unangetastet.
Dass im Sportunterricht nicht nur fachspezifische, sondern auch pädagogische Inhalte im Vordergrund stehen, hat bisher kaum Erwähnung gefunden, da es für uns selbstverständlich ist. Jede Schülerin soll unabhängig von ihren sportlichen Fähigkeiten vor allem auch in der Entwicklung als Person gefördert werden. Dazu bietet der Sportunterricht einzigartige Gelegenheiten und Situationen, in denen eigene Stärken und Grenzen erfahrbar werden, also das Selbstwertgefühl entwickelt werden kann. Ebenso können hier aber auch das Miteinander sowie Fairness im Wettkampf gegeneinander auf spielerische Weise eingeübt, verbessert und vertieft werden. Gerade in einer Zeit, in der auch die sozialen und affektiven Kompetenzen und Beiträge der Schülerinnen zu ihren Klassengemeinschaften beobachtet, evaluiert und in Zeugnissen dokumentiert werden sollen, kommt dem Sportunterricht also eine herausragende Stellung zu. Darüber hinaus hat er ebenfalls die sicher nicht zu unterschätzende Rolle inne, den Schülerinnen durch Bewegung und körperliche Beanspruchung im Schulalltag einen Ausgleich für die sonstigen vor allem kognitiv zu erbringenden Leistungen in den meisten anderen Fächern zu ermöglichen – ein Ausgleich, von dem diese Fächer nur profitieren können.
Umso mehr muss in diesem Zusammenhang auch ein kritisches Wort angebracht werden. Leider musste die Fachgruppe Sport nämlich in jedem der letzten Jahre feststellen, dass die für die Sekundarstufe I vorgeschriebene Zahl an Unterrichtsstunden im Fach Sport tatsächlich nicht erteilt werden konnte. Die Gründe dafür, welche den enttäuschten SportlehrerInnen auf ihre regelmäßigen Nachfragen genannt wurden, sind vielfältig, häufig wurde Personalmangel angeführt.
Dankbar sind wir allerdings für die enorme materielle Ausstattung der Schule, die sehr guten Möglichkeiten, Wettkämpfe durchzuführen und an Wettkämpfen teilzunehmen - und vor allem für die beglückenden Lernerfolge, die unsere Schülerinnen im Unterricht und darüber hinaus erzielen sowie für das Engagement und die Freude, die sie täglich im Sportunterricht zeigen. Ob Frau Kramp heutzutage wohl mit einer anderen Einstellung zum Sport die Schullaufbahn beendet hätte? Da muss sie nicht lange überlegen: „Bei der Vielfalt und unter den Umständen hätte ich heute bestimmt mehr Spaß am Unterricht als früher!“
                              
  (Rita Jungblut, Nadja Ockenfels, Arno Zimmermann)
 



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