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Veranstaltungen Aufführung : The Messiah von Georg Friedrich Händel mit dem Chor und Orchester des Gymnasiums Marienberg KINDerLEBEN ... In (Herzens-)Bildung und Erziehung investieren!
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Abiturrede 2011
des Schulleiters
Josef Burdich, OStD i.K.
Liebe Festgäste,
die vielen Umbauten, Brandschutzmaßnahmen, Reparaturen, Verschönerungsarbeiten in unserer
Schule, eingeschlossen die Fertigstellung des neuen Forums, haben uns in den letzten Jahren viel
Kraft gekostet. Vielerlei Planungen, Beratungen und handfeste Tätigkeiten waren erforderlich und
haben mitunter das Schulleben durchaus belastet. Wir dürfen nun froh und dankbar sein, dass sich
überall Fortschritte abzeichnen und beträchtliche Erfolge feststellbar sind.
Ihr Jahrgang, liebe Abiturientinnen, ist der erste, der hier im Forum Marienberg die
Zeugnisausgabe festlich begeht. Auf dem langen Weg dahin gab es sicher auch für Sie die eine oder
andere Erfahrung einer „Baustelle“, auf der noch manches zu tun war. Nun haben Sie Ihr
Abitur „gebaut“ und ich gratuliere Ihnen allen im Namen des ganzen Kollegiums von
Herzen zu diesem wichtigen Abschnitt. Ebenso beglückwünsche ich Sie, liebe Eltern, die Sie Ihre
Töchter liebevoll bis zu diesem bedeutenden Tag begleitet haben.
Bauen und Planen für die Zukunft, das sind wichtige Aspekte, die durchaus ihren Platz in einem
pädagogischen Kontext haben. So, wie Bauten immer auch Vorstellungen und Ideen der jeweiligen
Gegenwart spiegeln und doch einen Ausgriff auf die Zukunft wagen, verändern sich auch Schulgebäude
in ihrem Aussehen; es ist immer aufschlussreich, mit ehemaligen Schülerinnen unserer Schule zu
sprechen, wenn sie zu „runden“ Jahrestagen ihres Abiturs hier zu Gast sind und die seit
ihrem Abschied eingetretenen Veränderungen kommentieren.
Über Jahrzehnte galt die Grundstücksfassung, gebildet aus ehemaligem Stadtmauerverlauf entlang
der Batteriestraße und den historisch nachweisbaren Straßenverläufen von Glockhammer und
Rheinstraße bis zum nicht mehr vorhandenen Rheintor als geschlossenes Schulareal, dessen
Ausbaupotential ausgeschöpft schien. Wie ein Wunder dünkte es uns allen, als der Stiftung der
Vorschlag unterbreitet wurde, mit dem Umbau eines Teils der ehemaligen Cretschmar-Hallen den
Brückenschlag in das nicht mehr genutzte Hafenareal zu wagen. Innerhalb kürzester Zeit – die
reine Bauzeit umfasste tatsächlich weniger als 12 Monate! – wurde der Umbau des Forums
realisiert.
Nehmen wir dies zum Anlass, einige Gedanken zum Thema „Planen und Bauen“ zu
entfalten.
Diejenigen unter Ihnen, die in der Qualifikationsphase Latein bis zum Abitur gewählt haben,
werden sich sicher an Vergils I. Buch der Äneis erinnern, in dem der Leser erfährt, wie der
flüchtige Held mit seinen Gefährten an der libyschen Küste landet und überwältigt ist angesichts
der intensiven Bautätigkeit der ihnen damals noch unbekannten Karthager; diese bauen, angeleitet
von ihrer charismatischen Königin Dido, an ihrer neuen Stadt, die mit dem Aufführen der Mauern
wehrhaft sein soll in einer feindlich gesinnten Umgebung, die aber mit dem Bau eines Hafens
gleichfalls Zukunftsperspektiven aufwirft, wenn Handel und kultureller Austausch mit Übersee von
vorneherein eingeplant sind. Den Äneaden präsentiert sich in diesem ambitionierten Projekt einer
halbfertigen Stadtgründung eine Aufbruchsstimmung, ein Optimismus, der ansteckend wirkt und sie
fatalerweise glauben lässt, dass das Schicksal sie deshalb an diesen Ort geführt habe, damit sie
sich diesem Bauprojekt anschließen und beigesellen. Wir wissen natürlich, spätestens seitdem wir
Purcells Barockoper „Dido and Aeneas“, dargeboten von Schülerinnen unserer Schule
Anfang April dieses Jahres, beigewohnt haben, dass Äneas und seine Gefährten einem Irrtum
unterlagen und abreisen mussten; Äneas hat eben einen anderen Auftrag, den wiederum Bauwerke
symbolisieren: er soll die hochragenden Mauern Roms errichten, ein Vorhaben, das darauf zielt, ein
neues Troja erstehen zu lassen. Sei es in Karthago, wo Dido ihr ehrgeiziges Bauprojekt verfolgt,
sei es in Latium, wo die spätere Weltmacht Rom durch die Errichtung der Mauern ihren Anspruch
sichtbar macht – erkennbar ist die optimistische Sichtweise des Bauens als eines
beflügelnden, begeisternden Vorgangs, der Anspruch und Konzept des Bauherrn zum Ausdruck bringt.
Daraus ergibt sich auch: nur der Baumeister und Architekt, der von seinem Konzept überzeugt ist,
wird auch Erfolg haben. Als negatives Beispiel mag uns der unglückliche und wenig erfolgreiche
Architekt Numerobis aus dem Comic „Asterix und Kleopatra“ dienen, der wenig Vertrauen
in seine eigenen Fähigkeiten hegt und deshalb die besonderen Kräfte seiner gallischen Freunde
zuhilfe nehmen will.
Ich darf Sie an dieser Stelle mit einem interessanten Zeugnis der Antike bekannt machen, in
dem – sehr ungewöhnlich in der Literaturüberlieferung – die Entwicklung eines jungen
Menschen, zunächst in der Obhut der Eltern, dann aber bis in die Adoleszenz hinein nachgezeichnet
und dabei mit dem Bau eines Hauses und dessen anschließendem Schicksal verglichen wird. Zu finden
ist diese Stelle in einer Komödie des altlateinischen Komödiendichters Plautus, der in der Wende
vom 3. zum 2. Jahrhundert vor Christus griechische Komödien, vor allem aus Athen, adaptierte und in
lateinischer Sprache damit sein römisches Publikum amüsierte, das damals kulturell erheblichen
Aufholbedarf hatte. In seiner Mostellaria, übersetzt heißt das „Gespensterkomödie“,
ergeht sich zum Anfang der männliche Protagonist namens Philolaches in einem Monolog über seine
Situation: Er ist ein junger Lebemann und hat in Abwesenheit seines Vaters, der auf Fernreisen
große Handelsgeschäfte macht, das Familienvermögen verschleudert. Ein rauschendes Fest jagt das
andere, ja es müssen Schulden bei zwielichtigen Geldverleihern gemacht werden, um den aufwändigen
Lebensstil mit Freudinnen und Kumpanen überhaupt noch finanzieren zu können. In der besagten Szene
sehen wir Philolaches überraschenderweise sehr selbstkritisch, denn er behauptet, schon lange über
seine Situation nachgedacht zu haben. So entdeckt er für sich, dass der Mensch, wenn er ins Leben
eintrete, einem Neubau gleiche. Dieses Exemplum lässt der Dichter seinen jugendlichen Helden in
etwa 75 Versen ausführlich entfalten: Wenn ein Haus in der Ausführung und auch nach ästhetischen
Gesichtspunkten gut gelungen sei, diene es als Vorbild und jeder wolle es kopieren. Jedoch komme es
nach der Fertigstellung des Neubaus auf denjenigen an, der das Haus bezieht. Ist es ein
Taugenichts, so ist bald der Wurm drin. Bei einem Sturm gehen schon einmal Dachziegeln zu Bruch.
Wenn der Herr sich nicht drum kümmert, wird es beim nächsten Unwetter hineinregnen; irgendwann
faulen die Balken und dann ist es auch nicht mehr weit, bis das Dach oder sogar die Mauern
einstürzen. Irgendwann stellt sich die Frage, ob man alles abreißen und von Neuem beginnen soll.
Dieses Schicksal eines zunächst vorbildlichen Hauses bis zum unrühmlichen Niedergang überträgt nun
Philolaches bzw. der Autor Plautus in einem kühnen Unterfangen Vers für Vers auf die Entwicklung
eines Menschen: Die Eltern werden nun als die Baumeister des Kindes apostrophiert, die das
Fundament legen, indem sie ihrer Fürsorgepflicht ebenso nachkommen wie sie durch Erziehung und
Ausbildungsangebote das Kind auf die Zukunft vorbereiten; dabei wird auch der materielle Aufwand
nicht unerwähnt gelassen. Philolaches gesteht für sich ein, dass bis dahin auch in seinem Leben
alles in guter Ordnung gewesen sei, eben, solange er unter der Fuchtel der Baumeister, also des
Elternhauses stand. Aber mit der Selbstständigkeit, dem Erwachsensein habe sich bei ihm unmerklich
ein Wandel vollzogen, den er an einer gewissen Trägheit festmacht; diese sei für ihn der Sturm und
das Unwetter gewesen, die andere Einflüsse wie Regen und Graupelschauer in sein Haus eindringen
ließen. Moralische Prinzipien und gute Eigenschaften sind bald dahin. Dann sei noch eine
Liebesaffäre dazugekommen, die das inzwischen morsche Haus durchdrungen habe; in deren Gefolge habe
er Schulden gemacht. Fazit:
Nun fliehen Hab und Gut, mein Ruf und Ehrenwort,
die Tugend, Ansehn, gleich auf einmal fort. (Plaut. Most. 144f.)
Philolaches steht vor einem Scherbenhaufen. Einstmals ein Vorzeigejüngling mit
gesellschaftlichen Ambitionen und sportlichen Erfolgen, sieht er seinen Absturz:
Beim Zeus, mir faulen schon die Balken
an,
es gibt, scheint’s, nichts, wie ich
dies Haus noch retten kann.
(Plaut. Most. 146f.)
Nun, es handelt sich um eine Komödie, und spätestens beim Anblick der schönen Geliebten, die
Philolaches bereits in der Folgeszene beim Baden ertappt, sind all die reumütigen Überlegungen
dahin und vergessen; der gewagte Vergleich von Hauserrichtung und Erziehung entpuppt sich für einen
nachdenklichen Zuschauer als freche Persiflage auf altehrwürdige römische Erziehungsvorstellungen,
wie sie z.B. der berühmtberüchtigte alte Cato propagierte.
In der Bildlichkeit, die Plautus hier seinen Protagonisten entfalten lässt, vollzieht sich
eine Verschiebung vom Bauvorgang zum Erhalt der Bausubstanz. Der junge Mann gesteht, dass er es an
der sorgfältigen Pflege der Substanz habe fehlen lassen. Die Erstellung des Hauses betrachtet er
als Leistung seiner Eltern, die in vorbildlicher Weise alles für die Solidität eines ansehnlichen
Baus getan haben. Wer junge Menschen begleitet – Eltern, Lehrer, viele andere an der
Erziehung Beteiligte -, wird sich eingestehen, dass in diesen Prozess immer eigene
Wertvorstellungen und Konzepte eingehen, die ähnlich projektiven Charakter haben wie die Errichtung
eines Gebäudes. Maßnahmen der Umgestaltung seitens der Bewohner werden da nicht immer freudig
begrüßt, oft erklingt die Warnung vor verbauten Chancen.
Warum ist uns das Bauen so wichtig? Kulturhistorisch gesehen ist das Bauen eine der
entscheidendsten Meilensteine in der Menschheitsgeschichte, betrifft es doch die Sesshaftwerdung
und dann das Vorausschauen und Antizipieren von unterschiedlichsten Unwägbarkeiten und möglichen
Gefahren bzw. deren Vermeidung. Hier zeigt der Mensch seine kreativsten Fähigkeiten, unter anderem
auch wenn er seine ästhetischen Vorstellungen verwirklicht.
Alles Planen und Bauen ist jedoch umsonst, wenn bereits am Anfang grundsätzliche Fehler
gemacht werden. Mit dem Wort „grundlegen“ wird bereits ein in der Alltagssprache
geläufiger Bezug zum Vorgang der Fundamentierung erkennbar, der entscheidend für die Stabilität des
Baus ist. Töricht erscheint es uns, sein Haus auf Sand und nicht auf festem Grund zu bauen. Jedoch
dieses biblische Zeugnis, das wir in einer Rede Jesu an seine Jünger bei Matthäus finden, hebt
natürlich auf den Grund ab, der unserem Leben Halt geben soll:
Wer diese meine Worte hört und sie befolgt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Felsen
baute. Als nun der Regen niederstürzte, die Bäche anschwollen und die Winde heranbrausten und gegen
das Haus prallten, brach es nicht zusammen; denn es war auf Felsen gebaut. Wer aber meine Worte
hört und nicht befolgt, gleicht einem törichten Mann, der sein Wort auf Sand baute. Als nun der
Regen niederstürzte, die Bäche anschwollen und die Winde heranbrausten und gegen das Haus prallten,
da stürzte es ein und der Schaden war groß. (Mt 7,24-27)
Gegenüber der Plautusstelle wird uns mit Jesu Verweis auf seine Worte, seine Lehre klar ein
ganz bestimmtes Fundament empfohlen. Die Naturgewalten, denen der Mensch in der Antike meist
hilflos gegenüberstand und über die wir heute nur in scheinbarer oder trügerischer Weise Herr zu
sein glauben, diese Naturgewalten werden von Jesus auch als äußere Einflüsse, die Schaden anrichten
können, gesehen. Die Bewährung kommt erst mit der Auseinandersetzung mit diesen. Dann ist es
wichtig, unterscheiden gelernt zu haben, bei Matthäus ausgedrückt in der Gegenüberstellung von
Klugheit und Torheit.
Zum Vorstellungsbereich des Bauens gehört auch ein Bild, das der Apostel Paulus im
Epheserbrief entfaltet, um das Leben in der Nachfolge Christi in einen größeren Zusammenhang
einzuordnen und seine Perspektive zu bestimmen. Dort heißt es:
So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes
Hausgenossen, erbaut auf dem Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist,
auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. (Eph 2,
19-21)
Das Bild, das Paulus verwendet, weist jedem Menschen einen ehrenvollen Platz in einem
harmonisch gefügten Ganzen zu. Die froh machende Botschaft von der Erlösung ist die Basis für ein
gelingendes Zusammenleben, sie ermutigt uns, unsere Tragfähigkeit anderen zur Verfügung zu stellen
und uns am Wachsen eines Baus zu beteiligen, dessen Ausrichtung Christus selbst bestimmt.
Ich wünsche Ihnen, dass diese Gewissheit auch Ihr weiteres Leben bestimmt. Mögen Sie sich
dieses Fundaments bewusst bleiben bei allen Stürmen, denen Sie noch trotzen müssen. Generationen
von Schülerinnen vor Ihnen legen davon ebenso Zeugnis ab wie Ihre Eltern und Lehrer.
So wünsche ich Ihnen Gottes Segen und alles Gute bei all Ihren
„Bauvorhaben“!
Benutzte Literatur:
P. Vergili Maronis opera, rec. R.A.B. Mynors, Oxford repr. 1976
F. Klingner, Virgil, Zürich-Stuttgart 1966
T. Macci Plauti comoediae, rec. W.M. Lindsay, tom. II, Oxford repr. 1974
Plautus, Mostellaria – Gespensterkomödie, übers. u. eingel. von W. Hofmann, München
1979
E.W. Leach, De exemplo meo ipse aedificato: an organizing Idea in the Mostellaria, in: Hermes
97, 1969, S.318-332
H. Marrou, Geschichte der Erziehung im klassischen Altertum, hg. Von R. Harder, 1957
H. Krefeld, Res Romanae. Neue Ausgabe, Berlin 1996
W. Jaeger, Paideia, Die Formung des griechischen Menschen, 3 Bde., Berlin 3. Aufl. 1959
Goscinny/Uderzo, Asterix et Cleopatra, in Lat. conv. Rubricastellanus, Stuttgart 1980 |
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