5 Jahre Poitiers – das Jubiläum eines Austausches:
Bereits 2008 jährte er sich zum 5. Mal, unser Austausch mit zwei Schulen in Poitiers/Südwestfrankreich.
Was zunächst mit einer kleinen Gruppe von 16 Schülerinnen angefangen hatte, die alle in französischen Familien wohnten und zum lycée les Feuillants in den Unterricht gingen, hat sich über die Jahre bis 2008 zu einer großen Fahrt mit vielen Teilnehmerinnen (Jgst. 8-12) entwickelt, die jeweils von Schülern des collège la Providence bzw. des lycée les Feuillants sehr herzlich in ihre Familien aufgenommen wurden.
Am 14.10. ging es um 6 Uhr von Neuss aus los. Zum Glück kannten einige Schülerinnen bereits ihre Austauschpartner, da sie entweder „Wiederholungstäterinnen“ waren (das war eher aber die Ausnahme) oder im März 2008 ihren Partner in Neuss aufgenommen hatten. Die übrigen Schülerinnen waren entsprechend aufgeregt, je mehr sich der Bus dem Zielort näherte.
Da wir sehr gut durchkamen, erreichten wir den place du marché Notre Dame fast eine Stunde zu früh und mussten eine Weile warten, bis alle correspondants und correspondantes sich gefunden und abgeholt wurden. Jetzt mussten sich alle Deutschen bis zum nächsten Schulmorgen trennen, um sich allein in das Abenteuer Gastfamilie zu stürzen. Nun, alle haben überlebt, wie die begleitenden Lehrkräfte Frau Deußen und Frau Kramp (die übrigens dankenswerterweise sehr kurzfristig für eine erkrankte Kollegin eingesprungen war) am kommenden Morgen ohne große Überraschung feststellten. Zwar erzählten einige von für sie seltsamem Essen, aber sonst hatten alle gut geschlafen, nachdem die vorherige Nacht doch sehr kurz war.
Nach einem petit déjeuner im lycée und einem pot d’accueil im collège mit näheren Informationen zum Ablauf in der französischen Schule gingen alle in ihre Klassen, begleitet von den jeweiligen Klassensprechern.
Hier wurden sie begeistert aufgenommen und die Deutschen waren in dieser Woche auch Gegenstand allgemeinen Interesses auf dem Schulhof.
Zu den neuen Erfahrungen gehörte auch das Essen in der cantine, was gar nicht so schlecht wie befürchtet, sondern sogar immer richtig lecker war.
Nachdem der erste Schultag um 17 Uhr vorbei war, fühlten sich alle schon fast zu Hause.
Am Mittwoch, an dem nachmittags in Frankreich allgemein schulfrei ist, begleiteten die Schülerinnen ihre „corres“ zu deren Aktivitäten und man stellte fest, wie wenig Zeit junge Franzosen wegen der langen Schultag für ihre Hobbys haben.
Donnerstag Nachmittag waren die Deutschen dann vom Unterricht befreit, um die Stadt mit einer Rallye zu erkunden. Die Älteren allerdings bekamen eine ganz private Stadtführung mit Odile Perrec, einer Geschichtslehrerin des collège, die nicht nur viele alte Steine zeigte, sondern auch Geschäfte, in denen man stöbern konnte.
Während also die Jüngeren mit Stadtplan und Aufgabenzettel durch Poitiers wanderten, hörten die Älteren aufmerksam (Ausnahmen gibt es bekanntlich immer!) den Ausführungen der französischen Lehrerin zum Justizpalast, zu Notre Dame (Weltkulturerbe der unesco), der cathédrale St. Pierre mit ihren berühmten Fenstern und dem ältesten Chorgestühl Frankreichs und dem baptistère St. Jean (älteste christliche Taufkapelle) zu. Obwohl diese Führung auf Französisch war, konnten alle folgen, dies verdanken wir v. a. der engagierten französischen Kollegin, die neben gestenreicher Sprache und Betonung auch einige erläuternde Kopien zeigte.
Den Freitagabend und das Wochenende verbrachten die Schülerinnen in ihrer Gastfamilie. Viele hatten die Gelegenheit, das Futuroscope zu besuchen, einen Wissenschafts- und Technikpark mit zahlreichen Attraktionen, der Poitiers neben seinen Denkmälern berühmt gemacht hat.
Am Montag gab es den einzigen gemeinsamen Ausflug der Gruppe. Von der Konzeption ist der Austausch, da er in der Schulzeit stattfindet, in erster Linie zum Spracherwerb und zum Erleben der französischen culture et civilisation gedacht. Aus diesem Grund gibt es kein rein touristisches Programm, sondern v. a. Schulbesuch und Kontakt mit Franzosen oft auch als einzige Deutsche, z. B. in der Gastfamilie.
Mit dem modernen TGV ging es ins ca. 150 km entfernte La Rochelle an der Atlantikküste, wo wir mit wunderschönem warmen Wetter begrüßt wurden. So kam bei allen ein echtes Gefühl von Ferien am Meer auf, wenn auch nur ein wunderschöner Hafen mit doch teils beeindruckenden Segelboten zu sehen war.
Trotzdem wurde auch hier wieder etwas gefordert: Mittels einer Liste sollten die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abgegangen werden. Als Beweis musste jeweils ein besonders lustiges Foto vom Baudenkmal und der Gruppe geschossen und schon wieder (puh!!!) ein paar Fragen zu La Rochelle beantwortet werden. Letztere Aufgabe bewirkte, dass einige Schülerinnen mutig Passanten ansprachen, die zum Glück die nötigen Antworten wussten. Eine Gruppe von freundlichen Bauarbeitern erlag völlig dem Charme unserer Schülerinnen und fuhr sie mittels einer Hebebühne in die Höhe, damit sie aus einer ungewöhnlichen Perspektive mit Absperrhütchen auf dem Kopf ein originelles Foto machen konnten.
Wer Interesse hatte, konnte dann nachmittags auch noch ins Aquarium gehen, einem der größten in Europa mit vielen schönen, manchmal lustigen und auch etlichen zugegeben sehr hässlichen bis gruseligen Fischen.
Die restlichen Tage war wieder Unterricht angesagt. Offenbar hat das einigen so gefallen, dass sie am letzten Tag statt einzukaufen, lieber in der Schule in „ihrer“ Klasse blieben. So schön kann Schule sein!!!
Am Donnerstag morgen fanden einige herzzerreißende Abschiedsszenen vor dem Bus statt, viele der kleinen Geschwister der „corres“ waren sehr traurig ihre neuen Schwestern zu verlieren.
Besonders beeindruckt hat uns die Anwesenheit der französischen Kolleginnen und sogar des Direktors des collège, der eigens so früh den Weg zum Bus gefunden hatte, um sich persönlich zu verabschieden.
Alles in allem war dieser Austausch eine wirklich gelungene Sache. Das lag nicht zuletzt auch am vorbildlichen Verhalten unserer Schülerinnen in Schule wie Gastfamilie. Viele Deutsche haben unwiederbringliche Erfahrungen gemacht, viele sind sicher auch in diesen 10 Tagen selbstbewusster geworden, sahen sie doch, dass sie sich sehr wohl verständigen und auch viel verstehen konnten. Und natürlich auch, dass man sie mochte, sowohl in der Schule wie auch in der Gastfamilie.
Als begleitende Lehrkräfte können wir nur betonen, dass ein Austausch unseren Schülerinnen Kenntnisse und Einsichten in Sprache und Lebensart vermittelt, die weit über den Unterricht hinausgehen und die wir so nie vermitteln können. Daher ist es der Wunsch der Fachgruppe Französisch, dass unsere Austauschprogramme weiter bestehen bleiben, damit auch in den kommenden Jahren viele Schülerinnen erfahren, wie schön Frankreich und wie gastfreundlich und nett seine Bewohner sind. Einige Originaltöne der Schülerinnen, Kommentare und Fotos werden bald auf Stellwänden in der Schule zu sehen sein.
Vive l’amitié franco-allemande et les échanges!
U. Deußen, U. Kramp
Schüleraustausch nach Poitiers, 2008
Verfasst von Sophie Meiser, Stufe 12
Allez! Auch in diesem Jahr ist es wieder soweit: 46 Mädchen machen sich auf den Weg nach Poitiers, in den mittleren Westen Frankreichs, um dort eine Woche hautnah Land und Leute erleben zu können und Erfahrungen mit der französischen Sprache zu machen, die wir so mühsam zu Hause in Deutschland erlernt, oder es zumindest versucht haben.
Man könnte diese zehn Tage als eine Art „Hardcore-Sprachkurs“ bezeichnen, der anstrengend, manchmal unbarmherzig, aber am Ende so lohnenswert war, dass viele der Mädchen im Bus auf der Rückfahrt schon wissen, dass sie nächstes Jahr wieder mit von der Partie sein werden. Denn nirgendwo lernt man eine Sprache, in allen ihren Facetten, so effizient wie in dem Land, in dem sie gesprochen wird. Nur wenn man in Kontakt mit der anderen Kultur und deren Menschen tritt, weiß man, wofür sich das bis dahin für sinnlos erachtete Vokabelpauken gelohnt hat. Erst dann entfaltet sich der wahre Vorzug des Beherrschens einer anderen Sprache.
10 Kilometer vor Poitiers. Der Bus ist voller junger Mädchen, die immer noch gewillt sind, sich zehn Tage im Ausland durch- zuschlagen und ihr Können unter Beweis zu stellen. Der Countdown läuft! Es bleibt noch eine Viertelstunde, bis der Bus sein Ziel erreicht hat und die Mädchen von ihren Gastfamilien aufgenommen werden. Panik kommt auf: Wie ist mein/e Correspondant/e? Ist er oder sie nett? Kann ich mich verständigen? Was tue ich, wenn es heute Abend Froschschenkel essen muss? Wo werde ich wohnen? All das sind Fragen, die sich die Mädchen in den Minuten vor dem Countdown stellen und was, wie bei Mädels üblich, in einem großen Stimmengewirr ausartet. Und am Ende weiß keiner mehr so recht, ob er sich freuen oder vor lauter Aufregung doch die Flucht ergreifen soll. Aber dieser Nervenkitzel ist es gerade, der die Sache nicht langweilig macht und der einen in jeden Jahr wieder herausfordert ... Und natürlich, auch wie immer bei uns Mädels, ist am Ende alles halb so schlimm und alle Bedenken sind beiseite gelegt.
Dennoch, alles ist nicht so wie zu Hause. So fällt man am ersten Abend, sofern man einem französischen Bett zurecht kommt, denn dies ist eine akrobatische Glanzleistung, müde ins Bett. Vollkommen berauscht von der Schnelligkeit, in der die Franzosen ihre Sprache sprechen, und von einem Abendessen, das ein wahres Überraschungsmenü war, weil einem nicht bewusst ist, in welchem Ausmaß die Franzosen dies zelebrieren.
Doch es gibt keine Zeit zum Ausruhen. Schon am nächsten Morgen warten wieder Neuheiten auf die Mädchen: der erste Besuch in der Schule, dem Lycée. Ein Gebäude, das so alt und so groß ist, dass man im ersten Augenblick denkt, man wäre in einem Harry-Potter-Film gelandet. Nach dem Betreten wird einem klar: Alles ist anders! Und im Nachhinein weiß man ganz sicher, diese Annahme war falsch. Alles ist nur französisch! Kein Licht im Flur. Ein Frotteehandtuch für 200 Schüler, aber feinste Zitronenseife aus der Provence, Heizung: Was ist das? Eine Klingel, die das Ende des Unterricht anzeigt? Warum? Im Englischunterricht Englisch reden, überflüssig. Französisch tut es doch auch. Aber überall: Bisous und uns freudig aufnehmende Franzosen, die sich brav unser französisches Stottern anhören und geduldig ertragen, wie wir ihre Sprache malträtieren. Mais à mon avis: C´est une expérience extraordinaire! Nous allons revenir!
Originaltöne (gekürzt) der teilnehmenden Schülerinnen aus den Jahrgangsstufen 8-12:
Am Anfang war ich erst mal überrascht vor der Freundlichkeit der Gastfamilie und besonders von ihrem Engagement. Das Wochenende war superlustig, teils aber auch langweilig, aber alles in allem eine unvergessliche Zeit.
Ich liebe Frankreich! Es war wunderschön! Meine Gastfamilie war superfreundlich und sehr um mich bemüht. Obwohl ich am Anfang das Gefühl hatte, dass mein corres mich nicht so gemocht hat, haben wir uns am Ende super verstanden. Ich möchte nächstes Jahr unbedingt wiederkommen – in dieselbe Familie!!!
Die Zeit war wunderschön. Wie ich schon wusste, waren die Franzosen sehr gastfreundlich, offen und bemüht. Meinen Gastbruder hätte ich am liebsten in meinen Koffer gepackt.
Erst mal war die Zeit viel zu kurz!!! Zwei bis drei Wochen wären besser. Meine corres war die allerbester. Durch sie habe ich 1000 neue Leute kennengelernt!. Meine Familie war supernett, alle haben sich um mich gekümmert. Ich will nächstes Jahr wieder hin!
Superschön, die Familie und die Klasse waren sehr nett und sehr um unser Wohlbefinden bemüht. Die Sprache war auch kein Problem, mit jedem Tag ging es besser. Allerdings sind 10 Tage, eigentlich nur 8, da die Fahrtage nicht zählen, viel zu kurz. Besser wären zwei oder drei Wochen.
Die Leute waren stets zuvorkommend und hilfsbereit. Die Gastschüler sehr engagiert, bemüht und liebevoll, fast ein Familienersatz. Die Konversation stellte aufgrund zahlreicher Hilfsmittel (Wörterbuch, Überlebenswortschatz, Hände, Füße und Englisch) kein echtes Problem dar.
Ich finde auch, dass die Schüler des collège uns sehr gut aufgenommen haben. Man hatte mit der Klasse sehr viel Spaß.
Spaß, Freundschaft, Verständnis, verschiedene Sprachen, andere Kultur, soooo viel Essen, Franzosen... auch im zweiten Jahr ist es nicht langweilig geworden. Was man vielleicht überdenken könnte, ist zu sagen, man bleibt für 14 Tage, weil man sich an die Sprache erst nach einiger Zeit gewöhnt.
Kleine süße Austauschschüler, die sich sehr um uns „Große“ bemüht haben.
Die Familie war supernett, besonders die Kinder und die corres. Die Ausflüge mit der Familie waren sehr schön. Danke!
Klasse im collège war sehr nett, es war lustig Französisch zu sprechen.
Gesamteindruck: positiv!
Wobei für mich das Essen ein richtiges Problem war. Ich wusste, dass es anders werden würde, aber nicht so...
Sich mit Franzosen zu unterhalten hilft aber mehr als (sinnloses) Pauken.
Meine Familie war sehr nett und besonders der Vater sehr lustig. Alle waren sehr nett und verhungern musste man auch nicht. Mir hat es sehr gut gefallen. Ich würde nächstes Jahr gerne noch mal fahren...in dieselbe Familie!!!
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