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Sozialpraktikum der Jahrgangsstufe EF

Anders als ein Berufspraktikum, das in der Regel die konkrete individuelle Lauf­bahnplanung zum Ziel hat, bezwecken wir mit einem Sozialpraktikum, unsere Schülerinnen in Lebensbereichen Erfahrungen sammeln zu lassen, die ihnen bislang im Schulalltag verschlossen blieben. Eine Bejahung von Leistung, die zugleich in die Verantwortung für sich und andere eingebunden ist, die Erfahrung, dass effektive Arbeit eines Teams nur möglich ist in einer Gemeinschaft, die sich auf jeden einzelnen verlassen kann, sollen Ziele unseres Praktikums sein. Die Schülerinnen als künftige Entscheidungsträger sollen aus eigener Anschauung Erfahrungen im Zusammenleben mit Menschen mit Einschränkungen sammeln.

 

Integriert in den Arbeitsprozess einer 38-Stundenwoche lernen die Schülerinnen, Verantwortung in einem abgesteckten Bereich zu übernehmen, sich in eine bestehende Arbeitsgruppe einzufügen, möglicherweise Konflikte mit Mitarbeitern und Vorgesetzten zu bewältigen, erfahren Belastungsfähigkeit als wichtiges Kriterium zur Einschätzung des eigenen Leistungsvermögens.

 

Zeitlich ist das Sozialpraktikum auf einen Rahmen von drei Wochen begrenzt und wird jeweils vier Wochen vor Beginn der Sommerferien, also am Ende der Jahrgangsstufe EF durchgeführt, um die Qualifikationsphase unbeeinträchtigt zu lassen. Es schließen sich in der Regel vier Tage religiöser Besinnung an, bei denen thematisch an die im Sozialpraktikum gemachten Erfahrungen angeknüpft wird.

 

Das Praktikum wird in Institutionen durchgeführt, die sich in besonderem Maße mit der Betreuung und Pflege behinderter, kranker und alter Menschen beschäftigen, also:

  • Krankenhäusern
  • Altenheimen
  • Schulen für geistig und körperlich behinderte Kinder
  • integrative Kindertagesstätten
  • Werkstätten für Behinderte
  • Wohnheimen für Behinderte

Die Institutionen, die ihre Zustimmung zum Einsatz von Praktikantinnen geben, werden von einem Betreuerteam, das zur Zeit aus zwanzig Kollegen besteht, besucht, um so präzise Angaben über Einsatzmöglichkeiten und Anforderungsprofil bei den einzelnen Häusern zu erhalten. In dem meisten Fällen besteht die Zusammenarbeit bereits seit der Einführung vor 20 Jahren. Dabei legen wir Wert auf eine langfristige Zuordnung der Kollegen zu den einzelnen Institutionen, um eine vertrauensvolles Miteinander zu gewährleisten. Alle Informationen (Arbeitseinsatz, Dienstzeiten, Anreisemöglichkeit) über die jeweiligen Einrichtungen werden in einem Praktikumsheft zusammengefasst, das den Schülerinnen ihre Entscheidung für einen Praktikumsplatz erleichtert.

 
Die Schülerinnen werden während der Praktikumszeit vollständig in den Arbeitsprozess der Institution integriert, somit übernehmen sie auch die Arbeitszeit der sie betreuenden Mitarbeiter, Nachtarbeit ist nicht vorgesehen. Auf diese Weise gewinnen sie neben dem sozialen Engagement auch wertvolle Einblicke in den beruflichen Alltag.

 
Die Organisationsgruppe kümmert sich zusammen mit den Religionslehrern der Jahrgangsstufe EF auch um die thematische Vorbereitung der Schülerinnen, veranstaltet einen Informationstag, der Einrichtungsleitern und auch Praktikantinnen höherer Jahrgangsstufen die Gelegenheit gibt, verschiedene Institutionen vorzustellen. Gleichzeitig übernimmt die Gruppe die individuelle Betreuung der Schülerinnen während des Praktikums.

Die Schülerinnen fassen ihre Erlebnisse in kurzen Berichten zusammen, die dann nach Beendigung des Praktikums zur Aufarbeitung der Erfahrungen herangezogen werden können. Eine Evaluation der Praktikumszeit findet regelmäßig durch eine anonyme Befragung aller Schülerinnen statt.

 
Die nach Beendigung des Praktikums 2015 durchgeführte Befragung zeigte – ebenso wie die Jahre davor - eine beeindruckende Akzeptanz:

  1. 95 % empfehlen die besuchte Einrichtung guten Gewissens an die nächsten Praktikanten weiter.
     
  2. 81 % haben es als Bereicherung empfunden, schon nach kurzer Zeit verantwortungsvolle Aufgaben erledigen zu dürfen.

  3. 92 % fühlten sich durch die ständigen Mitarbeiter vor Ort freundlich aufgenommen und gut betreut.

  4. 85 % äußerten, gute Kontaktmöglichkeiten zu Patienten, Bewohnern bzw. Schülern gehabt zu haben und nicht nur zu Putzarbeiten herangezogen worden zu sein.

  5. 61 % bekräftigen, dass sich ihre persönliche Einstellung während der sehr positiv verändert hat.

  6. Nach einer abschließenden Note für das gesamte Sozialpraktikum befragt, erteilten die Schülerinnen (Skala 1 – 6) dem Praktikum einen Notendurchschnitt von 1,6.

Zusammenfassend kann man die Einführung des Sozialpraktikums als großen Erfolg be­zeich­nen. Auch Schülerinnen, die sich vor Durchführung des Praktikums sehr skeptisch äußerten und ein Berufspraktikum vorgezogen hätten, zeigten sich nach Ende der drei Wochen äußerst zufrieden und merkten an, die erlebte Zeit nicht missen zu wollen.


Dr. Karin Loosen

 

 

Schulabteilung