Schulseelsorge - Seelsorgekonzept

Konzept für die Schulseelsorge an der Papst-Johannes XXIII. - Schule


1. Einführung
„Ihr werdet es gut bei mir haben!“ (Heiliger Papst Johannes XXIII.) – Dieses bekannte Zitat des Schulpatrons unserer Schule bringt das ins einfache Wort, was das Rahmenkonzept „Schulpastoral im Erzbistum Köln“ als ein Ziel der Schulpastoral formuliert: „Schulpastoral will somit ein spezifischer Beitrag zur Kultivierung und Humanisierung des Lebensraumes Schule sein, d.h. sie zielt auf eine Schulkultur ‚in der sich Kinder, Jugendliche, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer gleichermaßen entfalten können’ … Die unterschiedlichen Ansätze und vielfältigen Angebote von Schulpastoral sind auf das gemeinsame Ziel ausgerichtet, ‚allen am Schulleben Beteiligten Erlebnis- und Erfahrungsräume für das Leben- und das Glaubenlernen (zu) eröffnen’“ (Rahmenkonzept „Schulpastoral im Erzbistum Köln“ Nr. 2, S. 7, vgl. ebenso § 3 Ziffern 3 und 4 SchulG-EBK).


Im Blick auf die Geschichte und die Entwicklung unserer Schule war von Beginn an der Blick gerade auf die Kinder und Jugendlichen gerichtet, die aufgrund ihres Migrationshintergrundes vielfach ein Umfeld erlebten, in denen sie es „nicht gut“ hatten bzw. in denen die Entfaltung der eignen Person und ihrer Fähigkeiten keine optimale Grundlage hatte (vgl. z.B. Schulprogramm III.2).


So ist die Tatsache, dass sich an unserer Schule zwei Sprachen und Kulturen in besonderer Weise bewusst begegnen, zugleich besondere Note und Herausforderung unserer Schule.


Die Entwicklung der Schule zur bilingualen Gesamtschule hat zwar zu einer Veränderung hinsichtlich der Schülerklientel und der damit verbundenen besonderen Betreuung von muttersprachlich italienischen Kindern und Jugendlichen geführt, aber weiterhin ist gerade eine Gesamtschule vor die Aufgabe gestellt, Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Begabungen und Lernfähigkeiten angemessen zu begegnen. Dass für unsere Schule weiterhin die Begegnung der deutschen und italienischen Sprache und Kultur ein herausragendes Merkmal darstellt, unterstreicht die Herausforderung, die einzelnen Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit in den Blick zu nehmen. Dies wurde von Herrn Generalvikar Prälat Dr. Schwaderlapp am 10.07.2004 in seiner Ansprache anlässlich der Verabschiedung der Patres Pavoniani, die die Schule seit ihrer Gründung begleitet, mit aufgebaut und ihr ein geistiges und geistliches Gepräge gegeben haben, wie folgt unterstrichen: „ ‚Jesus nahm ein Kind, segnete es und stellte es in ihre Mitte’ Es geht um dieses Kind, mit all seinen Talenten und Schwächen, es geht um jedes einzelne Kind, jedes ist von Gott gleich geliebt und keines ist dem anderen gleich. Hätte Gott die Kinder gleich gewollt, dann hätte er sie gleich geschaffen, aber Gott hat jedes Kind anders erschaffen, und ein Seelsorger, ein Erzieher, ein Lehrer hat sich darauf einzustellen. Die Schule hat sich nach dem Kind zu richten, nicht umgekehrt.“ (Quelle: Schularchiv, vgl. auch § 1 Ziffer 1 SchulG-EBK, vgl. insbesondere Schulprogramm I und II, in dem das Bibelzitat als Grundlage der weiteren Ausführungen zitiert und in seiner Bedeutung für unsere Schule und das schulische Handeln unterstrichen wird.)


Deshalb ist die Schulseelsorge ein integraler Bestandteil des Erziehungsauftrags katholischer Schule (vgl. I.3.1. QKS), denn sie trägt dazu bei, die ganzheitliche personale Betrachtung des Menschen immer wieder in den Blick zu nehmen und die Gesamtperson zu begleiten, zu stützen und zu schützen.


Die Schulseelsorge an der Papst – Johannes XXIII – Schule weiß sich dieser Grundlegung verpflichtet. Diese Grundlegung ist festgeschrieben im SchulG-EBK (hier insbesondere §§ 3, 6, 30) und sie wird vertieft und konkretisiert im Rahmenkonzept „Schulpastoral im Erzbistum Köln“, das den Ausgangspunkt und die Richtschnur für unser Seelsorgekonzept bildet.
Die theologische Grundlegung und die schuljuristische Ausformung der Schulpastoral finden sich in diesen Grundlagentexten, die ihrerseits das II. Vatikanische Konzil und die ihm folgenden Synoden zu Schulen und lehramtlichen Texte zu Schule und Erziehung rezipieren, so dass dies an dieser Stelle keine vertiefte Ausführung erhält.


2. Die Schulseelsorge an der Papst - Johannes XXIII – Schule
Ein Ziel der Schulpastoral ist, Angebote zu schaffen, die die froh und heil machende Wirkung des christlichen Glaubens bei allen Mitgliedern der Schulgemeinde erfahrbar machen. Deshalb hat die Schulseelsorge Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer sowie die Eltern im Blick (vgl. § 3 [3] SchulG – EBK). Dabei ist das Lebenszeugnis des Einzelnen von großer Bedeutung, denn Glaube und eine positive Glaubenserfahrung können nicht nur gelernt, sondern müssen auch erlebt werden können. Deshalb sind der Schulseelsorger und alle Lehrerinnen und Lehrer gemeinsam herausgefordert, dieses Zeugnis zu geben und sich so als Teil und selbst Handelnde des schulpastoralen Konzeptes zu verstehen (ebd.).


2.1. Spiritualität und Glaubenszeugnis
Die Gestaltung des spirituellen Lebens an der Schule ist ein wesentlicher Teil der schulpastoralen Arbeit und steht in der Verantwortung des Schulseelsorgers, der diese Aufgabe in Zusammenarbeit insbesondere mit den Religionslehrerinnen und Religionslehrern, sowie anderen in diesem Bereich engagierten Lehrerinnen und Lehrern wahrnimmt. In diesem Bereich hat die Feier des Gottesdienstes eine zentrale Bedeutung, da „Liturgia“ zu den Grundvollzügen der Kirche gehört. Deshalb feiern wir als gesamte Schulgemeinde und als einzelne Gruppen Gottesdienste in den verschiedenen Formen, die die Liturgie anbietet, wobei ökumenische Gottesdienste als wichtiger Teil des gottesdienstlichen Angebots gesehen und bewusst gefördert werden. Die Feier der Eucharistie hat in diesem Angebot eine herausragende Stellung.


Neben den regelmäßig stattfindenden Gottesdiensten der gesamten Schulgemeinde oder einzelner Gruppen als verpflichtender Teil des Schulalltags werden freiwillige Angebote zum Gebet und der Meditation unterbreitet, sowie andere Formen der Impulsgebung für die persönliche Betrachtung gewählt.


Damit die Feier der Gottesdienste lebendig und adressatengerecht gelingen und so deren Mitfeier als bereichernd empfunden werden kann, ist die Einbindung der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrerinnen und Lehrer in deren Vorbereitung und Durchführung unabdingbar. Nur so kann die vom II. Vatikanischen Konzil geforderte „participatio actuosa fidelium“ bei der Feier des Gottesdienstes, insbesondere bei der Eucharistie gelebt werden. Daher ist die Zusammenarbeit mit der Fachschaft Musik von besonderer Bedeutung. Das eingeführte Liedheft „Kommt und singt“ (hg. vom EB Köln) sowie die für unsere Schule wichtige Pflege des italienischen liturgischen Liedgutes trägt zu einer Verlebendigung und angemessenen Gestaltung der Gottesdienste bei.


Das Erleben, dass die zur Schulgemeinde gehörenden Personen auch betende und Gottsuchende Personen sind, kann in der Auseinandersetzung mit dem eigenen Glaubensweg eine Hilfe sein.


Spirituelle Erfahrungen, die über die Schulgemeinde hinausgehen, sind bei Wallfahrten, Tagen religiöser Orientierung und Angeboten der Jugendpastoral des Erzbistums möglich und werden seitens der Schule organisiert bzw. intensiv beworben.
Aufgrund der unterschiedlichen Zugänge, Erfahrungen und Beheimatungen in der Liturgie und der gelebten Spiritualität müssen diese Angebote so vorbereitet werden, dass auch die katechetische Hinführung zur Vertiefung der Liturgiefähigkeit in den Blick genommen wird. Gerade die Klassengottesdienste bieten eine gute Möglichkeit, in Absprache mit den Religions- und Klassenlehrern auf die Situation und die Probleme der Klasse einzugehen und im Licht der Botschaft Jesu darauf zu reagieren.


2.2. Persönliche Begleitung
Um das Ziel der Schulpastoral zu verwirklichen und eine froh und heil machende Glaubenserfahrung machen zu können, ist eine hohe Ortspräsenz des Schulseelsorgers von herausragender Bedeutung, damit zu ihm ein Vertrauensverhältnis von Seiten der Schülerinnen und Schüler, der Lehrerinnen und Lehrer und der Eltern aufgebaut werden kann. Es ist deshalb sehr wichtig, dass der Schulseelsorger für alle am Schulleben Beteiligten als ansprechbar erlebt wird. Hier kann dann eine einladende Atmosphäre entstehen, die den Seelsorger als Begleiter in Fragen der Lebensgestaltung für Schülerinnen und Schüler, für Lehrerinnen und Lehrer sowie Eltern erfahrbar werden lassen. In diesem Zusammenhang gehört auch die Verortung des Angebotes zum Empfang des Sakramentes der Versöhnung, auf das auch im persönlichen Gespräch hingewiesen und vorbereitet wird.


Es ist Aufgabe des Schulseelsorgers, in Zusammenarbeit mit den Vertrauenslehrern auf Problemfelder zuzugehen und sich als Berater anzubieten. Dabei sind hier nicht nur schulische, sondern auch private Problemfelder (Scheidung, Tod etc.) in den Blick zu nehmen.


Der Schulseelsorger soll ansprechbar sein für alle seelsorglichen Belange von Mitgliedern der Schulgemeinde, die sich bewusst auch auf zunächst nicht religiös definierte Bereiche des persönlichen Lebens beziehen können.
Aufgrund der beraterischen Kompetenz ist der Schulseelsorger auch Mitglied des schulischen Kriseninterventionsteams.

 

2.3. Soziales Engagement
Das soziale Engagement als Ausdruck der „Diakonia“, die ebenfalls einen Wesensvollzug der Kirche darstellt, ist für die Schule von großer Bedeutung. Klassen und Lerngruppen werden hier vornehmlich im Religionsunterricht, jedoch mit Unterstützung des Schulseelsorgers, auf diesen Wesensvollzug der Kirche in ihrer Verantwortung für die Eine Welt hingewiesen. Altersgemäß soll dann nach Projekten gesucht werden, die durch unterschiedliche Aktionen (wie z.B. Spendenläufe, Sam-melaktionen, Basare, Kuchenverkäufe, u.v.a.m.) unterstützt werden können und sol-len. Die kirchlichen Hilfsorganisationen und die sozialen Projekte der umliegenden Pfarrgemeinden sollen hierbei erste Adressaten für die eigene Hilfe sein.


2.4. Einbindung in die „Kirche vor Ort“
Auch wenn die Mitglieder der Schulgemeinde nicht nur aus einem Ort bzw. dem ortsansässigen Pfarrverband kommen, ist eine besondere Beziehung zum Pfarrverband „Am Stommelerbusch“ und hier zu St. Martinus in Stommeln gegeben. Die Schule ist seit vielen Jahren ein Teil von Stommeln und diese Beziehung gilt es zu pflegen. Deshalb ist es wichtig, dass der Schulseelsorger ein gutes kollegiales und mitbrüderliches Verhältnis zu den pastoralen Kräften vor Ort unterhält.
Dazu gehört, dass die Schule auch ein Ort ist, in dem auf die kirchliche Jugendarbeit einladend hingewiesen wird. Die jugendpastoralen Angebote der Pfarrei, des Dekanates und des Erzbistums sind in der Schule präsent und werden aktiv beworben.


In allen diesen Teilen ermöglicht die Schulseelsorge zusammen mit dem für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtenden Religionsunterricht Schritte zur Glaubensbildung, die wesentlich auf den Vollzug und die Konkretion des Glaubens hingeordnet ist. Schulseelsorge ist hier – wie Seelsorge überhaupt – ein stetig dynamischer Prozess, so dass die einzelnen Aspekte der Umsetzung des Grundauftrages der Seelsorge immer wieder Gegenstand der Reflexion sein müssen. Damit dies gelingen kann, ist es wichtig, dass der Schulseelsorger in regelmäßigen Beratungen mit der Schulleitung und insbesondere mit der Fachkonferenz Religion die Angebote überprüft, ergänzt bzw. verändert.


3. Konkretionen
Die im obigen Grundkonzept formulierten Überlegungen finden derzeit ihre Ausprägung in den folgenden Angeboten und Aktivitäten:


- Der Feier von gemeinsamen Gottesdiensten mit allen Schülerinnen und Schülern, allen Lehrerinnen und Lehrern, sowie der Eltern, die es sich zeitlich ermöglichen können, in der   Pfarrkirche St. Martinus in Stommeln, die mehrfach im Jahr an herausragenden Daten gefeiert werden, von denen einzelne ökumenisch gestaltet werden.


- Der Feier von besonderen, von Teilen der entsprechenden Schülergruppen vorbereiteten Gottesdiensten zur Schulentlassung, d.h. zum Abschluss der Klasse 10 und zum Abitur.


- Regelmäßige klassen- bzw. lerngruppenbezogene Gottesdienste in der Schulkapelle.


- Gottesdienstfeiern mit dem Lehrerkollegium und dem nicht lehrenden Personal z.B. zum Schuljahresbeginn und bei Fortbildungsveranstaltungen.


- In der Regel wöchentliches freiwilliges Meditationsangebot gemeinsam für Lehrer und Schüler, sowie die Veröffentlichung von Meditationen (durch Aushänge) für Schüler und Lehrer als Angebot der persönlichen Reflexion und des Gebetes.


- Religiöse Impulse für lehrendes und nicht lehrendes Personal bei besonderen Fortbildungsveranstaltungen.


- Angebot der persönlichen Begleitung in Glaubens- und Lebensfragen und zum Empfang des Sakramentes der Versöhnung.


- Tägliches Gebet vor Beginn des Unterrichts in der Verantwortung der Fachlehrerinnen und Fachlehrer.


- Angebot „Tage religiöser Orientierung“ für die Oberstufe in Zusammenarbeit mit der Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede.


- Begleitung von Mitgliedern der Schulgemeinde an Lebenswendepunkten (Taufen, Trauungen, Beerdigungen).


- Unterstützung sozialer und kirchlicher Projekte durch einzelne Klassen in besonderen Aktionen.


- Feier des Patroziniums als Begegnung mit der Persondes Schulpatrons in Gottesdienst und besonderer unterrichtlicher Akzentsetzung (z.B. Projektarbeiten).


- Teilnahme und Begleitung der Schülerinnen und Schüler bei diözesanen Wallfahrten für Schulen und einzelnen anderen geistlichen Veranstaltungen bzw. Bewerbung von Veranstaltungen der Jugendpastoral im Erzbistum und der Pfarreiengemeinschaft „Am Stommelerbusch“.


- Teilnahme des Schulseelsorgers an besonderen Feiern der Pfarrgemeinde und des Pfarrverbandes sowie die Pflege einer kollegialen und mitbrüderlichen Zusammenarbeit mit den pastoralen Kräften vor Ort durch die regelmäßige Teilnahme an der Recollectio/ dem Konveniat des Dekanates Pulheim und andere Besprechungen.