Spielsalon in der Kapelle - Und Schule für Belgier

Auch für das St. Joseph begann eine neue Zeitrechnung. Und die hatte gar nichts mit der einstigen Bestimmung zu tun. Die amerikanischen Truppen beschlagnahmten das Gebäude. Die Klosterkapelle verwandelten die GI’s in einen Spielsalon. Den Altar und die Bilder hatten sie deshalb in die Sakristei gestellt und die Tür zugemauert. Die Orgel brachten sie in ein anderes Haus, die Fenster wurden mit dichten Gittern versehen. Am 13. September 1948 aber wurde St. Joseph wieder das, was es einmal war - eine Schule. Die belgischen Besatzungstruppen ließen dort ihre Kinder, über zweihundert, unterrichten - mit eigenen Lehrern in Uniformen; und auch die Schüler trugen Einheitslook. Die Mädchen wohnten in St. Joseph, während die Jungs im Feuerschlösschen untergebracht waren.

 


 

 

Die Ordensschwestern waren übrigens anfangs über die neuen „Mieter" gar nicht begeistert. Aber als die Belgier versprachen, die beschädigte Orgel zu reparieren und die Kapelle wieder in einen tadellosen Zustand zu versetzen, beugten sie sich ihrem Schicksal versöhnlicher. Im September 1949 war die belgische Ära im Kloster vorbei. Wegen der Gründung der Bundesrepublik mussten die Besatzer in einem bestimmten Umkreis um Bonn das Feld räumen, die Schule auch. Den Honnefern fehlte St. Joseph an allen Ecken und Enden. Pfarrer Wuesten hob 1947 mit Zustimmung der Provinzoberin das Lyzeum wieder aus der Taufe. Ohne Standort. „Asyl" gewährten die Volksschule an der Bergstraße und die Schulbrüder von der Handelsschule St. Anno an der Mülheimer Straße den Joseph-Schülerinnen. Mit Pappranzen, selbstgemachten Heften und dem „Esspott“ machten sich die anfangs vierzig Mädchen täglich auf den Schulweg.

 


 

1951 endlich durften sie wieder an ihren angestammten Platz. Würden Schüler von heute in den Schulalltag von damals versetzt - sie kämen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Natürlich hatten die Mädchen vor den Lehrkräften zu knicksen, wenn sie ihnen auf dem Flur begegneten. Und wehe, sie wären der Kleiderordnung nicht nachgekommen. Die knielangen Turnhosen wurden individuell angefertigt. Und nicht ohne Folgen blieb es, wenn die Hosenbeine hochgekrempelt wurden, weil's fescher aussehen sollte. Die mit dem Fahrrad kommenden Schülerinnen setzten im Winter gern auf Hosen. Die Beinkleider durften allerdings nur in Verbindung mit einem Rock darüber getragen werden. In der Schule waren sie dann - bitteschön - auszuziehen. Modischer Schnickschnack war verpönt. Der Petticoat mit einem Reifen im Saum beispielsweise sorgte für Diskussionen. Welche Hingabe eine neue Tumlehrerin bei den jungen Damen erfuhr, die selbst im Reifrock erschien, lässt sich denken. Ob sie wohl geahnt hat, wie umstritten diese Erfindung der Modeschöpfer an St. Joseph war?

 


 

1954 wurde auf Beschluss des Kirchen Vorstandes von St. Johann Baptist die Trägerschaft auf die Franziskanerinnen übertragen. Nun wurde auch das Internat, das 1961 endgültig geschlossen wurde, wiedereröffnet. Ein Jahr später drückte sich das alles in der Änderung des Namens aus: „St. Josef- Private Realschule für Mädchen der Franziskanerinnen von Nonnenwerth in Bad Honnef/Rhein". Neuer Name, neuer Schwung. 1963 erhielt die Schule einen größeren Sportplatz, kurz darauf wurde zur Freude der Kinder der schöne Park Pausenhof. 1965 konnte der „Schulverein St. Josef gegründet werden. Der Austausch mit der Partnerschule in St. Die' in Frankreich setzte 1966 ein. 1971 wurde die neue Turnhalle eingeweiht und die alte fünf Jahre später in eine Aula umgebaut. Anfang der achtziger Jahre wurde aus der ehemaligen Wasch- eine Schulküche. Zwischen 1985 und 1990 erfolgten umfangreiche Renovierungsmaßnahmen. Ein neuer Verwaltungstrakt entstand. Der Pfortenbereich - die ehemalige Villa Thelen - wurde umgestaltet, weitere naturwissenschaftliche Fachräume kamen hinzu. Flure, Aula, Kapelle, Fassade und die Sportaußenanlage erhielten frischen Schliff.