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22 | 11 | 2017

Termine

Ein Zeitzeuge zu Besuch im Unterricht

Ein Überlebender der Nazi-Herrschaft berichtet.

Es war ein bewegender Besuch zu einem (leider noch) aktuellen Thema, wie es auch zur Zeit der Lüneburger Prozess zeigt.

So besuchte der Zeitzeuge J. F. kürzlich die Klasse FOS 1 -13 unserer Fachoberschule - und berichtete über seine Kindheit und Jugend im Zeichen des zweiten Weltkrieges. Viele Fragen an Herrn F. hatte die FOS 1-13 an diesem Tag - die Antworten hat eine Schülerin in Form einer Reportage aufgeschrieben: 

 

Geburtsjahr 1928: Ein Zeitzeuge erinnert sich

Am 17.04.2015 fand ein Besuch von J.F. (geboren 1928 in Berlin) in der Klasse FOS1-13 statt. Mit bewegenden Worten erzählte er von seiner Vergangenheit, insbesondere über seine Jugend im 2.Weltkrieg. F. musste in seiner Jugend - wie alle anderen Jugendlichen - der Hitlerjugend beitreten. (...). Dabei muss man bedenken, dass er zum Kriegsende erst 17 Jahre alt war.  Nach eigener Auffassung war für ihn nach Beendigung des 2.Weltkrieges eine Welt zusammen gebrochen, da er doch sehr von der Nazi-Ideologie geprägt wurde, zumal sein Vater aus einer Offiziersfamilie stammte und als Parteimitglied Polizeichef der berittenen Polizei in Berlin war. Nach seinen Angaben hat sein Vater versucht, seinen Sohn von ihm sicher bekannten nationalsozialistischen Ausschreitungen und verbrecherischen Akten fernzuhalten, so aber auch dessen kritische Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Ideologie und Politik behindert. Ende 1944 geriet H. F.  in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er jedoch fliehen konnte.  Bis zum Kriegsende hat er sich auf einem Berliner Dachboden versteckt gehalten.

Nach Kriegsende erlernte er – nach seinen Angaben ein Glücksfall – bald den Beruf des Zahntechnikers, was ihm half, wieder Fuß zu fassen.

Des Weiteren berichtete er von seiner Rettungsaktion, als er 15 Menschen, die in einem verschütteten Keller eingeschlossen waren, befreite. Für diese Tat bekam er 1945 (mit knapp 17) spontan das Eiserne Kreuz verliehen.

Seine Erlebnisse, vor allem aber das Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen, die ihm nach seinen Angaben erst nach Kriegsende deutlich wurden,  verarbeitet J.F., in dem er seine Erinnerungen – auch auf Bitten seiner Tochter - für die nächste Generation aufschreibt, damit die Geschehnisse und seine Erinnerungen an den 2.Weltkrieg nicht in Vergessenheit geraten.

Von Lina Karmann FOS 1 13