Das Projekt „Zeit schenken“

Im September 2017 erhielten im Historischen Rathaus der Stadt Köln vierzehn SchülerInnen des Projektes „Zeit schenken“ den Kölner Ehrenamtspreis „KölnEngagiert Schulpreis 2017“ von Oberbürgermeisterin Henriette Reker überreicht – stellvertretend für alle anderen, die sich engagiert haben.

Aus diesem Anlass gratulierte u.a. auch Frau Yvonne Gebauer, Ministerin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen, ganz herzlich in einem an die SchülerInnen gerichteten Schreiben.

Im Mai 2018 erhielt unsere Schule die Nachricht von der Nominierung des Irmgardis-Gymnasiums für den „Deutschen Engagementpreis 2018“, den Preis der Preise für soziales Engagement, so heißt es in dem Anschreiben. Vorgeschlagen hatte uns der Ausrichter des Preises „KölnEngagiert“.

Wir haben diese Nominierung angenommen und freuen uns über diese Wertschätzung der Arbeit vieler, vieler SchülerInnen in den letzten vierzehn Jahren.     

 

Um was geht es bei „Zeit schenken“?

Seit 2004/2005 haben SchülerInnen der Jg. 8 am Irmgardis-Gymnasium die Möglichkeit, ihre Zeit zu verschenken - freiwillig und in ihrer Freizeit, mindestens zehn Wochen lang und pro Woche mit zwei Stunden Einsatz in außerschulischen Einrichtungen.

Die Achtklässler verrichten ihre ehrenamtlichen Dienste  in Altenpflegeheimen, in Offenen Ganztagsschulen, in Behinderteneinrichtungen, in inklusiv arbeitenden Einrichtungen, in einer Förderschule und bei einer „Tafel“ in der Umgebung der Schule. Gute Kontakte bestehen seit vielen Jahren zu mehr als zwanzig Einrichtungen.

Die Jugendlichen ermöglichen bei diesem Projekt alten Menschen Spazierfahrten mit dem Rollstuhl, sie lesen vor, machen Gedächtnistraining mit den SeniorInnen, kümmern sich um demente Menschen – und machen dabei auch manchmal die Erfahrung, dass das Leben endlich ist.

In den Offenen Ganztagsschulen unterstützen die jungen Menschen insbesondere jüngere SchülerInnen bei den Hausaufgaben und bei AGs, sie schlichten Streit und spielen mit den Grundschulkindern. Unter diesen sind auch Migranten- und Flüchtlingskinder.

Für die „Kleinen“ in der Grundschule sind „unsere Großen“ wichtige Ansprechpartner.

In Behinderteneinrichtungen und Altenheimen werden die Jugendlichen sensibel für den Alltag und die Probleme behinderter und alter Menschen. Sie lernen ganz praktisch und gehen dadurch mehr und mehr ganz unkompliziert „auf Tuchfühlung“ mit Themen wie Behinderung und Alter. Dabei machen sie oft für sie selbst erstaunliche und bereichernde Erfahrungen. Das vormals Unbekannte wird - durch den Umgang damit – selbstverständlicher und gehört so nach und nach zum eigenen Leben.

Die SchülerInnen lernen durch das Projekt „Zeit schenken“ die Anliegen der Menschen verschiedener Generationen und die Bedürfnisse von Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen kennen.

Sie erleben, dass man durch ehrenamtliches Engagement eine Menge lernt – auch über sich selbst -, dass man „über den Tellerrand hinaus“ schaut, andere Kompetenzen erwirbt als im Unterricht und dass man die Gesellschaft durch diesen Einsatz nachhaltig mitgestalten kann.

Ziel des Projektes „Zeit schenken“, welches in der Jahrgangsstufe 8 im Herbst und im Frühjahr jeden Schuljahres angeboten wird, ist es, dass vor allem diejenigen, die in  unserer Gesellschaft zu kurz kommen, von diesem ehrenamtlichen Einsatz profitieren und dass „Beziehungen“ zwischen den beteiligten Personen entstehen.

In der Schule wird das Projekt in extra dafür angesetzten Reflexionstreffen begleitet. In Rollenspielen, Gesprächsrunden und durch eine Art kollegiale Fallberatung reflektieren die SchülerInnen ihr Tun. Sie benennen Schwierigkeiten und suchen gemeinsam nach Lösungen. Das Erlebte wird dadurch nachhaltig bewusst gemacht und prägend.

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Abb.: Vorbereitung, Begleitung und Aufarbeitung des Erlebten in sog. Reflexionstreffen

Nach der Durchführung wird das Projekt jedes Mal evaluiert.
Die SchülerInnen an der Projektentwicklung zu beteiligen, ist uns wichtig.

Nicht zu vergessen: Wir sind froh über die vielen engagierten MitarbeiterInnen in den Einrichtungen, die unsere SchülerInnen vor Ort seit Jahren zuverlässig begleiten. Diese gute Kooperation ist eine wichtige Voraussetzung, das Projekt durchführen zu können.

Mit IN VIA e.V. haben wir einen zuverlässigen Kooperationspartner an unserer Seite, der uns zuverlässig unterstützt, indem man dort sicherstellt, pro Jahr ca. 60 Zertifikate für das Irmgardis- Gymnasium zu erstellen.

Einige Erfahrungen der SchülerInnen beim Projekt „Zeit schenken“

„Ich tue etwas Gutes.“
„Ich werde gebraucht.“
„Man wartet auf mich / freut sich auf mich.“
„Ich traue mir etwas zu.“
„Ich habe festgestellt, ich komme auch mit ungewohnten oder schwierigen Situationen klar.“
„Ich habe eine ganz neue Seite an mir kennengelernt, eine Seite, von der ich gar nicht wusste, dass ich sie habe.“
„Es ist schön, dass ich etwas zurückgeben kann: Damals waren in meiner Grundschule auch SchülerInnen, die „Zeit schenken“ bei uns durchgeführt haben...“

Ansprechpartnerin sowie ©Text/Fotos - Waltraud Anders, „Zeit schenken“, Juni 2018