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Christen und Muslime –Historische Begegnung

Papst Franziskus besucht die Vereinigten Arabischen Emirate in Abu Dhabi und fordert „Entmilitarisierung der Herzen“

Christen und Muslime –Historische Begegnung 

Papst Franziskus besucht die Vereinigten Arabischen Emirate in Abu Dhabi und fordert „Entmilitarisierung der Herzen“

 

Thorsten Winkels, Lehrer am Gymnasium Marienberg, hat die historische Begegnung in Abu Dhabi persönlich erlebt. Er ist dort u.a. zur Unterstützung eines künstlerischen Projektes, das das Bistum Köln in Abu Dhabi präsentiert

Winkels, der sich von dem einmaligen Erlebnis der Mitfeier der Heilige Messe in Gegenwart von 130000 Menschen, zu denen auch 4000 Muslime gehörten, sehr bewegt und begeistert zeigt, berichtet von seinem Aufenthalt in Abu Dhabi:


„Sheikh Khalifa bin Zayed, das Staatsoberhaupt der Vereinigten Arabischen Emirate, hat 2019 zum „Jahr der Toleranz“ erklärt. Ein gesetzter Akzent ist, dass er die „Sheikh Mohammad bin Zayed Moschee“ in „Mary – the mother of Jesus Moschee“ umbenennen ließ. Diese liegt unmittelbar angrenzend an den katholischen Bezirk von Abu Dhabi, in dem der Bischofssitz und das ApostolischeVikariat Südarabiens gelegen ist.

Als besonderes Zeichen, dass den Vereinigten Arabischen Emiraten an einem interreligiösen Dialog gelegen ist, wurde Papst Franziskus als erster Papst in der Geschichte zu einem Staatsbesuch in die Emirate eingeladen.

Im Anschluss an den offiziellen Staatsbesuch besuchte Papst Franziskus den katholischen Bezirk in Abu Dhabi, bevor er die Abschlussmesse im Sheik Zayed Stadium vor ca. 130000 Menschen, unter ihnen ca. 4000 Muslimen, zelebrierte. In seiner Predigt legte er das Evangelium – einen Auszug aus der Bergpredigt – dahingehend aus, dass es darum gehe, den Dienst an denjenigen zu praktizieren, die in unserer Gesellschaft selbst in dienender Funktion tätig seien.

Die besondere Atmosphäre dieser Heiligen Messe ergab sich aus einer Mischung von Gläubigen aus über 100 Ländern unterschiedlichster kultureller Herkunft, die durch ihre gemeinsamen christlichen Werte miteinander verbunden sind.

Für die Katholiken in den Vereinigten Arabischen Emiraten, bei denen es sich vor allem um Arbeitsmigranten aus (südost-)asiatischen Ländern handelt, die häufig in einem problematischen Abhängigkeitsverhältnis arbeiten müssen, war dieser Papstbesuch ein besonderes Zeichen. Entsprechend frenetisch wurde der Papst von den Menschen begrüßt. Gerade diese Menschen waren es auch, die bei der Vorbereitung und Durchführung durch unermüdlichen Einsatz in nur zweimonatiger Vorbereitungszeit maßgeblich zum Gelingen der Großveranstaltung beigetragen haben.

Mit gut einer Millionen Katholiken entspricht das Apostolische Vikariat Südarabiens (VAE, Oman, Jemen) im Hinblick auf seine Mitgliederzahl ungefähr der Hälfte der Gläubigen im Erzbistum Köln."

 

Text und Fotos: Thorsten Winkels, der den Fotos, die er uns gestern aus Abu Dhabi gesandt hat, noch folgende Erklärungen beigegeben hat:

Das Bild mit den arabischen Teilnehmern des Heiligen Messe zeigt den Minister des neu gegründeten „Ministeriums für Toleranz“ (so etwas wie ein „Integrationsminister“)

Das Bild mit dem Papst zeigt, wie sich die Bischöfe ihre Mitra vor den Kopf halten, weil die Sonne so brannte…. “

Wir ergänzen den Bericht von Thorsten Winkels durch den Kommentar von Jürgen Erbacher, dem Vatikan Experten des ZDF:

(https://www.zdf.de/nachrichten/heute/papst-franziskus-feiert-messe-im-sportstadion-von-abu-dhabi-100.html)

 

Erstmals fand am Dienstagmorgen mit dem Gottesdienst im größten Sportstadion in Abu Dhabi und auf den anliegenden Plätzen eine christliche Massenveranstaltung im öffentlichen Raum statt. Beides wäre noch vor wenigen Jahren nicht denkbar gewesen. Doch sowohl die geopolitischen Veränderungen der jüngeren Vergangenheit als auch die Persönlichkeit des amtierenden Papstes machten die Reise möglich.

Bescheidener Auftritt, klare Botschaft
Franziskus trat auch in Abu Dhabi bescheiden auf, hatte aber eine klare Botschaft. Er forderte Religionsfreiheit für alle. "Jedes Glaubenskenntnis ist aufgerufen, die Kluft zwischen Freund und Feind zu überwinden", erklärte das Kirchenoberhaupt bei einer  interreligiösen Friedenskonferenz. Dass er gemeinsam mit Großscheich Ahmed al-Tayyeb von der Al-Azhar-Universität in Kairo eine Erklärung unterzeichnete, in der jeglicher Gewalt im Namen von Religion eine Absage erteilt wird, ist aus vatikanischer Sicht ein Erfolg. Die Al-Azhar-Moschee gilt als die führende Hochschule des sunnitischen Islam. Mit der Erklärung verpflichten die prominenten Unterzeichner ihre Glaubensbrüder darauf, "dass Religionen niemals Krieg, Hass, Feindseligkeit und Extremismus anregen dürfen. Sie dürfen auch nicht zu Gewalt oder Blutvergießen anstacheln".

Franziskus nahm mit der Reise in Kauf, dass sie auch politisch instrumentalisiert wird. Die Herrscher in Abu Dhabi nutzten die Gelegenheit, um ihr Land als tolerant und dem Frieden verpflichtet darzustellen. Weil das Emirat die Militärallianz Saudi Arabiens im Jemen unterstützt, hatten Kritiker der Reise im Vorfeld den Papst zu einer Absage drängen wollen. Doch Franziskus zog es vor, vor Ort das Thema klar anzusprechen. Er forderte eine "Entmilitarisierung der Herzen", kritisierte "das Wettrüsten, die Ausweitung der eigenen Einflussbereiche und eine aggressive Politik zum Nachteil anderer" und beklagte die "Logik bewaffneter Macht". In diesem Kontext denke er "insbesondere an Jemen, Syrien, Irak und Libyen", so Franziskus.

"Gott erwartet keine großen Wunder"
Neben den religionspolitischen Fragen stand für den Papst die kleine christliche Gemeinschaft auf der Arabischen Halbinsel im Fokus der Reise. Hier zeigte sich der Seelsorger Franziskus. "Ich bin gekommen, um euch Danke zu sagen, wie ihr das Evangelium lebt." Der Papst zollte den Christen Respekt, die unter oft schwierigen Bedingungen ihren Glauben leben. Auf der einen Seite leiden sie unter der eingeschränkten Religionsfreiheit, auf der anderen Seite unter der großen Entfernung von ihrer Heimat. Denn die christlichen Gemeinschaften in der Region bestehen fast ausschließlich aus Arbeitsmigranten. Franziskus machte den Christen Mut. Gott erwarte keine großen Wunder, sondern "die Heiligkeit des alltäglichen Lebens".

Eine wichtige Mahnung hatte Franziskus an die eigenen Gläubigen, die zugleich aber auch eine klare Botschaft an die anderen Religionen war. Er erinnerte daran, was der heilige Franz von Assisi vor 800 Jahren seinen Mitbrüdern für die Begegnung mit den Andersgläubigen mit auf den Weg gab: "In jener Zeit, als viele mit schweren Rüstungen angetan loszogen, erinnerte der heilige Franziskus daran, dass der Christ nur mit seinem demütigen Glauben und seiner konkreten Liebe ausgerüstet aufbricht".

Allianz für Frieden und Gerechtigkeit
Die Botschaft des Papstes ist klar: keine Gewalt im Namen der Religion. Vielmehr müssten die Religionen sich aktiver für den Frieden einsetzen, als sie das bisher noch getan haben. "Entweder wir bauen die Zukunft gemeinsam, oder es gibt keine Zukunft", zeigte sich Franziskus bei der interreligiösen Friedenskonferenz überzeugt. Dass er für dieses Treffen eigens nach Abu Dhabi gereist ist, macht deutlich, wie wichtig Franziskus die Förderung des interreligiösen Dialogs ist. Er beweist damit auch Mut, weil für den Vatikan im Vorfeld nicht abzuschätzen war, wie die Reise verlaufen wird und welche politischen Implikationen damit verbunden sind.

Die Rede des Papstes zum Miteinander der Religionen in Abu Dhabi zählt zu den wichtigen programmatischen Texten des Pontifikats. Eine ähnliche Rede hielt er im April 2017 bei seinem Besuch der Al-Azhar-Universität in Kairo. Bereits Ende März fährt Franziskus nach Marokko. Diese Reisen sind Teil der Bemühungen des Papstes, eine Allianz der Religionsvertreter zu schmieden, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen. Dabei ist er sich bewusst, dass die Früchte seiner Bemühungen nicht unmittelbar zu erkennen sind. Doch er setzt auf die Macht der Bilder, die zeigen, dass Vertreter unterschiedlicher Kulturen und Religionen friedlich miteinander in Dialog treten können, ohne dabei die eigene Identität zu verleugnen.

 

Jürgen Erbacher ist Vatikan-Experte des ZDF

https://www.zdf.de/nachrichten/heute/papst-franziskus-feiert-messe-im-sportstadion-von-abu-dhabi-100.html

 

 

 

 

 

 

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