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Corona begegnen

Ein Cartoon und ein nachdenklicher Text...

Corona begegnen

Ein Cartoon und ein nachdenklicher Text...

 

Ein Cartoon aus dem Französischunterricht und ein nachdenklicher Text aus dem Religionsunterricht der Klassen 7 zeigen zwei mögliche Formen der Auseinandersetzung mit unserer aktuellen Situation.

(Cartoon: Jana/Text: N.N.)

 

Während der Cartoon eine gelungene, eher spielerische Annäherung an das Thema darstellt, noch dazu über die Fremdsprache Französisch, ist der Beitrag zum Thema von einer Schülerin der Jahrgangsstufe 7- entstanden im Religionsunterricht deutlich von Nachdenklichkeit geprägt....Die Schülerin geht dabei von vorgegebenen Leitfragen aus:

 

Was zählt für mich wirklich im Leben? Was ist in meinem Leben eher vergänglich? Was in meinem Leben ist unbedingt notwendig? Was ist Luxus, auf was davon kann ich verzichten?

In der Zeit der Corona-Krise sind mir einige Dinge klar geworden, die ich eigentlich schon vorher wusste, aber vielleicht viel zu selbstverständlich gefunden habe. Sie sind mir gar nicht richtig aufgefallen, aber besonders in der Zeit, als alles still stand, habe ich sie auf einmal bemerkt. 

Dass ich mit meiner Familie in einem schönen Haus lebe, war für mich nichts Besonderes. In der Corona-Zeit habe ich erst gemerkt, wie wichtig es ist, sich zu Hause so richtig wohl zu fühlen, sein eigenes Zimmer zu haben, in dem es warm und gemütlich ist und in dem genug Platz ist, um zu spielen, zu malen, zu basteln oder zu lesen. Mir haben natürlich auch vorher im Winter Obdachlose oft leid getan, aber jetzt in der Zeit habe ich sehr oft an sie gedacht und gedacht, wie schrecklich es sein muss, in einer Zeit, in der alle zu Hause bleiben, kein zu Hause zu haben.

Ich habe meine Freunde sehr vermisst, aber ich habe auch gemerkt, dass ich an manche, die mir in der Schule total wichtig sind, jetzt fast gar nicht gedacht habe. Die Freunde, zu denen ich jetzt den Kontakt gehalten habe, weil wir zusammen Sport gemacht haben oder regelmäßig geappt oder telefoniert haben, sind mir wirklich wichtig. Und es sind vielleicht nicht mehr so viele wie vorher, dafür ist die Freundschaft aber enger.

Ich habe auch gemerkt, wie wichtig mir meine Familie ist und wie wichtig es ist, in dieser Zeit füreinander da zu sein. Jeder hatte mal einen schlechten Tag, an dem es ihm nicht gut ging, da war es wichtig zusammenzuhalten. Ich glaube, das Gemeinschaftsgefühl in der Familie ist größer geworden. Im Alltag vorher hatten alle so viele unterschiedliche Termine, dass man gar nicht so oft mitbekommen hat, wie es den anderen eigentlich geht. Es wäre schön, wenn das auch nach der Corona-Zeit noch so bliebe.

Ich habe auch gemerkt, wie lieb ich meine Großeltern habe. Früher habe ich manchmal gedacht, sie verstehen vieles von dem, was mir wichtig ist, nicht mehr so gut, weil sie schon alt sind. Aber wir haben in der Corona-Zeit angefangen, uns Briefe zu schreiben und dabei habe ich gemerkt, dass es viele Dinge gibt, die uns verbinden. Und ich habe mich total auf die Post gefreut, wenn da ein Brief für mich dabei war, obwohl das natürlich total altmodisch ist, wenn sonst alles über Whatsapp und Mails und Videokonferenzen läuft. Aber die Briefe habe ich alle behalten. Ich kann sie auch in fünf Jahren noch lesen, dann sind längst alle Mails und App-Nachrichten und Fotos gelöscht.

Früher bin ich total gern mit Freundinnen in der Stadt shoppen gegangen. Dann hatte ich etwas Geld dabei und wusste gar nicht genau, was ich mir eigentlich kaufen will. Das Geld habe ich aber immer für irgendwas ausgegeben. Ich bin nicht sicher, ob mir das vielleicht auch nach der Corona-Krise wieder Spaß machen wird. Aber eigentlich fehlt es mir nicht so richtig, und meistens habe ich die Sachen, die ich gekauft habe auch nicht wirklich gebraucht. Manchmal habe ich sie dann nur gekauft, weil die anderen sie auch gekauft haben.

Das ist ein letzter Punkt, den ich wichtig finde. Weil man weniger Kontakte hat und weniger Meinungen zu allem hört, überlegt man selber besser, was man eigentlich denkt. Früher war es immer auch sehr wichtig, was andere meinten oder cool fanden. Jetzt kann ich erst mal in Ruhe selber nachdenken, wie ich etwas finde. Das ist gut, und auch das würde ich gern erhalten.

Am wichtigsten für mich ist es im Leben, dass ich weiß, dass ich geliebt werde. Denn das ist ein Gefühl, was einen auch in den blödsten Momenten wieder aufmuntert.

 

Inwiefern hatten Menschen Raum, neu kreativ zu sein? Inwiefern haben sich Menschen solidarisch mit ihren Mitmenschen gezeigt? Wo haben Menschen neue Formen von Gastfreundschaft entwickelt?

 

Es gibt ganz viele Beispiele, wie Menschen in der Corona-Krise kreativ geworden sind – aus unterschiedlichen Gründen, um weiter arbeiten zu können, um weiter in Kontakt zu bleiben oder um anderen Menschen zu helfen.

Ich habe von einem Schlosser gelesen, der nichts mehr zu tun hatte und deshalb Ständer für Desinfektionsmittel gemacht hat, weil die jetzt alle brauchen. 

Viele Menschen haben angefangen, Masken selbst zu nähen und dabei auch schöne Muster entworfen. Das finde ich wichtig, das es Menschen gibt, die nicht nur alles negativ sehen, sondern versuchen durch bunte Masken diesen lästigen Mund-Nasen-Schutz irgendwie freundlicher zu machen. Wenn ich meine Maske mit bunten, kleinen Vögeln aufziehe, macht das doch bessere Laune als eine OP-Maske, auch wenn es beim atmen gleich unangenehm ist. 

Unsere Chorleiter auf Marienberg haben ein Chorprojekt organisiert, bei dem jeder allein singen musste (das Lied Greensleeves), aber dann alle Stimmen zusammengeschnitten wurden, und es klang wirklich wunderschön. Das war erst eine totale Überwindung, so ganz allein zu singen und das aufzunehmen, aber das Ergebnis war dann eine Gemeinschaftsaktion, wie das ein Chor ja auch sein soll. An der Musikschule gab es auch so Projekte, bei denen jeder seine Stimme aufnehmen musste, und dann entstand ein kleines Konzert. Meine Brüder und ich haben am Anfang der Corona-Krise auch immer sonntags um 18 Uhr „Freude schöner Götterfunken“ an der offenen Balkontür gespielt. Nebenan ist ein Altenheim, ich fände es schön, wenn das dort jemand gehört hat.

Und man konnte sogar an Ostern in die Messe gehen: In einem Autokino in Düsseldorf gab es einen Gottesdienst.

Die Oma einer Freundin hat sich mit ihren Freundinnen immer abwechselnd freitags zum Corona-Sekt verabredet: Sie haben sich am Fenster einer Freundin getroffen, da gab es ein Glas Sekt im Pappbecher, und sie haben draußen und mit Abstand eine Stunde erzählt, aber eben nicht nur am Telefon, sondern sie haben sich gesehen. Ich finde das eine sehr schöne und kreative Idee.

Wichtig ist aber auch, dass Menschen sich überlegt haben, wie man denen helfen kann, die besonders unter der Corona-Krise leiden, weil sie es sowieso schon schwerer haben. In Neuss sind vor der Christuskirche oder an der Brücke im Rosengarten Zäune mit Lebensmitteltüten entstanden, wo sich Obdachlose oder andere Menschen, die nicht genug haben, einfach etwas holen können. Das fand ich sehr schön, auch das Motto hat mir so gut gefallen: Jeder gibt, was er kann, jeder nimmt, was er braucht. Das wäre wirklich so ein Spruch, der auch nach der Corona-Krise gut für unser Zusammenleben wäre. Wenn sich alle danach richten würden, hätten wir viele Probleme nicht.

Ganz kurz erzählen möchte ich noch eine Geschichte, die einer Freundin meiner Mutter passiert ist: Sie hat drei Kinder und musste noch für ihre eigenen Eltern einkaufen gehen. Und alle hatten kein Klopapier mehr, weil sie keine Hamstervorräte angelegt hatte. Man durfte im Supermarkt aber nur ein kleines Paket Klopapier kaufen, nicht mehr. Sie hat versucht, der Kassiererin zu erklären, dass sie Klopapier für ihre eigene Familie und ihre Eltern braucht. Aber es durfte keine Ausnahme geben. Also hat sie nur ein Paket mitgenommen. Auf dem Parkplatz kam dann eine junge Frau hinter ihr her. Sie hatte mitbekommen, was die Freundin der Kassiererin gesagt hatte, und hatte ein Paket Klopapier gekauft, obwohl sie keins brauchte. Das hat sie der Freundin geschenkt, einfach so! Das fand ich total super und ich weiß nicht, ob es so etwas ohne die Corona-Krise gegeben hätte.

Außerdem glaube ich,dass viel mehr Rücksicht aufeinander genommen wird. Besonders auch auf die alten Leute. Eine Frau in unserer Nachbarschaft,die schon 82 Jahre alt ist, traut sich nicht mehr aus dem Haus und wir waren schon zwei Mal mit für sie einkaufen. Die Einkäufe haben wir ihr dann einfach vor die Tür gestellt. So hatten wir auch zu ihr keinen Kontakt.

Ich fände es schön, wenn diese verschiedenen Arten der Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft auch nach der Krise erhalten blieben.

 

Fotos der Schülerin zeigen bunte Masken und den Gabenzaun, den die Gemeinde der Christuskirche in Neuss in Zeiten von Corona gestaltet hat.

 

 

 

 

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