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Damals war es...
Zeitzeugen befragen

Im Rahmen einer Unterrichtsreihe zu dem Jugendroman "Damals war es Friedrich" von Hans Peter Richter,...

"Damals war es Friedrich"...Zeitzeugen befragen und von ihnen lernen

 

Im Rahmen einer Unterrichtsreihe zu dem Jugendroman „Damals war es Friedrich“ von Hans Peter Richter, den die Schülerinnen der 6b aus fünf weiteren vorgeschlagenen Jugendbüchern mit großer Mehrheit ausgewählt haben, ergab sich die Möglichkeit einer Zeitzeugenbefragung. Der Roman spielt vor und im zweiten Weltkrieg und behandelt die Problematik einer Freundschaft zwischen einem jüdischen und nicht-jüdischen Jungen. Das Interesse der Schülerinnen an dieser Unterrichtsreihe war und ist dermaßen groß, dass die Mädchen sogar von sich aus auf die Idee kamen, mit Zeitzeugen in ihren Familien oder im Freundes- und Bekanntenkreis Interviews zu führen und Großeltern, Nachbarn etc. zu befragen. Darüber hinaus brachten die Kinder viel Bildmaterial und andere Zeitdokumente aus der damaligen Zeit mit in den Unterricht. Wie von selbst entstand die Idee, Großeltern zu fragen, ob diese auch bereit wären, in die Schule zu kommen und dort von ihren Erfahrungen zu berichten. Schnell hatten sich drei Großmütter –eine der Damen ist bereits über 90 Jahre alt - gefunden, dies zu tun. Die Großmütter von Emily Arndt, Anne Bader und Joanna Zimmermann kamen an einem Nachmittag, den die Kinder bestens organisiert hatten, in die Schule und die drei freundlichen Damen standen bei Kaffee und von den Kindern selbstgebackenem Kuchen mit einer nicht enden wollenden Geduld der Klasse zur Beantwortung unzähliger Fragen zur Verfügung. Die Fragen zeugten zum Teil von einem sehr großen geschichtlichen Interesse, andere Fragen waren sehr persönlich und einige Fragen zeigten, dass die Schülerinnen unserer Zeit sich das Grauen der damaligen Zeit – zum Glück – gar nicht vorstellen können, wenn denn zum Beispiel gefragt wurde, welchen Hobbys die Damen denn in der damaligen Zeit nachgegangen seien. Es war für die Kinder mehr als lehrreich zu hören, dass man trotz der nicht vorhandenen Möglichkeiten, Hobbys nachzugehen, eine zwar unglaublich entbehrungsreiche, dennoch aber im privaten Raum relativ schöne Kindheit verleben konnte – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass gewährleistet war, dass die Familien und Freunde zusammenhielten. Überhaupt war der Zusammenhalt in der damaligen Zeit ein großes Thema, andererseits aber wurde auch das Misstrauen anderen gegenüber angesprochen, die Angst, von jemandem, dem man eigentlich vertraute, vielleicht doch eines Tages wegen einer systemkritischen Aussage verraten zu werden. Zum Teil waren die Geschichten, die die Großmütter erzählten, tief bewegend und gingen unter die Haut. Vor allem die Geschichten über ihre Flucht und ihr Ankommen und über das nicht immer nur freundliche Aufgenommenwerden hier in unserer Gegend machten nachdenklich und betroffen.

Manchmal schweiften die Blicke der Damen ab, wenn sie erzählten von Menschen, die sie im Krieg verloren haben, von Vätern, die auf Heimaturlaub kamen, aber von ihren Kindern, die so oft jahrelang nicht gesehen hatten, nicht freudig empfangen wurden, weil diese Kinder diese Väter ja gar nicht kannten, wenn sie berichteten über karge Mahlzeiten, von „Leberwurst“, die aus Majoran, Wasser und Haferflocken bestand und den Namen „Wurst“ nicht verdiente…. Als Zuhörer hatte man oftmals das Gefühl, als ob vor dem inneren Auge der Zeitzeugen ein Film abliefe, der ihnen das eine oder andere – durchaus auch schmerzhaft – wieder in Erinnerung rief.

Was die Schülerinnen sicher gelernt haben, ist, dass wir heute alle keine Schuld haben an dem, was damals in deutschem Namen passiert ist, wir aber alle in der Verantwortung stehen, mitzuhelfen, dass so etwas nie wieder passieren darf. Schon beim Lesen des Buches und erst recht des Vorspanns „Damals waren es die Juden… Heute sind es dort die Schwarzen, hier die Studenten… Morgen werden es vielleicht die Weißen, die Chinesen oder die Beamten sein…“ war den Mädchen klar geworden, dass wir alle – wenn man nicht den Anfängen währt – eines Tages in eine Situation geraten könnten wie der Protagonist des Romans und mit ihm Millionen anderer. Der Nachmittag mit den Zeitzeuginnen hat aber umso mehr dazu beigetragen, dieses Bewusstsein in den Köpfen der Schülerinnen nachhaltig wachzuhalten.

Im Namen der 6B herzlichen Dank für das große Engagement der drei Großmütter.

Dr. Simone Kippels, Deutschlehrerin der 6B

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