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Gipfel

Am stahlblauen Himmel steht ein gleißender Hubschrauber...

Gipfel


Am stahlblauen Himmel steht ein gleißender Hubschrauber und verbreitet mit seinen Rotoren eine Atmosphäre von Spannung und Bedeutung. Begleitet von diesem unterschwelligen Flügelschlag gleiten zwei Busse durch die Straßen, vorbei an Panzersperren, Absperrbändern und zahllosen Polizisten. In einer Seitenstraße spuckt er über einhundert junge Damen und einen Hünen aus, die sich für kurze Zeit zwischen den ehemals futuristischen Glasfassaden der glitzernden Hochhäuser zerstreuen und dann auf Kommando in das Gebäude des Europäischen Parlaments einsickern.

Wir sind in Brüssel und es ist Gipfeltag. Nicht irgendein Gipfeltag, sondern wenige Meter von den etwa hundert Marienbergerinnen, Frau Rieks, Frau Ahlfs, Frau Kramp, Frau Déniel und Herrn Köhne tagen Frau May, Frau Merkel, Herr Macron, Herr Michel, Herr Kurz und viele andere, um über die Verschiebung der Verschiebung des Brexitdatums zu verhandeln. Die Lage ist ernst. Man weiß nicht, in welche Richtung es gehen soll und was am Ende herauskommt. Kurz darauf jedoch haben die Marienberger die Besucherräume gefunden und werden von einer ehemaligen Marienbergerin und einem polyglotten Karel-Gott-Imitator in die Arbeit des Europäischen Parlaments eingeführt und in den Plenarsaal begleitet.

Danach macht sich die Neusser Kolonne auf in die historische Altstadt von Brüssel und steuert direkt auf die Grand Place zu, jenen märchenhaften Platz, den Jean Cocteau als "schönstes Theater" der Welt bezeichnete und der deshalb so wunderbar in eine Stadt täglicher politischer Inszenierungen passt. Von hier aus zerstreut sich die Truppe, die sich aus Französisch- und Geschichtskursen sowie dem Projektkurs "Dreistromland" der Oberstufe rekrutiert und genießt den herrlichen Frühlingstag bei Streifzügen durch die Stadt. Viele essen ein belgisches Menü (Vorspeise Fritten, Hauptgang Waffel, Dessert Eis), alle lassen sich vom einzigartigen Mix aus grandioser Architektur, Verkehrschaos, großstädtischer Patina und burgundisch-internationalem Genießertum anstecken. Auf dem erstaunlich staufreien Weg aus der Stadt müssen die Busse mehrmals weiße Mäuse und schwarze Limousinen passieren lassen. Es liegt etwas in der Luft.

Als wir in Neuss ankommen, tagt man in Brüssel immer noch. Hoffen wir das Beste!
Text und Foto: Michael Köhne

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