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Lyrik im Deutschunterricht der Einführungsphase

Das Ich als Rätsel ....

Lyrik im Deutschunterricht der Einführungsphase:

„Das Ich als Rätsel – Gedichte im thematischen Zusammenhang“ 

 

Johann Wolfgang von Goethe: „Neue Liebe, neues Leben“

Herz, mein Herz, was soll das geben?
Was bedränget dich so sehr?
Welch ein fremdes, neues Leben !
Ich erkenne dich nicht mehr.
Weg ist alles was du liebtest,
Weg, warum du dich betrübtest,
Weg dein Fleiß und deine Ruh -
Ach, wie kamst du nur dazu !

Fesselt dich die Jugendblüte,
Diese liebliche Gestalt,
Dieser Blick voll Treu und Güte
Mit unendlicher Gewalt?
Will ich rasch mich ihr entziehen,
Mich ermannen, ihr entfliehen,
Führet mich im Augenblick,
Ach, mein Weg zu ihr zurück.

Und an diesem Zauberfädchen,
Das sich nicht zerreißen lässt,
Hält das liebe lose Mädchen
Mich so wider Willen fest;
Muss in ihrem Zauberkreise
Leben nun auf ihre Weise.
Die Veränderung, ach, wie groß!
Liebe! Liebe! Laß mich los!

 

Ausgehend von Goethes Gedicht „Neue Liebe, neues Leben“ (1774/1775), in dem sich das lyrische Ich an sein eigenes Herz wendet und es anfleht, es aus der Gefühlsverwirrung zu befreien, haben Schülerinnen selbst Gedichte geschrieben.

 

Goethes Gedicht ist im Kontext seiner Verlobung mit der Frankfurter Bankierstochter Lilli Schönemann (Anfang 1775) zu sehen. Diese Beziehung war einerseits von leidenschaftlicher Liebe geprägt, andererseits aber von Seiten Goethes mit starken Zweifeln belastet, ob die Bindung nicht der eigenen Berufung im Wege stehe. Goethe entzog sich der widersprüchlichen Gefühlslage durch eine Reise in die Schweiz und die Verlobung mit Lilli wurde im Herbst 1775 aufgelöst. 

 

Im Anschluss an die Besprechung des Goethe-Gedichts entstanden die emotionalen Gegengedichte aus der Perspektive Lillis. 

 

 

Ein aufgehobenes Versprechen

 

Ein halbes Jahr hat uns verbunden,

ein Versprechen für die Ewigkeit.

Unsere Eltern es nicht für gut befunden,

doch glaubte ich an ein Leben voll Freudigkeit.

 

Mit dir zusammen fühlte ich mich frei,

doch so fühltest du dich nicht dabei.

So wie die Blätter an den Bäumen welken,

so schwand deine Liebe für mich.

 

Weggeworfen wie ein nutzloses Blatt, 

stehe ich nun allein hier mit Bedacht.

Denke ich nun zurück an unsere Zeit,

der kein glückliches End` prophezeit.

 

Ach, da gingst du nun da fort,

ich wünschte dich nun an diesem Ort.

Wärst du damals dageblieben,

hätten wir zusammen Geschichte geschrieben.

 

(Annika Meuter, EF-Gk-Deutsch-NH, Dezember 2019)

 

 

Los Lassen

 

Fühle eine kalte Mauer zwischen uns beiden 

Auf der anderen Seite du mit warmen Herz 

Möchtest unsere Liebe zerschneiden 

Insgesamt fühle ich doch starken Schmerz

 

Es soll nur die Erinnerung bleiben 

Ich hoffe trotzdem von dir zu hören 

Ich werde dir manchmal Briefe schreiben 

Wär schön wenn wir uns nicht verlören 

 

Ich werde stets an dich denken 

Wir gehen auseinander ohne Streit 

Meine Gedanken will ich dir schenken 

Danke für die schöne Zeit 

 

(Rona Winners, EF-Gk-Deutsch-NH, Dezember 2019)

 

 

Zum Abschluss der Lyrik-Reihe und in Anlehnung an Gedichte wie z.B. von Ulla Hahn („Angstlied“) hier ein weiteres selbst verfasstes Gedicht einer Schülerin:

 

Ein großer Verlust

 

Wie Schnee, der schmilzt,

wie Blumen, die verblühen,

wie Wasser, das verdampft,

so plötzlich warst du fort.

 

Du warst das Wichtigste in meinem Leben,

du hast mir das Licht dieser Welt gegeben.

Doch auch die schönste Zeit ist einmal vorbei,

ich hoffe, dort oben fühlst du dich nun frei.

 

In jeder Wolke sehe ich nur dich,

ich hoffe, du siehst von da oben auch mich.

Wir hatten nicht immer die selben Interessen,

ich jedoch, werde dich nie vergessen.

 

(Annika Meuter, EF-Gk-Deutsch-NH, Dezember 2019)

 

 

Text: H. Niederhagen

Bild: Amina Seddiki, Schülerin der Jg.6

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