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Begegnung mit Auschwitz - Die Erinnerung an das Grauen wach halten

13. Februar 2018; Ellen Springer

Das war ein Kontrastprogramm! Anstatt wie viele ihrer Mitschülerinnen in Köln Karneval zu feiern, hat sich eine Gruppe von 24 Mädchen des diesjährigen Abiturientenjahrgangs auf den Weg gemacht, Auschwitz, das größte nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager, das weltweit zum Symbol für Holocaust, Völkermord und Nazi-Terror geworden ist, zu besuchen.

Initiiert und unterrichtlich vorbereitet von ihren beiden Geschichtslehrern Frau Schoene und Dr. Lauten in Zusammenarbeit mit der Stätte der Begegnung in Vlotho haben die Schülerinnen an dieser Gedenkstättenfahrt vom 7.2. bis 11.2.2018 teilgenommen.

Die Studienfahrt hatte das Ziel, sich – ohne Schuldgefühle – der historischen Verantwortung für die von unseren deutschen Vorfahren begangenen Gräueltaten zu stellen. Vor diesem Hintergrund wurde nach individuellen Konsequenzen, gesellschaftlichen Werten und Verhaltensweisen gefragt, denn Gedenken und Erinnern an die Vergangenheit sollten mit Verantwortungsübernahme in der Gegenwart verbunden werden. Wie kann aus der Erinnerung eine Bereicherung für menschliches, demokratisches Verhalten heute werden?

Untergebracht war unsere Gruppe im Zentrum für Dialog und Gebet in Oswiecim in unmittelbarer, fußläufiger Nähe des Auschwitz Stammlagers. Nach einem Vortrag über die Entstehung und Entwicklung der Konzentrationslager und Hinweisen zum Besuch der Gedenkstätte, stand am Nachmittag eine Führung durch das Stammlager (Auschwitz I) auf dem Programm. Unser Guide hat uns – nachdem wir das Eingangstor „Arbeit macht frei“ durchschritten haben - in vier Stunden über das Gelände geführt. Die winterlichen Bedingungen – alles war mit Schnee bedeckt und man spürte die Kälte in sich hochsteigen – haben ihr Übriges getan, um uns die unmenschlichen Gräueltaten der Nazis vor Augen zu führen. Aus allen von  den Nationalsozialisten besetzten europäischen Ländern wurden Verfolgte nach Auschwitz transportiert und dort zur Zwangsarbeit oder direkt zum Tod in den Gaskammern „selektiert“. Auschwitz ist folglich der größte Friedhof der europäischen Geschichte. Die Zahl der dort ermordeten Juden liegt nach Schätzungen über eine Million. Auch Tausende Sinti und Roma, sowjetische und polnische Kriegsgefangene wurden in Auschwitz eingesperrt und 99 % davon getötet.

Am Abend des ersten Tages gab es ein Auswertungsgespräch und Reflexion in Kleingruppen über das Erlebte und Gesehene.

Der nächste Tag hatte mit denselben Tourguides eine Führung durch das 3 km entfernte riesige Vernichtungslager Birkenau zum Inhalt. In einem wiederum vierstündigen Rundgang erliefen wir das durch das Eingangstor und die hindurch führenden Bahngleise, die plötzlich dahinter enden (auch „Rampe“ genannt) bekannte Gelände.

1941 wurde mit dem Bau des Lagers Birkenau (Auschwitz II) begonnen. Dort wurden größere Gaskammern und Krematorien gebaut, um letztlich ungezählte Menschenmengen mit ‚technischer Perfektion‘ zu vernichten. Viele der Lagerbaracken und die unzulänglichen Latrinen mit den katastrophalen Bedingungen haben uns nur ansatzweise vor Augen geführt, wie das Lagerleben in unmittelbarer Berührung mit Ungeziefer aller Art, Ratten, Fäkalien und sterbenden Menschen sowie ohne auch nur im Ansatz ausreichend mit Essen und Trinken versorgt zu sein menschenunwürdig verlaufen ist. Die Angst vor den täglichen Appellen, Schlägen und Tritten der SS-Offiziere und der Kapos (Bezeichnung der Position eines Funktionshäftlings in einem Konzentrationslager als Mitarbeiter der Lagerleitung) war für manchen Insassen nicht mehr zu ertragen und viele entschieden sich, den Freitod mittels Starkstromschlag durch die das Lager begrenzenden Stacheldrahtumzäunungen zu wählen. Tagsüber mussten die Lagerbewohner entweder in den Fabriken der IG Farben arbeiten oder im umliegenden Gelände; beispielsweise mussten Teiche angelegt werden, um die Asche aus den Krematorien zu „entsorgen“.

Wir haben viel gehört und gesehen. Einzeldarstellungen würden den inhaltlichen Rahmen hier sprengen. Am Mahnmal im hinteren Teil des Lagergeländes haben wir Blumen niedergelegt und in einer Andacht ein von Sr. Sarah-Marie verfasstes Gebet vorgelesen.

Unsere Eindrücke wurden am Abend wiederum reflektiert und es gab Vertiefungsangebote in Gruppen mit Themen wie „Die Experimente des Dr. Mengele“, „Kinder im Holocaust“, „Opfer- und Täterbiografien“. Einige Schülerinnen haben das Gesehene in eigenen Zeichnungen dargestellt, wieder andere haben in einer kleinen Theaterperformance ‚Opfer – Täter‘ inszeniert. Anschließend gab es einen Dokumentationsfilm zum „Sonderkommando“.

Auch der Samstag bot ein intensives und eng getaktetes Programm. Eine Gruppe besuchte eine Ausstellung im nahegelegenen Franziskaner-Minoritenkloster in Harmeze. Der ehemalige KZ Auschwitz Häftling Nr. 432 Marian Kolodziej hat seine grausamen Erinnerungen versucht, am Ende seines Lebens in Zeichnungen zu verarbeiten. Seine Exposition ist eine künstlerische Vision der KZ Hölle und der Heldentat von Pater Maximilian Kolbe, der sein Leben für das eines Mithäftlings geopfert hat.

Unsere zweite Gruppe hat im Stammlager Auschwitz an einem Workshop „Kunst im KL Auschwitz“ teilgenommen, wo Bilder von Häftlingen präsentiert wurden. Teilweise waren sie von der SS direkt beauftragt, Gemälde zu produzieren bzw. auch Porträts herzustellen (u.a. auch für den Lagerarzt Dr. Mengele).

Es schloss sich ein individueller Besuch in Kleingruppen an, der die Länderausstellungen im Stammlager Auschwitz I zum Inhalt hatte. Wir haben die Ausstellungen von Russland, Polen, Böhmen/Mähren, Ungarn, Sinti und Roma, Holland u.a. besucht.

Am Nachmittag des Samstags folgte ein Besuch von Oswiecim, u.a. mit einem Besuch des jüdischen Museum und der dazugehörigen Synagoge. Hier wurden wir von einer 19jährigen Abiturientin (2017) herumgeführt, die dort einen einjährigen europäischen Freiwilligendienst versieht. Eine Stadtführung mit Berichten an zentralen Orten schloss sich an.

Am Abend ging es mit dem Bus weiter nach Krakau, wo wir sehr zentral im Hostel Brama, unweit der Marienkirche, untergebracht waren. Um jüdische Kultur heute ein wenig zu erleben, waren wir zum Abendessen ins „Klezmerhois“ im ehemaligen jüdischen Viertel der Stadt zu koscherem Menü und mit jüdischer Livemusik eingeladen.

Am Sonntagmorgen hieß es nach dem Frühstück schon wieder Auschecken aus dem Hostel. Am Vormittag stand die Begegnung und das Gespräch mit einer Zeitzeugin auf dem Programm „Überleben in Auschwitz und was dann?!“. Frau Lydia Maksymowicz wurde als Dreijährige mit ihrer Mutter nach Auschwitz deportiert und hat dort 15 Monate verbracht. Es war sehr still im Raum, als sie von ihren Erinnerungen berichtete, die teilweise nur aus fotoähnlichen Eindrücken bestanden und aus späteren Berichten. Sie war von ihrer Mutter getrennt in der Kinderbaracke untergebracht und hat nach ihrem Ermessen das Grauen nur überlebt, weil sie eine robuste Gesundheit hatte. Bis zur Befreiung des Lagers am 27. Januar 1945 war sie kaserniert. Ihre Mutter wurde zu der Zeit auf einen der Todesmärsche geschickt, hatte aber, wie sie erst Jahrzehnte später erfuhr, überlebt und war wieder ins heutige Weißrussland zurückgekehrt. Lange Zeit kannte Frau Maksymowicz ihre Identität nicht. Sie wusste nicht, wie sie hieß und wo sie herkam. Nach der Lagerbefreiung wurde sie von einem Ehepaar aus Oswiecim mitgenommen und über ein Jahr lang erst einmal gesund gepflegt (extreme Unterernährung, kranke innere Organe, Körper übersät mit Ausschlägen). In den sechziger Jahren gab es ein Treffen mit ihrer leiblichen Mutter in Moskau. Unsere Zeitzeugin hat uns ermahnt, die Erinnerungen  - auch wenn es die letzten Zeitzeugen des Holocaust bald nicht mehr geben wird – wach zu halten und daraus zu lernen. Sie hoffe auf die zukünftigen Generationen und deren weise Entscheidungen, damit sich solche Gräueltaten nicht wieder abspielen können.

Sichtlich bewegt von dieser Begegnung machten wir uns auf den Weg in das Museum der ehemaligen Schindler-Fabrik. Hier ging es in der Ausstellung, die sehr anschaulich und aufwändig dargestellt war, um die „Geschichte von Krakau 1939-1945“, die Zeit der Okkupation. Man konnte auch Originaldrehplätze aus dem Steven Spielberg Film „Schindlers Liste“ sehen, den die Gruppe noch unmittelbar vor der Studienreise zusammen angeschaut hatte.

Anschließend ging es mit der Straßenbahn in das ehemalige Konzentrationslager Plaszow, wo bis auf das Haus des Lagerkommandanten Amon Göth und ein Grabmal zur Erinnerung nichts mehr übrig war. Das Haus ist heute kernsaniert und wurde von einem Versicherungsunternehmen gekauft. Die Stadt Krakau war nicht interessiert. Auch das „Grey House“ am Eingang des ehemaligen Lagers, wo seinerzeit Gefangene im Keller gefoltert wurden, ist heute in Privatbesitz.

Nun blieb nur noch eine Stunde Zeit zur freien Verfügung in Krakau, bis wir mit einer lokalen Stadtführerin durch das ehemalige Kazimierz, heute ein Stadtteil Krakaus, geführt wurden. Es war bereits dunkel und sie führte uns an ehemals jüdischen Synagogen, jüdischen Friedhöfen, Kirchen und modernen bzw. restaurierten Gebäuden vorbei, zu denen sie engagiert und motiviert interessante Geschichten erzählen konnte.

Gegen 19.30 Uhr hat unser Busfahrer Gregor schon auf uns gewartet, um die nächtliche Heimreise nach Köln anzutreten.

Voller Eindrücke all des Erlebten und Erfahrenen kamen wir am Morgen des Rosenmontags in Köln an. In diesem Jahr hatte wahrscheinlich niemand mehr Lust, direkt im Anschluss an diese Studienfahrt, ins Karnevalstreiben einzusteigen.

Diese Gedenkstättenfahrt ist geplant – in Zusammenarbeit mit der Stätte der Begegnung in Vlotho – fest im Schulprofil  verankert zu werden, um auch zukünftigen Schülergenerationen die Möglichkeit zu geben, die Erinnerung wachzuhalten.

 

  

 

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